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Georg (Siegfried) Friess

 
geboren am 18.07.1913 in Nürnberg
Straße  Domerschulstraße 21
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatum00.04.1945
TodesortBergen-Belsen
   
deportiert am 27.11.1941 nach Riga, ermordet im April 1945 in Bergen-Belsen
   
Georg (Siegfried) Friess, als Schüler mit Spitznamen "Gori" oder "Göger" genannt, stammte aus einem konfessionell gemischten Elternhaus. Sein im Ersten Weltkrieg gefallener Vater Hans gehörte nicht der jüdischen Religionsgemeinschaft an. Georg Friess wuchs aber in seinem Heimatort Frankenwinheim bei Gerolzhofen (LK Schweinfurt) offensichtlich im jüdischen Glauben auf; er besuchte nach der Volksschule zunächst die Israelitische Präparandenschule in Höchberg. Danach absolvierte er an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt (ILBA) in Würzburg, die besonders bei orthodoxen Juden einen sehr guten Ruf genoss, eine Ausbildung zum Lehrer. 1934 schloss er diese mit dem Examen ab und erhielt wohl eine Anstellung in der hessischen Gemeinde Sterbfritz (Main-Kinzig-Kreis) zwischen der Rhön und dem Spessart. 1937 war er wieder in Würzburg und scheint hier zeitweilig als Bäcker gearbeitet zu haben. Ab 1940 war er dann hier Lehrer an der Israelitischen Volksschule.
Am 27. November 1941 wurde er mit seiner Ehefrau nach Riga deportiert. Es ist denkbar, dass er sich freiwillig dazu meldete, um deportierte Schüler seiner Klasse zu begleiten, denn sowohl er selbst als auch seine Frau gehörten zu dem Personenkreis mit einem "arischen" Elternteil, die meist erst viel später, wenn überhaupt, deportiert wurden. Seine Schwiegermutter wandte sich - allerdings ohne Erfolg - an die Würzburger Gestapo, um mit dem Hinweis auf die teilweise "arische" Abstammung die Deportation ihrer Tochter und ihres Schwiegersohns zu verhindern.
Georg Friess wurde zur Zwangsarbeit zunächst im Ghetto Riga und in benachbarten KZs (Jungfernhof, Kaiserwald, Mühlgraben) eingesetzt, später in entfernter gelegenen Lagern wie Stutthof und Libau. Dann ist er in verschiedenen norddeutschen KZ-Nebenlagern nachweisbar, zuletzt in Bergen-Belsen, wo er noch in den letzten Kriegstagen - wie viele tausend andere Häftlinge, darunter so berühmte wie Anne Frank - einer Typhusepidemie erlag.
Seine Ehefrau überlebte und gelangte 1945 mit einem Rettungstransport des Roten Kreuzes nach Schweden.

Foto: Vor dem Holocaust - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen, Sterbfritz um 1936 (c) Henry Schuster
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 182;
H. Schultheis, Juden in Mainfranken. S.540;
Roland Flade, Lehrer, Sportler, Zeitungsgründer. Die Höchberger Juden und die Israelit. Präparandenschule (Schriften d. Stadtarchivs Würzburg 12) 1998, S. 69;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de871103 (19.05.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblatt, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&s_lastName=friess&s_firstName=Dzhordzh&s_place=&itemId=934259&ind=3&winId=-1206984322280503479 (07.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Riga, Abfahrtsdatum: 29.11.1941, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg2.jpg (07.06.2016).

Foto: Biographische Datenbank Jüdisches Unterfranken.
Autorin / Autor Hans-Peter Baum
Paten Die Kath. Hochschulgemeinde KHG
   
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