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Rachel Drezie (Dora) Wohl, geb. Wachtel

   
geboren am 28.02.1873 in Rohatyn/Galizien
Straße  Rosengasse 1
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum29.04.1943
Todesdatumunbekannt
TodesortAuschwitz
   
Juli 1939 Flucht nach Belgien, interniert in Mechelen, 1943 deportiert nach Auschwitz und dort ermordet
   
Rachel Dora Wohl wurde als Rachel Drezie Wachtel in Rohatyn/Galizien (heute Ukraine) geboren. Ihre Eltern waren Chaim Wachtel und Amalie geb. Breiter. Nach ihr kamen die zwei Brüder Jakob und Josef 1876 bzw. 1879 auf die Welt.
Ihre Ehe mit Mayer Szaje Wohl, nach religiösem Ritus geschlossen, wurde erst 1909 zivilrechtlich beurkundet. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Ehepaar bereits vier Kinder: Abraham David (Alfred) (1901-1997), Esther Maria (Else) (1903-1942), Herrsch Israel (Hermann) (1905-1942) und Aaron (Adolf) (Jg.1907). Nach der Geburt des Sohnes Josef (Jg.1910) wurde die siebenköpfige Familie in Würzburg ansässig. Doras beide Brüder Jakob und Josef, die im Weinhandel tätig waren, lebten bereits hier, so dass sie zunächst bei ihnen unterkamen.
Die beiden jüngsten Kinder Rosa (Shoshana) (Jg.1912) und Leo(n) (1914-2003) sind in Würzburg geboren worden. Dem Einwohnermeldebogen ist zu entnehmen, dass die Kinder zunächst unter dem Namen Meth gemeldet waren, weil es Probleme mit der zivilrechtlichen Anerkennung der Ehe gab. Später wurde der Familienname dann offiziell in Wuhl bzw. Wohl geändert. Doras Mann Mayer Wohl arbeitete als Eierhändler und sehr bald wie auch seine beiden Schwager als Weinreisender für die Schweinfurter Firma Breitenbach.
Bereits ab 1916 und während ihr Mann seinen Militärdienst in der österreichischen Armee ableistete, lebte die Familie für längere Zeit in der Domstraße 68. Dort befand sich dann später auch die Weingroßhandlung des Sohnes Hermann. Im Jahr 1933 wurde der Wohnung zunächst in die Kapuzinergasse 19, dann kurz in die Domerschulstraße 9 und im Mai 1934 in die Rosengasse 1 verlegt, wo auch ihr Bruder Jakob seine Weinhandlung hatte.
Nachdem die deutsche Regierung 1938 beschlossen hatte, Juden mit polnischer Staatsangehörigkeit auszuweisen, wurde ihr Mann und vermutlich auch sie in das deutsch-polnische Niemandsland abgeschoben. Sie konnten zwar später nach Würzburg zurückkehren, mussten sich aber bald in Sicherheit bringen. Wie viele andere polnisch-stämmige Würzburger Juden emigrierte das Ehepaar im Juli 1939 nach Belgien, vermutlich nach Brüssel – ebenso wie ihre Söhne Alfred, Leon, Hermann und die Tochter Maria, verh. Haber. Nur den beiden Erstgenannten gelang von dort die Flucht in die USA. Die beiden anderen wurden ebenso wie Sohn Joseph von Frankreich aus deportiert und ermordet. Rosa, verh. Weiser, und Adolf konnten rechtzeitig nach Palästina auswandern. Nachdem im Mai 1940 die Nazi-Truppen in Belgien einmarschiert waren, war die Familie dort nicht mehr sicher. Gesichert ist, dass Dora Wohl am 19.04.1943 von Mechelen, wo sie vermutlich noch zusammen mit ihrem Mann interniert war, nach Auschwitz deportiert wurde, wo sie vermutlich bald darauf ermordet wurde. Über das genaue Schicksal ihres Mannes ist nichts bekannt.
Die Gedenkseiten für ihre Angehörigen hat die Tochter Rosa (Shoshana) in Yad Vashem angelegt.

Biographie erstellt September 2010, überarbeitet Juni 2018
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, S. 228, 663, 674 f.;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/995634 (26.06.2016); Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblatt, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=1466335&ind=5 (26.06.2016);
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher Würzburg 1910-1939, Einwohnermeldebogen Mayer Wohl, Grundlisten Domstraße 68, Kapuzinerstraße 19, Rosengasse 1;
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Mayer Wohl und seinen Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/ (1.6.2018)
; Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs;
Stadtarchiv München, Biographisches Gedenkbuch der Münchner Juden, 1933-1945 http://www.muenchen.de/rathaus/gedenkbuch/gedenkbuch.html, (1.6.2018);
Mémorial de la Shoah, Datenbank der zentralen Gedenkstätte für die Shoah in Frankreich, http://bdi.memorialdelashoah.org/internet/jsp/core/MmsGlobalSearch.jsp (10.06.2018);
FamilySearch, Suche nach Leon Wohl, https://familysearch.org/search (10.06.2018).
Autorin / Autor gg, Ingrid Sontag
Paten Familie Doris Rosi Endres-Schmitt
   
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