Heinrich Klein

   
geboren am 24.08.1898 in Veitshöchheim
Straße  Konradstraße 7
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatumunbekannt
Todesortin/bei Riga-Jungfernhof
   
deportiert am 27.11.1941 nach Riga-Jungfernhof und vermutlich dort oder in der Nähe im Winter 1941/42 ermordet
   
Heinrich Klein kam als Sohn von Lazarus und Babette Klein, geb. Hecht, am 24. August 1898 in Veitshöchheim zur Welt. Sein Vater war Religionslehrer und Kaufmann. Zunächst lebte die Familie mit ihren beiden Söhnen Jakob und Berthold in Marktbreit, bevor sie 1891 nach Veitshöchheim umzogen. Dort kamen die Kinder Martha (*17.06.1891), Adolf (*11.03.1893) und schließlich Heinrich zur Welt. Heinrich besuchte die Volksschule in Veitshöchheim und im Anschluss daran sechs Jahre lang die Oberrealschule in Würzburg (heute Röntgen-Gymnasium). Seine kaufmännische Lehrzeit absolvierte er von 1915 bis 1918 bei der Firma Julius Mayer und Söhne in Würzburg, allerdings mit Unterbrechungen, da er während des Ersten Weltkrieges auch an der Front eingesetzt war. Für seinen Einsatz erhielt er 1935 in Miltenberg das Ehrenkreuz für Frontkämpfer.
Nachdem er fünf weitere Jahre bei der FA Julius Mayer und Söhne angestellt war, bot sich ihm die Möglichkeit, in Köln als Leiter der Einkaufsabteilung und als Substitut des Prokuristen bei der Wollstoff AG zu arbeiten. In Köln heiratete er die aus Bad Mergentheim stammende Hedwig Hirsch und lebte mit ihr und der gemeinsamen Tochter Beate (*13.09.1931) in der Lütticherstraße 23. Als die Wollstoff AG liquidiert wurde, verlor er seinen Arbeitsplatz und machte sich als Kaufmann selbständig. Im Juli 1937 wurde Heinrich Klein in Würzburg die Stelle als Leiter und Verwalter im Israelitischen Kranken- und Pfründnerhaus angeboten (Dürerstraße 20 und Konradstraße 7). Neben seinen Verwaltungsaufgaben arbeitete er eng mit den katholischen Ritaschwestern - die Würzburger nannten sie "Judenschwestern". Die Familie bewohnte eine recht moderne Wohnung im dritten Altenheim in der Konradstraße 7. Im November 1937 wurde Heinrich K. von der Gestapo wegen der "Beschäftigung von sechs arischen Hausangestellten unter 45 Jahren" vernommen. Als die Situation sich immer weiter verschärfte, begann die Familie mit den Vorbereitungen für ihre Auswanderung. Heinrichs Bruder Adolf war es 1939 gelungen, mit seiner Familie nach Palästina zu emigrieren. Um eine Auswanderungserlaubnis zu erhalten, beantragte Heinrich Klein alle drei Monate Führungszeugnisse in Köln und Würzburg sowie Reisepässe für sich und seine Familie. Er stellte zwei Ausreiseanträge, den ersten nach Chile und den zweiten im März 1941 nach Illinois, USA, wo ein Cousin (Robert Lee Strauss) lebte. Am 14. Dezember 1939 erhielten die Kleins ihre Genehmigung für die Ausreise. Aus welchen Gründen sie dennoch in Würzburg blieben, ist unklar. Am 23. November 1941 musste Heinrich Klein mit seiner Familie auf der Gestapodienststelle zur "Belehrung" erscheinen, wo sie über die Einzelheiten des Abtransports informiert wurden. Am 27. November 1941 wurde Heinrich Klein mit seiner Familie und vielen weiteren Personen nach Riga-Jungfernhof deportiert. Er wurde dort vermutlich wenig später ermordet.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 3995;
Archiv Bad Mergentheim, Korrespondenz vom 17.01.2011;
Stadtarchiv Würzburg, Meldebogen;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 309;
Roland Flade, "Am beliebtesten waren die katholischen Schwestern: Einsatz der Ritaschwestern für die Würzburger Juden" (1912-1942 und 1945-1960), Manuskript;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/899035 (02.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblätter, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&s_lastName=klein&s_firstName=heinrich&s_place=wuerzburg&itemId=3618400&ind=1&winId=8306802687754800313 und http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&s_lastName=klein&s_firstName=heinrich&s_place=wuerzburg&itemId=975536&ind=2&winId=8306802687754800313 (02.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Riga, Abfahrtsdatum: 29.11.1941, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg3.jpg (02.06.2016).
Autorin / Autor Martina Buller
Paten Kongregation der Rita-Schwestern, Schwester Generaloberin Rita Maria Käß
   
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