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Marianne Merina Marx, geb. Freudenberger

   
geboren am 16.11.1873 in Unterleinach/Ufr.
Straße  Schustergasse 2
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum02.02.1943
Todesdatum05.02.1943
TodesortAuschwitz
   
Ausreise nach Holland im Januar 1940, ab Anfang Oktober 1942 in Westerbork interniert, am 2.2.1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet
   
Marianne Marx wurde in Unterleinach geboren, wo zahlreiche Familien mit Namen Freudenberger lebten. Ihr Vater war Hona Freudenberger (1842-1932), der im Jahr 1872 Rosa Stein (1849-1917) aus Saulenheim/Mfr. geheiratet hatte. Von Beruf war er Viehhändler und stammte aus einer früh in Leinach ansässigen Familie. Vor Marianne war 1874 die Tochter Rosalie (Jg.1874) geboren worden und nach ihr der Bruder Siegbert (1877-1923).
Marianne hatte ca. 1895 Ferdinand Marx geheiratet und lebte mit ihm in Heilbronn, wo er eine Dampfmolkerei betrieb. Dort kamen auch die beiden Töchter Lilly (1897-1943) und drei Jahre nach ihr Grete (1900-1976) zur Welt.
Im Jahr 1922 zog die Familie nach Würzburg, wo ihr Mann einen Weinhandel eröffnete. Sie wohnten zunächst in der Heinestraße, dann in der Eichhorn- und ab 1934 in der Schustergasse 2.
Während Lilly Philipp Duveen (1890-1943) heiratete und erst in Berlin und dann mit ihm in den Niederländen lebte, heiratete Grete den Rechtsanwalt Ludwig Stein, der seit 1922 mit Sally Stern eine Gemeinschaftskanzlei in der Neubaustraße 18 betrieb. Grete und ihrem Mann gelang es, 1939 über Holland in die USA auszuwandern, während Lilly mit ihrem Mann in Den Haag blieb.
Marianne und ihr Mann Ferdinand, hatten sich nach dem November 1938 auf Drängen der Tochter entschieden, Deutschland zu verlassen und nach Den Haag zu Lilly zu kommen. Dies gelang erst nach über einem Jahr, weil ihr Mann Ferdinand wegen Devisenvergehen drei Monate in Haft kam und die Strafe in einer Höhe festgesetzt wurden, dass das gesamte Vermögen verloren ging. Die Familie hatte versucht, einen Betrag von 7.000.- RM nach Holland zu transferieren, was verboten war. In dieser Zeit wechselte das Ehepaar Marx noch zweimal die Wohnung: Zuerst lebten sie am Röntgenring 5, dann am Schluss noch kurz in der Domstraße 68.
Im Januar 1940 emigrierte das Ehepaar zur Tochter Lilly. Dort wohnten sie zusammen in der Juliana van Stolberglaan 405 und beantragten bei der deutschen Botschaft in Den Haag im Januar 1941 die Verlängerung ihrer Reisepässe, vermutlich um Europa zu verlassen. Im Mai 1941 wurde das Verfahren zur Aberkennung der Staatsangehörigkeit eröffnet.
Zusammen mit ihrem Mann wurde Marianne Marx Anfang Oktober 1942 in Westerbork interniert, am 2.2.1943 zusammen mit Tochter Lilly und Schwiegersohn Philipp nach Auschwitz deportiert. Alle vier wurden am 5. Februar ermordet.
Mariannes Bruder Siegfried war 1923 gestorben. Seiner Frau gelang mit ihren beiden Kindern die Emigration in die USA. Ihre Schwester Rosalie, Ehefrau des Weinhändlers Moritz Rosenthal aus Kitzingen, konnte sich ebenso wie ihr Mann und ihre drei Kinder Albert, Leo (Jg.1908) und Grete in den USA in Sicherheit bringen.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, S. 170 f., 374, 482, 579;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/926366 (21.06.2016);
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs;
Joodsmonument, Datenbank der Opfer der Shoa aus den Niederlanden, https://www.joodsmonument.nl/en/page/145027/merina-marx-freudenberger (21.06.2016);
Nederlandse Rode Kruis, Judenratskarte Ferdinand Marx;
Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 7044;
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Marianne Marx und ihre Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de (1.12.2017);
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1922-1940, Grundlisten Eichhornstraße 10, Schustergasse 2;
Familysearch, Suche nach Daten für die Schwester und die Schwägerin mit Familie, https://www.familysearch.org/search.
Autorin / Autor NN, Ingrid Sontag
Paten Frau Ursula Keller-Lensch
   
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