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Michael Weinberger

 
geboren am 15.09.1931 in Würzburg
Straße  Keesburgstraße 20
Stadtteil Frauenland
Deportationsdatum17.06.1943
Todesdatum30.06.1943
TodesortAuschwitz
   
am 17.06.1943 nach Auschwitz deportiert und dort kurz danach ermordet
   
Michael Weinberger war der Sohn von Karl Weinberger (1889-1941), Erster Staatsanwalt in Würzburg, und seiner Ehefrau Ruth geb. Jacobsohn (1900-1943). Vor ihm war die Schwester Hannah (1928-2005) in Hof und nach ihm die jüngere Schwester Elisabeth 1936 in Würzburg geboren, beides Stationen seines Vaters in seiner Tätigkeit als Jurist im Staatsdienst. Nach allem, was wir über seine Familie wissen, hatte Michael eine zunächst sorglose, behütete Kindheit. Er entstammte einer gänzlich assimilierten Familie, die ihre fränkische Heimat und die deutsche Kultur sehr liebte und dieses Gefühl auch ihren Kindern vermitteln konnte.
Die Kindheit wurde schon bald getrübt durch die Folgen der Entlassung des Vaters aus dem Staatsdienst 1937 und den Überfall von Nazi-Horden am Abend der Pogromnacht 1938, als Teile der Wohnungseinrichtung zerstört wurden, während der Vater auf Reisen war. Mutter und Geschwister blieben unverletzt. Doch war das Ereignis der Anlass, dass sich die Eltern schweren Herzens entschlossen die Kinder in Sicherheit zu bringen. Alle drei sollten im Juni 1939 einem Kindertransport nach England anvertraut werden, der sie zu Pflegefamilien in England bringen sollte, die sich durch gute Bekannte gefunden hatten. Als es soweit war, brachten es die Eltern nicht übers Herz, den 7-jährigen Michael und die 3-jährige Lies wegzuschicken und so wurde nur die 11-jährige Schwester Hannah von den Eltern in den Zug gesetzt. Hannah pflegte solange es ging einen regen Briefwechsel mit ihrer Familie. Nach Ausbruch des Krieges wurde das immer schwieriger, doch Freunde und Verwandte übermittelten Nachrichten über die Schweiz, die Niederlande oder sogar die USA. Hannah hatte es gut in der fürsorglichen Obhut einer Bekannten der Familie. So hat sie die Shoa überlebt und der Nachwelt über das Schicksal ihrer Familie berichtet.
Aus Briefen weiß man, dass Michael, in der Familie "Micheli" genannt, ein gesunder, frischer Junge war, der natürlich unter einer 1939 erlassenen Regelung litt, dass jüdische Kinder nicht im Freien spielen durften. Seine Eltern schickten ihn zu Verwandten nach Marburg, wo niemand wusste, dass er Jude war und er so mit anderen Kindern überall spielen konnte. Versehentlich sagte er diesen Kindern selbst, dass er Jude war und wenig später wurden den Verwandten Repressalien angedroht; so musste Michael nach Würzburg zurückkehren.
Noch im Herbst 1939 musste die Familie die Wohnung in der Keesburgstraße mit einer kleinen Wohnung in der Hofmeierstraße unter Zurücklassung aller Möbel tauschen. Nach dem Tode seines Vaters im Dezember 1941 war die Familie gezwungen worden, zunächst in das Heim in der Dürerstraße 20, später dann in das "Judenhaus" Bibrastraße 6 zu ziehen; der 10-Jährige wollte seine Mutter, die mittlerweile als Krankenschwester arbeitete und seine kleine Schwester beschützen und half viel im Haushalt.
Am 17. Juni 1943 wurde er mit seiner Mutter und seiner Schwester nach Auschwitz deportiert. Seine Mutter hat der Schwester Hannah über das Rote Kreuz noch eine Nachricht zukommen lassen können über die ‚Verlegung des Wohnsitzes nach Osten‘. Neben der Unterschrift der Mutter findet sich auf dieser Notiz auch die Unterschrift Michaels. Nachdem in Auschwitz keine Registrierung vorliegt, ist anzunehmen, dass sie alle sofort ins Gas geschickt wurden. Das Todesdatum 30. Juni 1943 ist ein Sammeldatum für alle nicht exakt datierbaren Todesfälle im Juni 1943 in Auschwitz.

Biographie erstellt Januar 2010, überarbeitet Juni 2017
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, S. 660;
Hannah Hickman, Let One Go Free, Newark (GB) 2003;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/988010 (26.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblatt, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=1053031&ind=0 (26.06.2016).

Foto: Privatbesitz Ruth Verroen
Autorin / Autor Hans-Peter Baum, Ingrid Sontag
Paten Das Matthias-Grünewald-Gymnasium, Christoph Ries
   
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