Johanna Ortweiler, geb. Schwabacher

   
geboren am 16.03.1871 in Würzburg
Straße  Bismarckstraße 5
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum12.01.1943
TodesortTheresienstadt
   
deportiert am 23.09.1942 nach Theresienstadt und dort am 12.01.1943 ermordet
   
Johanna Schwabacher besuchte die Volksschule in Würzburg und war danach im Haushalt ihrer Eltern tätig, die Besitzer der Bohnesmühle waren. Als älteste Tochter dürfte sie ihre Mutter bei der Führung des mit acht Kindern großen Haushalts unterstützt haben.
1894 heiratete sie in Schweinfurt den aus Thüringen stammenden, damals in Steinschönau in Böhmen tätigen Glasfabrikanten Josef Ortweiler. Dem Ehepaar wurde dort Ende Dezember 1894 der Sohn Otto geboren, der nach Abschluss der Schule Jura studierte; er war ihr einziges Kind.
1909 siedelte die Familie Ortweiler nach Eisenach über. Im November 1912 starb Johannas Ehemann; 1928 zog sie wieder nach Würzburg, wo der größte Teil ihrer Familie lebte. Sie wurde Mitglied im Jüdischen Kulturbund.
Im Oktober 1939 wurde sie - ebenso wie die betroffenen Kaufleute - von der Gestapo vernommen, weil sie - anscheinend ein einziges Mal - in einem nicht für Juden bestimmten Geschäft Kaffee eingekauft hatte. Ihr wurde deswegen eine Geldstrafe von RM 50,- auferlegt. Das Geld wurde an das Rote Kreuz überwiesen. Ende November 1941 wurden die Möbel ihrer Wohnung versteigert, aus der sie im Oktober 1941 hatte ausziehen müssen; sie kam in das Jüdische Altersheim in der Konradstraße 3. Ende August 1942 überredete man sie unter Vorspiegelung falscher Tatsachen zum Abschluss eines "Heimeinkaufsvertrags" für Theresienstadt, durch den sie um RM 6.100,- gebracht wurde.
Am 23.9.1942 wurde ihr noch verbliebenes Vermögen zugunsten des Deutschen Reichs eingezogen. Sie selbst wurde am selben Tag nach Theresienstadt deportiert, wo sie vier Monate später im Alter von 72 Jahren verstarb.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapo-Akte 9053;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, S. 433;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/941614 (21.06.2016);
Datenbank der Holocaust Opfer aus den böhmischen Ländern und von Häftlingen im Theresienstädter Ghetto aus Europa, http://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/27042-johanna-ortweiler/ (21.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblatt, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=1836018&ind=2 (21.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich. Würzburg – Regensburg nach Theresienstadt, Abfahrtsdatum: 23.09.1942, http://www.statistik-des-holocaust.de/II26-18.jpg (21.06.2016);
SSAA – Einwohnermeldekartei. Ifd. Nr. 28090, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/test/web324w/showimg/showimg.php?files=../quellen/1052/28090.jpg (21.06.2016).

Foto: Biographische Datenbank Jüdisches Unterfranken.
Autorin / Autor Hans-Peter Baum
Paten Frau Anja William
   
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