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Hubert (Pater Engelmar) Unzeitig

 
geboren am 01.03.1911 in Greifendorf bei Schönhengstgau
Straße  Mariannhillstraße 1
Stadtteil Frauenland
Deportationsdatum21.04.1941
Todesdatum02.03.1945
TodesortDachau
   
verhaftet am 21.04.1941, seit Anfang Juni 1941 im KZ Dachau, dort umgekommen am 02.03.1945
   
In Greifendorf bei Schönhengstgau als einziger Sohn des Kleinbauern Johann Unzeitig und seiner Frau Cäcilia geboren, wuchs Hubert Unzeitig mit vier Geschwistern auf. Nach der Volksschule arbeitete er zunächst als Landarbeiter. Schon in jungen Jahren beschloss er, Priester zu werden. 1928 wurde er in das Mariannhiller Spätberufenenseminar in Reimlingen/Ries aufgenommen. Nach dem Abitur trat er am 01.05.1935 dem Mariannhiller Orden bei. Während seines Noviziats im Missionshaus St. Paul bei Arcen in den Niederlanden erhielt er den Namen Frater Engelmar. Anschließend studierte er im Piusseminar in Würzburg und an der dortigen Universität Philosophie und Theologie. Nach der ewigen Profess 1938 wurde er am 06. August 1939 zum Priester geweiht.

Nach seinem Pastoraljahr betreute er im Mariannhiller Missionshaus Riedegg bei Linz in Oberösterreich französische Kriegsgefangene und übernahm im Herbst 1940 als Pfarrprovisor die Pfarrei Glöckelberg im Böhmerwald. Dort kümmerte er sich um Alte und Kranke und bereitete seine Predigten und den Religionsunterricht vor. Seine klaren und eindeutigen Antworten auf verfängliche Fragen von Hitlerjungen und SA-Leuten wurden ihm zum Verhängnis. Er wurde angezeigt und sah sich mit dem Vorwurf der "Heimtücke" und "Verteidigung der Juden" konfrontiert. Am 21. April 1941 in seinem Pfarrhaus verhaftet, wurde er seit Anfang Juni im KZ Dachau gefangen gehalten. Er erhielt die KZ-Nr. 26 147 und das rote Dreieck der politischen Gefangenen. In der Folge musste er eine ganze Reihe von Schikanen und Demütigungen erleiden. Von seinem Leben dort zeugen viele Briefe, wovon einige von einem SS-Mann herausgeschmuggelt wurden.

Zunächst betreute Pater Engelmar russische Gefangene und lernte dafür auch deren Sprache. In den letzten Wochen des Jahres 1944 wurden viele der durch Hunger und Kälte geschwächten Gefangenen von Flecktyphus heimgesucht. Pater Engelmar meldete sich trotz der hohen Ansteckungsgefahr freiwillig zur Betreuung der Kranken und Sterbenden im Typhusblock und erteilte jedem, der das wünschte, die Sterbesakramente. Am 02. März 1945, einen Tag nach seinem 34. Geburtstag, starb Pater Engelmar an Flecktyphus. Seine Asche konnte aus dem KZ geschmuggelt und auf dem städtischen Friedhof in Würzburg beigesetzt werden. 1968 wurde seine Urne feierlich in die erste Seitenkapelle der Mariannhiller Herz-Jesu-Kirche in Würzburg umgebettet und es entstand dort eine Gedenkstätte.

Die Ortschaft Glöckelberg, in der Pater Engelmar eine Zeit lang gewirkt hatte, gibt es inzwischen nicht mehr. Ihre Überreste liegen im heutigen Niemandsland zwischen Böhmen und Österreich, nahe dem Dreiländereck südwestlich von Ceský Krumlov (Böhmisch Krumau).
   
Quelle Adalbert Ludwig Balling, Eine Spur der Liebe hinterlassen. Pater Engelmar (Hubert) Unzeitig. Mariannhiller Missionar. "Märtyrer der Nächstenliebe" im KZ Dachau, Würzburg/ Reimlingen 1984;
Jerzy Staus, Pater Engelmar (Hubert) Unzeitig (1911-1945), http://www.bistum-wuerzburg.de/bwo/dcms/sites/bistum/bistum/portait/geschichte/pat_engelmar.html (26.06.2016).

Foto: Archiv Redaktion Mariannhill.
Autorin / Autor Helmut Försch
Paten Die Ackermann-Gemeinde, Frau Gabriele Heilmann
   
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