Arnold Reinstein

   
geboren am 16.03.1902 in Würzburg
Straße  Friedrich-Ebert-Ring 34
Stadtteil Sanderau
Deportationsdatum00.08.1941
Todesdatum17.10.1941
TodesortDachau
   
am 27.5.1941 in Würzburg verhaftet, Ende August 1941 nach Dachau deportiert, Tod in der Zelle am 17.10.1941 in Dachau
Friedrich-Ebert-Ring 34
   
Arnold Reinstein war das jüngste Kind von Lotte geb. Stiefel (1866-1943) und Martin Reinstein (1858-1921), einem Weinhändler mit einem Geschäft in der Hindenburgstraße 34. Mit 17 Jahren meldete er sich als Freiwilliger zu den Freikorps. Er studierte ab 1921 zunächst Jura und Volkswirtschaft, brach das Studium aber ab, um nach dem Tod des Vaters 1922 in die Weinhandlung der Gebrüder Reinstein einzutreten. Arnold Reinstein war sportlich aktiv, engagierte sich aber besonders im kulturellen Bereich. Er war Mitglied im Jüdischen Kulturbund, in der Kulturellen Arbeitsgemeinschaft Würzburg und ein begeisterter Amateurfotograf. Zeitweise schrieb er für den "Fränkischen Volksfreund", u.a. Kunst- und Theaterkritiken. Seiner Verlobten Norma Strauß (Jg. 1912) aus Würzburg war rechtzeitig die Emigration nach England gelungen. Sie wurde nach 1945 als Ehefrau anerkannt.
Während des Novemberpogroms 1938 verhaftet, wurde Arnold Reinstein am 10. Dezember zur Auflösung der Weinhandlung Gebrüder Reinstein wieder entlassen. Nach der Liquidierung des Familienbetriebs besuchte er Fachkurse für Fotografie in Berlin und Köln. Über Bekannte erhielt er das Angebot, als Fotograf nach England zu gehen; wegen des Kriegsbeginns konnte er die Stelle aber nicht mehr antreten. Zur Vorbereitung auf die Emigration begann er ab August 1939 eine Ausbildung zum Automechaniker, die er aber aus gesundheitlichen Gründen abbrechen musste. Wegen dieser gesundheitlichen Probleme wurde er auch von der für Juden geltenden Arbeitspflicht befreit und arbeitete stattdessen zu Hause für einen Würzburger Fotografen. Arnold Reinstein war oft in seiner Freizeit unterwegs, um Aufnahmen zu machen. Er geriet allerdings bald schon in den Verdacht, dabei Spionage zu betreiben. Ab Januar 1940 verfügte die Gestapo deshalb ein Fotografierverbot.
Kurz vor dem Termin seiner Auswanderung im Mai 1941 – Visum und Schiffspassage waren beschafft - unternahm er mit einem nicht jüdischen Freund einen Radausflug. Er wollte seinem Bürgen (einem Nachkommen aus der Familie seiner Großmutter Heilner in Baker Oregon) mit einem Bild vom ehemaligen Haus in Urspringen eine Freude machen. Der Verstoß gegen das Fotografierverbot und der aus den Fotos konstruierte Verdacht homosexueller Beziehungen führten dazu, dass er ebenso wie der Freund am 27.Mai 1941 ins Gerichtsgefängnis Würzburg gebracht wurde. Die Gesuche seiner Schwester Elly Reis auf Entlassung wegen der bevorstehenden Ausreise fanden kein Gehör und so wurde er Ende August ins KZ Dachau überstellt. Dort beging er am 17.10.1941 angeblich Selbstmord durch Erhängen.
Biographie erstellt März 2009, überarbeitet Mai 2015.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 452-454, 604, 622;
Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 10207;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de948574 (4.2.2015);
Roland Flade, Die Würzburger Juden. Würzburg 1987, S. 332-342;
Jewish Gen Wuerzburg Database – Searching for Surname Reinstein (4.2.2015)
http://www.jewishgen.org/databases/germany/wurzburg.htm;
Familysearch – Genealogien, Namenssuche (9.3.2015)
https://familysearch.org/ark:/61903/2:1:M7FL-2KJ (Caroline Heilner)
https://familysearch.org/ark:/61903/2:1:M7FL-2NR (Suche Aron Heilner)
https://familysearch.org/ark:/61903/2:1:M7FL-2NM (Suche Sigmund Aron Heilner).
Foto: Staatsarchiv Gestapoakte 10207.
Autorin / Autor NN, Ingrid Sontag
Paten Die SPD - Unterbezirk Würzburg/Stadt, Frau Dr. Dorothee Klinksiek
   
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