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Leopold Reiter

 
geboren am 13.02.1888 in Hainsfarth/Schwaben
Straße  Franziskanergasse 12
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatumunbekannt
Todesortbei Riga
   
am 27.11.1941 nach Riga deportiert und dort oder in der Nähe bald darauf ermordet
   
Leopold Reiter war das zweitjüngste von acht Kindern des Kaufmanns David Reiter (1845-1902) und seiner Ehefrau Jette, geb. Dottenheimer (1851/2-1938) aus Hainsfurth/Schwaben. Ein Geschwisterkind starb gleich nach der Geburt und so wuchs Leopold mit zwei Schwestern und vier Brüdern auf. Nach dem Besuch der Volksschule in Hainsfarth absolvierte er in Kitzingen eine Lehre als Weinhändler. Danach arbeitete er in verschiedenen Städten als Weinreisender. 1915-1918 nahm er am Ersten Weltkrieg teil, kämpfte an der Westfront und wurde dafür u.a. 1934 mit dem Ehrenkreuz für Frontkämpfer ausgezeichnet.
1924 ließ er sich in Würzburg nieder, heiratete im selben Jahr Thekla Schnell (1899-1938) aus Weimarschmieden und gründete bald darauf eine Weinhandlung. 1927 kam der Sohn Hermann David und 4 Jahre später der Sohn Heinrich auf die Welt. Seine Frau Thekla starb 1938. Leopolds Bruder Heinrich (Jg. 1884) war ab 1908 als Religionslehrer in Gerolzhofen tätig, zog 1938 nach Würzburg zu und konnte mit seiner Ehefrau Recha (Regina) im August 1939 über London in die USA emigrieren, wo er ab September 1940 lebte.
Leopold Reiter dagegen bemühte sich schon 1935 erfolglos um eine Emigration nach Palästina. Im Novemberpogrom 1938 wurde er verhaftet, im KZ Dachau interniert, und von dort am 20.12.1938 wieder entlassen. Er musste am 1.1.1939 sein Geschäft aufgeben und von August 1939 bis November 1941 Zwangsarbeit bei einer Würzburger Baufirma und beim Städtischen Tiefbauamt Würzburg leisten.
Leopold Reiter heiratete im Jahr 1939 Gitta Vorchheimer, die aus Thüngen stammte. Auch Gittas Schwester Ernestine lebte bei ihnen. Kurz darauf musste die Familie ihre Wohnung in der Franziskanergasse verlassen und einige Monate ein Quartier Beim Grafeneckart 9 beziehen, bevor sie im September 1941 in die Bibrastraße 17 eingewiesen wurden. Auch Wohnungsdurchsuchungen, Beschlagnahmen, Strafen wegen sog. „Devisenvergehen“- er hatte die beiden Sparbücher seiner Söhne nicht in der Vermögenserklärung angegeben - machten der Familie das Leben schwer und führten zu Strafen und Herabsetzung der zum Lebensunterhalt verfügbaren Geldsumme.
Am 27.11.1941 wurde Leopold Reiter zusammen mit Frau und Kindern nach Riga deportiert, wo alle vermutlich kurze Zeit später ermordet wurden.
Seine beiden Schwestern kamen im November 1941 in Kauen ums Leben, sein Bruder Hermann galt nach seiner Deportation ins Getto Piaski als verschollen. Außer Heinrich Reiter konnte ein weiterer Bruder emigrieren. Über das Schicksal seines jüngsten Bruders ist nichts bekannt.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 457-458, 644-646;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter nationalsozialistischer Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1008310 (16.11.2015);
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs;
Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 10308/09, 10313;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1938-1941;
Familysearch.org, Suche nach Heinrich Reiter, Passagierlisten; Jewish Genealogy in Bavarian Swabia, http://jgbs.org/SuperSearch.php?Sp=3&Book=birth&Com=9 (19.11.2015).
Autorin / Autor NN, Ingrid Sontag
Paten Der Staatliche Hofkeller, Herr Bernd van Elten
   
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