Selma Scheidt, geb. Geggel

   
geboren am 25.12.1878 in Nördlingen
Straße  Domerschulstraße 25
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum25.10.1942
TodesortTheresienstadt
   
am 23.09.1942 nach Theresienstadt deportiert und dort am 25.10.1942 ermordet
   
Selma kam in Nördlingen als Älteste von acht Kindern des Hopfenhändlers Heinrich Geggel (1854-1912) und seiner Frau Sophie, geb. Höchstädter (1855-1935) auf die Welt. Von ihren jüngeren Geschwistern starben die Zwillinge Elias und Elsa (Jg. 1885) noch im Kindesalter und der jüngste Bruder Max (Jg.1899) mit 30 Jahren. Ihre Brüder David (Jg.1881) und Alfred (1882-1950) und ihre Schwester Hedwig Hirsch, geb. Geggel (Jg.1887) konnten emigrieren und lebten in den USA. Wie und ob ihre Schwester Ida Weisbach, geb. Geggel überlebte, ist nicht bekannt.

Selma Geggel besuchte die Volksschule und anschließend die Höhere Töchterschule in Nördlingen. 1899 heiratete sie den Weinhändler Max Scheidt (1865-1933), der 1905 das Bürgerrecht in Würzburg erwarb. Ein Kind der beiden starb 1909 bei der Geburt. Max Scheidt betrieb zusammen mit seinem Bruder die von den Eltern übernommene Wein-, Spirituosen- und Teehandlung in der Domerschulstr. 25 im Familienanwesen.

Nach dem Tod des Ehemanns führte Selma Scheidt die Geschäfte bis zur Zwangsauflösung des Unternehmens 1938 zusammen mit ihrem Schwager Sigismund Scheidt weiter. Im Juli 1941 musste sie in das Jüdische Altersheim in der Dürerstraße 20 umziehen. Eine Hausdurchsuchung im November führte zur Beschlagnahmung einiger Gegenstände und einer Strafe wegen Devisenvergehen. Kurz darauf wurde sie aufgrund einer Denunziation von der Gestapo vernommen, weil sie sich mit ihrer langjährigen Haushälterin getroffen hatte. Der ‚Verkehr mit Ariern‘ war Juden verboten. Während ihre Haushälterin für drei Wochen in Haft genommen wurde, stellte der Amtsarzt bei Selma Scheidt Haftunfähigkeit fest - sie war nach mehreren Schlaganfällen gelähmt - und die Gestapo musste sie entlassen und auf eine Sanktion verzichten.

Am 23. September 1942 wurde Selma Scheidt ebenso wie ihr Schwager Sigismund und dessen Frau Vera nach Theresienstadt deportiert. Für einen sogenannten ‚Heimeinkaufvertrag‘ ließ man sie vorher noch über 45.000.-RM zahlen. Dort angekommen starb sie sehr rasch am 25. Oktober 1942 an den unmenschlichen Lebensbedingungen.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 12070;
Vermögenskontrollakten des Finanzamts Würzburg, Nr. 3428;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 506;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/964070 (22.06.2016);
Die jüdischen Familien von Nördlingen (Landkreis Donau-Ries), http://www.alemannia-judaica.de/images/Noerdlingen/FS-GEGGEL-HEINRICH.pdf (22.06.2016);
Datenbank der Holocaust Opfer aus den böhmischen Ländern und von Häftlingen im Theresienstädter Ghetto aus Europa, http://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/30793-selma-scheidt/ (22.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Theresienstadt, Abfahrtsdatum: 23.09. – 24.09.1942, http://www.statistik-des-holocaust.de/II26-21.jpg (22.06.2016).
Autorin / Autor NN, Ingrid Sontag
Paten Die Fürstlich Castell'sche Bank
   
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