Dr. Robert Sprinz

   
geboren am 06.03.1861 in Hohensalza (Inowrazlaw) bei Posen
Straße  Dürerstraße 14
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum20.02.1943
TodesortTheresienstadt
   
deportiert am 23.09.1942 nach Theresienstadt und dort am 20.02.1943 ermordet
Dürerstraße 14 (ehem. 20)
   
Robert Sprinz wurde 1861 in Inowrazlaw (Hohensalza) bei Posen geboren. Als Arzt war er zunächst in Burghaslach in Mittelfranken tätig und ließ sich 1898 in Würzburg als praktischer Arzt nieder. Mit seiner Frau Cäcilie hatte er zwei Kinder. Ab 1904 wirkte er als Oberarzt in der Inneren Abteilung des jüdischen Krankenhauses in der Dürerstraße. Während des Ersten Weltkrieges stellte Robert Sprinz das Krankenhaus als Lazarett zur Verfügung. Zusammen mit den katholischen Ritaschwestern bemühte er sich "in aufopferndster Weise" um die zum Teil schwer verwundeten Soldaten. In Berichten ist von seiner tiefen, väterlichen Stimme die Rede, von unbegrenzter Hingabe und Uneigennützigkeit. Robert Sprinz wurde aufgrund seiner Verdienste zum Sanitätsrat ernannt und erhielt das König-Ludwig-Kreuz. Nach seiner Pensionierung im März 1931 arbeitete Sprinz weiter, vor allem im Israelitischen Altenheim. Erst 1936, zu diesem Zeitpunkt bereits seit vier Jahren verwitwet, schied er aus dem Berufsleben aus. Als Dank für seine langjährigen Dienste gewährte man ihm im so genannten "Pfründehaus" das Wohnrecht auf Lebenszeit. In einem Brief der Stiftungsverwaltung heißt es: "Hunderten und Aberhunderten haben Sie durch Ihre ärztliche Kunst beigestanden, Hunderten und Aberhunderten waren Sie nicht nur Arzt des Körpers, sondern auch Arzt der Seele. Durch Ihre joviale Art, Ihr heiteres Gemüt, Ihre Menschenkenntnis und Ihren gesunden Optimismus haben Sie sich in die Herzen der Insassen hineingedoktort und so vielen Heilung und Genesung gebracht." 1938 erhielten jüdische Ärzte endgültig Berufsverbot. Robert Sprinz musste noch miterleben, wie das Krankenhaus und das Altenheim in ein Sammelquartier für die aus ihren Wohnungen verdrängten Juden umgewandelt wurden. Die Tochter des jüdischen Arztes, Rosa Sprinz, emigrierte 1938 mit Mann und Kindern in die USA, während der Sohn Otto bereits im März 1918 gefallen war. Als Bataillionsarzt eines Infanterie-Regiments hatte er bei Verdun in Stellung gelegen. Bei der letzten großen Deportation mit 562 Personen am 23. September 1942 wurde auch Robert Sprinz gefasst. Er starb in Theresienstadt am 20. Februar 1943 an den unmenschlichen Lebensbedingungen.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 14815
Rainer Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 574
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, hg. v. Bundesarchiv, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html.de (28.04.2011)
Roland Flade, Die Würzburger Juden, 2. Aufl. Würzburg 1996, S. 152 und 358
Roland Flade, "Am beliebtesten waren die katholischen Schwestern: Einsatz der Ritaschwestern für die Würzburger Juden" (1912 - 1942 und 1945 - 1960), Manuskript
Autorin / Autor Marianne Erben
Paten Kongregation der Rita-Schwestern, Schwester Generaloberin Rita Maria Käß
   
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