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Elisabeth Weinberger

 
geboren am 14.02.1936 in Würzburg
Straße  Keesburgstraße 20
Stadtteil Frauenland
Deportationsdatum17.06.1943
Todesdatum30.06.1943
TodesortAuschwitz
   
am 17.06.1943 nach Auschwitz deportiert und dort kurz danach ermordet
   
Elisabeth Weinberger, in der Familie "Lies" genannt, wurde am 14.2.1936 als jüngste Tochter des Juristen Karl Weinberger (1889-1941) und seiner Ehefrau Ruth geb. Jacobsohn (1900-1943) in eine völlig assimilierte jüdische Familie hineingeboren, die mit dem Herzen an ihrer Heimat und der deutschen Kultur hing und ihre Kinder auch so erzog. Ihr Vater Karl Weinberger war von Berlin zunächst nach Hof versetzt worden, wo Elisabeths ältere Schwester Hannah (1928-2005) zur Welt kam. Ab 1929 wohnte die Familie dann in Würzburg zunächst in der Wittelsbacherstraße 7. Dort wurde zwei Jahre vor Elisabeth der Bruder Michael geboren. Elisabeths Vater war mittlerweile Erster Staatsanwalt in Würzburg geworden. Ihre Mutter Ruth stammte aus einer renommierten Lüneburger Familie und hatte dort als erstes Mädchen an einer altehrwürdigen Schule ihr Abitur abgelegt, ein Studium begonnen, war musikalisch sehr begabt und hatte 1923 geheiratet.
Elisabeth dürfte in den ersten Jahren ihres Lebens, solange ihr Vater noch lebte und die Familie noch in ihrer schönen Wohnung mit Gartenzugang in der Keesburgstraße wohnte, ein noch halbwegs behütetes Leben geführt haben. Die Eltern hatten sich bemüht, die schlechten Nachrichten von Ihren Kindern fern zu halten, um sie nicht unnötig zu belasten; dies geht aus dem Briefwechsel der Tochter Hannah mit ihrer Familie bzw. Verwandten und Freunden hervor. Weil er sich zunächst als ehemaliger Kriegsteilnehmer sicher fühlte und sich als Jurist in seinem Alter den Aufbau einer neuen Existenz im Ausland nicht zutraute, war eine Emigration in den früheren Jahren nicht ernsthaft betrieben worden.
Der erste Schatten auf ihr Leben fiel jedoch schon 1937 mit der Entlassung ihres Vaters aus dem Staatsdienst und noch gravierender 1938, als am 9. November 1938 eine Horde von Nazis in Abwesenheit des Vaters die Wohnung stürmte und Einrichtung zertrümmerte. Mutter und Kinder blieben unverletzt, doch war dies der Anlass, dass die Eltern sich entschlossen, die Kinder in Sicherheit zu bringen. Die Familie hatte Freunde und Bekannte in England und so waren sowohl für Hannah als auch Elisabeth mit ihrem Bruder Michael Pflegefamilien aufnahmebereit. Die Kinder sollten mit einem Kindertransport dorthin reisen. Als es soweit war, brachten die Eltern es nicht fertig, den beiden jüngeren Kinder, zu diesem Zeitpunkt 3 und 7 Jahre alt, die Trennung zuzumuten und so reiste nur die 11-jährige Tochter Hannah im Juni 1939 ab. Im Herbst 1939 mussten die Weinbergers in die Hofmeierstaße umziehen und dabei all ihre Möbel zurücklassen.
Als nach dem Tod des Vaters im Dezember 1941 die Mutter, die inzwischen als Krankenschwester arbeitete, mit Elisabeth und mit ihrem Bruder in das Heim in der Dürerstraße 20 umziehen musste, wurde die Bedrängnis und Not auch für die 5-Jährige sicher immer spürbarer.
Am 17.6.1943 wurde sie mit Mutter und Bruder von ihrer letzten Würzburger Station in der Bibrastraße 6 aus nach Auschwitz deportiert. Ihr kurzes Leben endete in einer Gaskammer in Auschwitz, als sie gerade etwas über sieben Jahre alt war.

Biographie erstellt Januar 2010, überarbeitet Juni 2017
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, S. 660;
Hannah Hickman, Let One Go Free, Newark (GB) 2003;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/987969 (26.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblatt, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=1068202&ind=2 (26.06.2016).

Foto: Privatbesitz Ruth Verroen
Autorin / Autor Hans-Peter Baum, Ingrid Sontag
Paten Das Matthias-Grünewald-Gymnasium, Christoph Ries
   
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