Amon (Anton) Schwabacher

   
geboren am 10.10.1879 in Würzburg
Straße  Bismarckstraße 7
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum25.04.1942
Todesdatumunbekannt
TodesortIzbica (Lublin)
   
deportiert am 25.04.1942 nach Izbica und dort ermordet
   
Amon Schwabacher besuchte in seiner Heimatstadt Würzburg vier Jahre lang die Volksschule und danach fünf Jahre lang die Realschule. Anschließend absolvierte er eine Lehre in einer Wormser Getreidemühle und in den Jahren 1898 - 1900, wieder in Würzburg, seinen Wehrdienst als Freiwilliger; er wurde zum Gefreiten befördert. Danach arbeitete er zwei Jahre lang als Kaufmann bei den Rheinmühlenwerken in Mannheim. 1902 trat er als Reisender in die Weinhandelsfirma A. W. Schwabacher ein, die von seinem Onkel Albert (1) Schwabacher geleitet wurde (sie lag in der Kapuzinerstr.1, schräg gegenüber der Residenz). Amon betreute den russischen Markt und stieg spätestens 1914 (vielleicht schon 1912) zum Mitinhaber der Firma auf. 1913 konvertierte er zur evangelischen Konfession, doch könnte es sich bei diesem Übertritt um einen rein formalen Akt zur Förderung seiner Geschäftskontakte im Ausland gehandelt haben, denn noch in den 1920er Jahren wurde er zugleich auch als Mitglied der Israelitischen Gemeinde geführt.
Bei Ausbruch des 1. Weltkriegs wurde er als feindlicher Ausländer in Moskau interniert. 1918 gelang ihm die Flucht aus einem Lager bei Orenburg/Ural; in Fußmärschen schlug er sich durch das von Revolutionswirren und Bürgerkrieg geschüttelte Russland nach Hause durch.

In den Jahren 1920 bis 1933, als er anscheinend weiterhin als Weinhändler tätig war, wurde er als Mitglied der Freimaurerloge "Zu den zwei Säulen am Stein" geführt.

Bis zum Dezember 1938 leitete er zusammen mit seinem Bruder Wilhelm die Familienfirma A. Schwabacher (die Bohnesmühle) und wohnte wohl seit 1938 oder 1939 - nachdem Juden ihre bisherigen Wohnungen systematisch gekündigt wurden - auch in der Bohnesmühlgasse 9. Interessant und ungewöhnlich ist, dass er im Juli 1938 die Genehmigung zum Vertrieb von Wein in Polen erhielt und ihm dafür sogar noch ein Pass erteilt wurde.

Wohl seit Herbst 1939 leistete er aber Zwangsarbeit bei einer Würzburger Baufirma; laut polizeiamtsärztlichem Zeugnis vom 13.10.1939 war er trotz Rheuma arbeitsfähig. Er sagte dazu später aus, dass er die Arbeit eigentlich mochte, doch war sie für ihn als nun bereits 60-jährigen zu schwer. Im Juli 1940 erlitt er bei der Arbeit einen Ohnmachtsanfall; das - allerdings erst Monate später erstellte - EKG ergab eine Myocard(Herzmuskel)schädigung und Störung der Durchblutung der Herzkranzgefässe. Inzwischen hatte er - im Juli 1940 - bereits die Genehmigung zur Teilnahme an einem Beiz- und Polierkurs in den jüdischen Anlernwerkstätten in München erhalten, an dem er bis Oktober 1940 teilnahm. Seine handwerkliche Geschicklichkeit wurde in seinem Zeugnis sehr gut beurteilt; daraufhin konnte er auch noch einen mehrwöchigen Ergänzungskurs im Beizen und Polieren besuchen. Seit dem 1. November 1940 arbeitete er als Polierer bei einem Würzburger Schreinermeister.

Bezeichnend für die Vorgehensweise der Gestapo ist, dass sie - wie viele dazu erstellte Aktenseiten deutlich machen - im Jahre 1940 akribisch den genauen Wortlaut einer Äußerung von Amon Schwabacher gegenüber seinem Vorarbeiter im Frühjahr 1940 eruieren wollte. Schwabacher hatte diesen offensichtlich gebeten, ältere Männer bei der Zwangsarbeit wenigstens für leichtere Arbeiten einzuteilen - wie berechtigt der Wunsch war, zeigte sich ja wenig später an ihm selbst. Schwabacher wurde wegen dieser Äußerung letztlich nicht bestraft, aber doch von der Gestapo verwarnt.

Am 25. April 1942 wurde Amon Schwabacher in der größten Deportation von Juden aus Unterfranken erfasst und in den Raum Lublin, in das kleine Lager Izbica, deportiert. Dort verliert sich seine Spur.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapo-Akte 13871;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, S. 531 ff.;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/969750 (23.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblatt, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=590426&ind=1 (23.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich. Nürnberg - Würzburg nach Krasniczyn, Abfahrtsdatum: 25.04.1942, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT420425-Wuerzburg47.jpg (22.06.2016).
Autorin / Autor Hans-Peter Baum
Paten Herr John R. Schwabacher
   
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