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Adelheid Lein, geb. Rosenbaum

 
geboren am 11.10.1879 in Würzburg
Straße  Rotkreuzstraße 13 ½
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum22.01.1943
TodesortTheresienstadt
   
am 23.09.1942 nach Theresienstadt deportiert und dort am 22.01.1943 ermordet
   
Als Tochter von Louis Rosenbaum (1853-1914) aus Theilheim und Rosa, geb. Lein (1857-1924) aus Diespeck, wurde Adelheid Lein am 11. Oktober 1879 in Würzburg geboren. Ihre Schwester Frieda (1881-1943) kam zwei Jahre nach ihr zur Welt. Adelheid besuchte vier Jahre die jüdische Volksschule und anschließend sechs Jahre das private Mädcheninstitut End.
Zwei Jahre später 1897 heiratete sie den kurz zuvor aus Nürnberg zugezogenen Heinrich Lein (1865-1924). 1899 und 1903 wurden ihre Kinder Franz und Marga (Margarete) geboren.
Ihr Mann stieg in die Kleiderfabrik des Schwiegervaters Louis Rosenbaum ein und übernahm zusammen mit seinem Schwager Julius Steinberg (1869-1929) um 1903 deren Leitung (Herrenkleiderfabrik und -großhandlung Lein & Steinberg, später Lein & Co.). Nach seinem Tod 1924 führte Adelheid Lein die Firma weiter, ab 1927 zusammen mit ihrem Schwiegersohn Julius Neumann (1891-1944). In den 30er Jahren erfasste der von den Nazis beabsichtigte Niedergang auch diese Firma, bis sie im Dezember 1938 geschlossen werden musste.
Adelheid hatte im gleichen Haus wie ihre Tochter in der Rotkreuzstraße 13 ½ gewohnt. Als diese 1936 psychisch erkrankte und zwei Jahre in der Psychiatrie in Lohr verbrachte, versorgte sie den Enkel Stefan.
Als ihre Tochter mit Familie das Haus verlassen musste, zog Adelheid Lein 1939 in das jüdische Altersheim an der Konradstr. 3. Dort arbeitete sie in der Waschküche. Auch ihre Schwester Frieda Steinberg wohnte dort.
Ihre Tochter Marga wurde im November 1941 mit Mann und Sohn nach Riga deportiert. Von ihnen hat keiner überlebt: Tochter und Enkel starben im Winter darauf, Schwiegersohn Julius wurde noch ins Lager Kowno verschleppt und kam Ende 1944 in Dachau um.
Kurz nach dem Abtransport ihrer Familienangehörigen bekam Adelheid Lein im Altersheim Besuch von einer ihr fremden Frau. Es war eine Bekannte ihrer Tochter, die ihr ein halbes Pfund Butter mitbrachte. Beide wurden von einer Mitbewohnerin des Heims anonym denunziert. Die beiden Frauen wurden verhaftet und von der Gestapo verhört. Als Vorbereitung für eine mögliche Einweisung ins KZ Dachau wurde sie vom Amtsarzt untersucht. Der diagnostizierte bei Adelheid Lein neben einigen medizinischen Problemen einen schlechten Ernährungszustand. Sie sei jedoch haft- und lagerfähig. Erst nach mehr als einem Monat wurde Adelheid Lein am 19. Februar 1942 aus der Würzburger Polizeihaft entlassen, nachdem außer ihrer Schwester auch der Heimleiter Eugen Stahl ihr ein gutes Zeugnis ausgestellt hatte. Sie sei "fleißig, gewissenhaft, uneigennützig, kameradschaftlich". Die langsame Auffassungsgabe, die er ihr auch attestierte, sollte ihr "Fehlverhalten" entschuldigen.
Vor der Deportation zusammen mit Schwester Frieda Steinberg nach Theresienstadt am 23. September 1942 musste sie mit der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland einen Heimeinkaufsvertrag über 430 RM abschließen. Darin wurde die komplette Versorgung bis ans Lebensende zugesagt - eine Farce angesichts der miserablen Lebensbedingungen in Theresienstadt und nur dafür geschaffen, den Menschen das letzte Geld wegzunehmen. Adelheid Lein starb schon nach vier Monaten am 22. Januar 1943. Ihre Schwester starb bald nach ihr im Juni 1943.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakten 5900;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 339, T.2 S. 467, 581;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/909822 (02.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus Bezirksstelle Bayern. Nürnberg – Würzburg nach Theresienstadt, Abfahrtsdatum 23.09. – 24.09.1942, http://www.statistik-des-holocaust.de/II26-14.jpg (02.06.2016).
Johanna Falkenberg und Melissa Schraud, Q11, Siebold-Gymnasium, Würzburg.

Foto: Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 5900.
Autorin / Autor RR, gg, Ingrid Sontag
Paten Frau Bettina Runge
   
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