Sigismund Scheidt

   
geboren am 28.05.1869 in Kitzingen
Straße  Domerschulstraße 25
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum23.03.1944
TodesortTheresienstadt
   
am 23.09.1942 nach Theresienstadt deportiert und dort am 23.03.1944 ermordet
   
Sigismund, jüngster Sohn des Weinhändlers Jonas Louis Scheidt (1841-1899) und seiner Frau Therese, geb. Kahn (1844-1897) kam in Kitzingen zur Welt. Auch seine Geschwister Max (1865-1933) und Frieda, verh. Rosenthal (1867-1928) sind dort geboren, bevor die Familie 1871 nach Würzburg zog. Der Vater gründete die Wein-, Spirituosen- und Teehandlung im eigenen Anwesen und erwarb 1878 das Bürgerrecht.

Sigismund Scheidt trat nach Volksschule und fünf Jahren Realschule in die elterliche Weinhandlung ein, die er etwa ab 1910 zusammen mit seinem Bruder und, nach dessen Tod 1933, mit seiner Schwägerin Selma sehr erfolgreich führte. Er gründete später seine eigene Weinhandlung. 1905 heiratete er Vera Löwenthal (1875-1944) aus Archshofen/Württ. Die Ehe blieb kinderlos. Sigismund erhielt das Bürgerrecht 1905 und mit der Firma den Titel "Hoflieferant". Er war als Freimaurer Mitglied der Logen „Zu den zwei Säulen am Stein“ in Würzburg und „Harmonie zur Treue“ in Berlin und außerdem Anhänger der Deutschen Demokratischen Partei. Sigismund wurde laut Gestapoakte aufgrund seiner Logenmitgliedschaft und seines geschätzten Vermögens von den Nazis bei einer „Aktion gegen einflussreiche Juden“ erfasst. Nach der Auflösung seines Geschäfts und der offiziellen Versteigerung der Geschäftsausstattung, wurde er im November 1941 wegen des mehrfachen Verkaufs von Essigfässern denunziert. Da er die Geschäfte mit ‚einem Arier‘ in Absprache mit dem NSDAP-Ortsgruppenleiter und unter Zahlung der notwendigen Ausgleichsabgabe aber ohne offizielle Genehmigung der Gestapo vorgenommen hatte, beließ man es bei einer Verwarnung. Bei einer Hausdurchsuchung beschlagnahmte man Zinnteller und 100 Flaschen Wein und wie in allen vergleichbaren Fällen, fand man Gründe für eine Strafe wegen Devisenvergehen und ordnete die Herabsetzung des zur Verfügung stehenden ‚Freibetrags‘ zum Lebensunterhalt an.

Kurz darauf im Dezember 1941 musste Sigismund Scheidt zusammen mit seiner Frau in die Konradstr. 3 umziehen und das ererbte Haus in der Domerschulstr. 25 räumen, in dem die Nazis begonnen hatten, Partner aus ‚Mischehen‘ zu konzentrierten. Ein Konflikt zwischen der Stadt Würzburg, die Interesse an dem Erwerb des Grundstücks hatte, um die Handwerkerschule zu erweitern und der Gestapo wurde zugunsten der Stadt gelöst, die das Eigentum an dem Grundstück erwarb.

Am 23. September 1942 wurde Sigismund Scheidt mit seiner Frau Vera und seiner Schwägerin Selma nach Theresienstadt deportiert, nachdem er gezwungenermaßen einen ‚Heimeinkaufvertrag‘ unterschrieben hatte, der ihm dort für über 80.000.- RM einen Platz sichern sollte. Er starb als Folge der unmenschlichen Lebensbedingungen am 23. März 1944, seine Frau Vera kurz nach ihm am 20. April 1944. Seine Geschwister waren schon vor der Herrschaft der Nationalsozialisten gestorben. Seine schwer kranke Schwägerin Selma Scheidt starb kurz nach ihrer Ankunft in Theresienstadt und seine Nichte Erna Kleemann, geb. Rosenthal wurde zusammen mit ihrem Mann Gustav 1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert und dort ermordet.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 12071;
Vermögenskontrollakte des Finanzamts Würzburg, Nr. 3428;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1910-1941;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 305-306; T. 2, S. 506, 483;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/964071 (22.06.2016);
Datenbank der Holocaust Opfer aus den böhmischen Ländern und von Häftlingen im Theresienstädter Ghetto aus Europa, http://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/30794-sigismund-scheidt/ (22.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Theresienstadt, Abfahrtsdatum: 23.09. – 24.09.1942, http://www.statistik-des-holocaust.de/II26-21.jpg (22.06.2016).

Foto: Gestapoakte.
Autorin / Autor NN, Ingrid Sontag
Paten Die Fürstlich Castell'sche Bank
   
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