Vera / Wera Scheidt, geb. Löwenthal

   
geboren am 12.08.1875 in Archshofen/Württ.
Straße  Domerschulstraße 25
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum20.04.1944
TodesortTheresienstadt
   
am 23.09.1942 nach Theresienstadt deportiert und dort am 20.04.1944 ermordet
   
Vera Scheidt kam am 12. August 1875 als jüngste Tochter des Pferdehändlers Moses Löwenthal (1838-1905) und seiner Frau Pauline, geb. Gundelfinger (1848-1918) aus Michelbach auf die Welt. Sie heiratete 1901 Sigismund Scheidt aus Würzburg. Auch ihre Zwillingsschwester Laura (1875-1938) war mit einem Weinhändler namens Alfred Kimpel (1873-1937) in Würzburg verheiratet und Paulines Bruder Dr. Simon Löwenthal (Jg.1870) wurde Fabrikbesitzer und lebte in Bergedorf bei Hamburg. Die Eltern waren 1904 aus Rothenburg nach Würzburg zugezogen, wo der Vater, inzwischen Privatier, bald darauf starb.

Die Ehe von Vera und Sigismund Scheidt blieb kinderlos und Vera arbeitete als Prokuristin in der Weinhandlung ihres Mannes, die sich im gleichen Haus wie die Wohnung befand. Das Ehepaar musste in der Nazizeit immer stärkere Drangsalierungen erleben: Die erzwungene Auflösung der Firma 1938, Hausdurchsuchungen, Denunzierungen, polizeiliche Vernehmungen, Verwarnungen, Strafen wegen Devisenvergehen und im Dezember 1941 der angeordnete Auszug aus ihrem Haus in der Domerschulstraße 25. Das Ehepaar versuchte noch, ihre langjährige Haushälterin mit der Übereignung des Hausrats zu bedenken.

Von der Konradstrasse 3 aus wurde Vera Scheidt zusammen mit ihrem Mann und der Frau ihres Schwagers Selma, geb. Geggel am 23. September 1942 nach Theresienstadt deportiert. Das Wohnen dort mussten sie mit einer Summe von über 80.000.- RM für einen ‚Heimeinkaufvertrag‘ bezahlen. Vera starb kurz nach ihrem Mann am 20. April 1944 in Theresienstadt an den unmenschlichen Lebensbedingungen. Aus Veras Familie konnte lediglich die Tochter ihrer Schwester Laura, Ilse Kimpel, verh. Ottenberg zusammen mit dem Ehemann Richard in der Emigration in England überleben.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 12071;
Vermögenskontrollakte des Finanzamts Würzburg, Nr. 3428;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1910-1941;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 358, 301, 434 f.; T. 2, S. 483, 506;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/964073 (22.06.2016);
Datenbank der Holocaust Opfer aus den böhmischen Ländern und von Häftlingen im Theresienstädter Ghetto aus Europa, http://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/30795-wera-scheidt/ (22.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Theresienstadt, Abfahrtsdatum: 23.09. – 24.09.1942, http://www.statistik-des-holocaust.de/II26-21.jpg (22.06.2016).
Autorin / Autor NN, Ingrid Sontag
Paten Die Fürstlich Castell'sche Bank
   
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