Felix Hanauer

   
geboren am 03.12.1882 in Wiesenfeld (Ufr.)
Straße  Neutorstraße 3
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatumunbekannt
Todesortin/bei Riga-Jungfernhof
   
deportiert am 27.11.1941 nach Riga, ermordet vermutlich im Winter 1941/42 in oder in der Nähe von Riga-Jungfernhof
   
Felix Hanauer stammte aus einer Viehhändlerfamilie in Wiesenfeld (Eltern: Abraham und Hannchen Hanauer, geb. Fink) und wuchs mit drei Brüdern und einer Schwester auf. Nur der älteste Bruder blieb als Viehhändler am Geburtsort. Schon als 15-Jähriger zog Felix 1897 für seine Ausbildung zum Kaufmann von Wiesenfeld nach Würzburg. Er arbeitete zunächst als Lehrling und dann als Angestellter bei den Firmen M. Baer und Rosenheimer & Weikersheimer. Er blieb unverheiratet. Ab Oktober 1904 leistete er seinen zweijährigen Militärdienst, wurde im September 1915 für den Landsturm gemustert und ab Oktober 1916 hinter den Linien in Frankreich bis zum Ende des Krieges eingesetzt.

1923 gründete Felix zusammen mit seinem Bruder Alfred Hanauer die Kurz-, Weiß- und Wollwarengroßhandlung Gebrüder Hanauer, die sowohl die Fertigung wie auch den Großhandel betrieb. Nach Würzburger Maßstäben waren die Brüder mit ihrer Firma recht erfolgreich. Nach dem Novemberpogrom von 1938 wurde Felix Hanauer nicht verhaftet - möglicherweise wegen eines schon länger bestehenden Nervenleidens, das einige Jahre zuvor mit einer "sog. Malariakur" behandelt worden war und ihm den Status der Arbeitsunfähigkeit sowie eine Kur zu Beginn des Jahres 1940 einbrachte.

Für sein Vermögen, das zum Januar 1936 mit 36.000 RM angesetzt wurde, musste er im November 1938 10.000 RM als Sicherheit für die Reichsfluchtsteuer zahlen. Wahrscheinlich hat er jedoch zu diesem Zeitpunkt seine Auswanderung noch nicht vorangetrieben. Die Registrierungsnummer des US-amerikanischen Generalkonsuls ist auf Mai 1941 datiert und im Herbst 1941 bemühten sich die Verwandten in New York um Visa für Kuba. Auch von der Wohnungsdurchsuchung bei "vermögenden Juden nach Hamsterware" um die Jahreswende 1940/41 blieb Felix Hanauer nicht verschont: Man beschlagnahmte einige neue Kleidungsstücke und Wäsche sowie seine Aktentasche und seine Schreibmaschine.

Wegen so genannter Devisenvergehen wurde er zu einer Strafe von 250 RM verurteilt und sein monatlicher Freibetrag - also das Geld, das ihm von seinen Rücklagen zum Leben blieb - auf 165 RM reduziert. Bis dahin jedenfalls hatte er mit seinem Freibetrag auch seine Schwägerin Rosa Hanauer in Wiesenfeld mit unterhalten. Zwei Mal hatte er seit dem Novemberpogrom bereits umziehen müssen, lebte zunächst in einem Zimmer zur Untermiete in der Schillerstraße 6 (bei Liebmann) und dann in der Kapuzinerstraße 21. Direkt vor der Deportation musste Felix Hanauer die obligatorische Vermögenserklärung aufsetzen. Dieses Dokument zeigt, dass er nur noch wenige bescheidene Möbel und Kleidung besaß, allerdings auch knapp 16.000 RM Kapital. Die Firma Gebr. Hanauer war im Februar 1939 arisiert worden.

Am 27. November 1941 wurde Felix Hanauer zusammen mit seinem Bruder Alfred und seiner Schwägerin Hella nach Riga deportiert, von dort in das Außenlager Jungfernhof gebracht und dort oder in der Nähe vermutlich in den folgenden Wochen oder Monaten ermordet.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 235;
Familienüberlieferung (John und David Hanauer);
Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakten 350 und 346;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de831367, (27.05.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblatt, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=de&s_lastName=hanauer&s_firstName=felix&s_place=&itemId=1513530&ind=1&winId=8635788469281016907 (27.05.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Riga, Abfahrtsdatum: 29.11.1941, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg6.jpg (10.06.2016).
Autorin / Autor Rotraud Ries
Paten Wirsberg-Gymnasium, Frau Dr. Angela Schwarzer, Angela
   
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