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Helene Kürzinger, geb. Seller

   
geboren am 20.10.1870 in Altenmuhr/Mfr.
Straße  Semmelstraße 67
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum02.02.1943
TodesortTheresienstadt
   
am 23.09.1942 nach Theresienstadt deportiert und dort am 02.02.1943 ermordet
   
Helene war die jüngste Tochter von Nathan und Jette Seller, die in Altenmuhr gelebt hatten. Die Familie hatte drei Kinder: Vor Helene waren im Januar 1866 der Sohn Jacob und im April 1867 Helenes Schwester Therese (1867-1937) auf die Welt gekommen.
Die beiden Schwestern heirateten zwei aus Marktbreit stammende Würzburger Weinhändler: Während Helene 1893 Julius Kürzinger (1869-1942) heiratete, hatte sich Therese 1888 mit dem älteren Bernhard Kürzinger (1858-1928) vermählt.
Das Ehepaar Kürzinger wohnte im eigenen Anwesen in der Semmelstraße 67, das die Brüder von ihrem Vater geerbt hatten. Im Juli 1894 kam die Tochter Alice Babette zur Welt, im Dezember 1895 der Sohn Richard Josef und im Januar 1897 die jüngste Tochter Henny.
Der Sohn Richard starb im November 1915 als 20-Jähriger im 1. Weltkrieg bei Armentieres. Die beiden Töchter heirateten: Alice zog 1918 aus und lebte mit ihrem Ehemann, dem Anwalt Ernst Wertheimer in Berlin und auch Henny (Harriet) war in Berlin als Erzieherin tätig. Die Töchter waren immer wieder bei den Eltern zu Besuch und beiden gelang die rechtzeitige Emigration in die USA. Die Tochter Henny lebte dort unter dem Namen Harriet Zorek.
Im Jahr 1936 wurde gegen Julius Kürzinger ein Strafverfahren wegen Mietwuchers durchgeführt, in dem er rechtskräftig zu einer Geldstrafe verurteilt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war das Haus in der Semmelstraße 67 bereits verkauft und das Ehepaar lebte in der Rottendorferstraße 4. Später waren die Kürzingers gezwungen, im Jüdischen Altersheim in der Konradstraße 3 zu leben, wo im Dezember 1940 noch eine Wohnungsdurchsuchung stattfand, wie sie gegen jüdische Familie an der Tagesordnung waren. Sie endete wie üblich mit einer Strafe wegen Devisenvergehen und einer Herabsetzung des verfügbaren Freibetrags. Zu diesem Zeitpunkt war Helenes Mann bereits bettlägerig und starb bald darauf im März 1942.
Von hier aus wurde Helene Kürzinger am 23. September 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 2. Februar 1943 ums Leben kam. Ihre Tochter Harriet hat für sie ein Gedenkblatt in Yad Vashem angelegt.

Biographie erstellt Januar 2010, überarbeitet Februar 2018
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapo-Akte 5292;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 321 f.; T. 2, S. 670;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/906922 (02.06.2016);
Datenbank der Holocaust Opfer aus den böhmischen Ländern und von Häftlingen im Theresienstädter Ghetto aus Europa, http://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/19889-helene-k-rzinger/ (02.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblatt, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&s_lastName=k%C3%BCrzinger&s_firstName=lina&s_place=&itemId=1371020&ind=0&winId=8306802687754800313 (02.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich. Würzburg - Theresienstadt, Abfahrtsdatum: 23.09.1942, http://www.statistik-des-holocaust.de/II26-13.jpg (02.06.2016).
Autorin / Autor gg, Ingrid Sontag
Paten Frau Dorothea Gollwitzer
   
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