Salomon Wertheim

   
geboren am 28.12.1888 in Kitzingen
Straße  Schillerstraße 2
Stadtteil Sanderau
Deportationsdatum25.04.1942
Todesdatumunbekannt
TodesortRaum Lublin
   
am 25.4.1942 nach Krasniczyn deportiert und im Raum Lublin ermordet
   
Salomon Wertheim wurde als jüngster Sohn von Rudolf Wertheim (1844-1927) aus Wehrda bei Marburg und Bertha, geb. Fernberger (1846-1924) aus Bibergau geboren. Die Eltern hatten in Kitzingen geheiratet. Dort wuchs Salomon zusammen mit seinen älteren Brüdern Moritz (Jg.1877), Jakob (1879-1942) und Oskar (1885-1925) auf. Die Schwester Selma (Jg.1879) war als Säugling gestorben.
Salomon Wertheim besuchte die Volks- und Realschule und absolvierte danach eine Lehre im elterlichen Mehl- und Landesproduktengeschäft in Kitzingen, wo er bis 1915 tätig war. Zum Militärdienst wurde er wegen eines Herzleidens nicht eingezogen, leistete aber Dienst in einer Sanitätskolonne in Kitzingen. Zwischen 1915 und 1922 arbeitet er bei der Stadt Kitzingen in der Getreidebewirtschaftung und anschließend vertrat er Versicherungen. Im März 1934 wurde er verhaftet, weil er angeblich eine Beziehung zu einer "arischen" Frau hatte, musste nach 5 Tagen aber wieder freigelassen werden. Noch im gleichen Jahr übersiedelte er nach Würzburg und arbeitete als Geschäftsführer in der Weinhandlung seines Bruders, "Moses Wertheim & Co." Laut Eintrag in der Hausliste der Schillerstraße 2 scheint er im April 1936 nach Frankreich verzogen zu sein, ist aber offensichtlich wieder zurückgekommen.>br> Im Zuge des Novemberpogroms wurde er am 10.11.1938 festgenommen und ins KZ Dachau gebracht. Von dort wurde er am 20.12.1938 wieder entlassen. 1939 musste er das Geschäft des herzleidenden Bruders auflösen. Danach arbeitete er als Zwangsarbeiter bei einer Würzburger Baufirma und dem Städtischen Tiefbauamt. Seine Gesuche um Freistellung wegen der Abwicklung der Geschäfte der Weinhandlung wurden ebenso abgelehnt wie der Antrag des Israelitischen Kranken- und Pfründnerhauses, ihn als Krankenpfleger zu beschäftigen. Auch seine Bemühungen um eine Emigration über Frankreich in die USA blieben ohne Erfolg. Zuletzt war er in der Bibrastraße 6 wohnhaft.
Am 25.4.1942 wurde er zusammen mit seinem Bruder und dessen Ehefrau nach Krasniczyn deportiert. Dort bzw. im Raum Lublin wurden alle drei vermutlich kurze Zeit später ermordet.
Sein Bruder Julius Jakob war nach Hamburg verzogen und kam im Ghetto von Minsk 1942 ums Leben.
Biographie erstellt September 2010, überarbeitet Mai 2016.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapo-Akte 17158;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S.668, 669;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de990763 (28.4.2016);
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs;
M. Schneeberger, Gedenkbuch Kitzingen, YISKOR, Zum Gedenken an die in der Schoah ermordeten Kitzinger Juden, unter Mitarbeit von C. Reuter und E. Schwinger, S.349-353, Kitzingen 2011;
Foto: Stadtarchiv Kitzingen.
Autorin / Autor NN, Ingrid Sontag
Paten Der HVD Humanistischer Verband Deutschlands, Regionalgruppe Würzburg, Herrn Frank Stößel
   
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