Samuel Nussbaum

   
geboren am 02.07.1873 in Heßdorf/ Unterfranken
Straße  Domstraße 68 ½
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum18.04.1944
TodesortTheresienstadt
   
am 23.09.1942 nach Theresienstadt deportiert und dort am 18.04.1944 ermordet
   
Samuel Nussbaum wurde am 2. Juli 1873 in Heßdorf geboren. Seine Eltern waren der Viehhändler Josef Nussbaum (Jg. 1834) und Karoline geb. Heinemann aus Adelsberg (Jg. 1837), die 1863 geheiratet hatten. Er wuchs in einer kinderreichen Familie auf mit den vier älteren Schwestern auf: Hannchen Hoenig (Jg. 1864), Klara Karpf (Jg. 1867), Gitta Mimetz, (1869-1919) und Lina (Gidchen) Mimetz, verw. Keller (1871-1944). Nach ihm kamen die jüngeren Geschwister Emma (Jg. 1875), Nathan (1877-1935) und Benno (1880-1944) auf die Welt. Die beiden älteren Schwestern wanderten bereits Ende der 1880er Jahre in die USA aus und heirateten dort. Alexander Mimetz war in erster Ehe mit Gitta, in zweiter Ehe mit Lina verheiratet. Über Emma ist nichts bekannt und Bruder Benno war als Lehrer in Neuss tätig.
Samuel Nussbaum absolvierte seine Schulausbildung bis 1887 in Heßdorf. Danach besuchte er die Israelitische Präparandenschule in Höchberg und die Sonn- und Feiertagsschule in Wiesenbronn. Aus seinen Zeugnissen geht hervor, dass er sprachlich und mathematisch sehr begabt war. 1893 wurde er gemustert und aufgrund einer körperlichen Behinderung als dauerhaft untauglich eingestuft. Daher musste er später auch nicht am 1. Weltkrieg teilnehmen.
Beruflich war er erfolgreich. Ab 1892 arbeitete Samuel Nussbaum als Schneidergeselle in Würzburg und gründete 1902 mit seinem Bruder Nathan die Firma Samuel & Nathan Nussbaum. Mit ihm und später mit dessen Familie lebte er in der Domstraße 68 ½, wo auch das Geschäft seinen Sitz hatte. Er erhielt 1907 das Würzburger Bürgerrecht und war Mitglied der jüdisch-orthodoxen Vereinigung Agudas Jisroel.
Seine Lage wurde nach der Machtergreifung der Nazis immer schwieriger: Im Jahr 1935 starb sein Bruder Nathan und im Mai 1936 wurde er durch die DAF (Deutsche Arbeitsfront) in Würzburg folgenlos denunziert wegen des Verdachts der "Rassenschande". Von seinen Nachbarn wurde Samuel Nussbaum als ein "harmloser Jude" beschrieben, der sich um keinen Menschen im Hause kümmere und nur immer fleißig seiner Arbeit nachgehe. Sein Maßgeschäft konnte er noch bis zum Jahresende 1938 fortführen, dann musste er aufgeben. Ende 1939 wurde ihm ein Fenster seiner Wohnung mit einem Brikett eingeschlagen, woraufhin er Anzeige wegen vorsätzlicher Sachbeschädigung erstattete. Die Anzeige brachte kein Ermittlungsergebnis. Im Februar 1940 musste er sich einem Gestapo-Verhör wegen des Besitzes von Stoffresten unterziehen, welche sogleich beschlagnahmt wurden. Im März 1942, nachdem seine Schwägerin Bertha Nussbaum und ihre Tochter Karola, die mit ihm zusammen lebten, bereits deportiert worden waren, wurde er gezwungen, seine Wohnung zu räumen. Er lebte zuletzt im jüdischen Altersheim in der Bibrastraße 6.
Am 23. September 1942 wurde Samuel Nussbaum zusammen mit seiner Schwester Lina Mimetz nach Theresienstadt deportiert. Am 18. April 1944 starb er dort an den unmenschlichen Lebensbedingungen.
Seine Schwägerin mit Tochter und der jüngere Bruder mit Ehefrau und zwei Töchtern wurden Opfer der Schoah.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 8841;
Staatsarchiv Würzburg, Jüdisches Standesregister von Heßdorf, Band 174/175;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 394; T. 2, S. 417f.;
Family search, Namenssuche nach Hannchen und Clara Nussbaum, https://familysearch.org/ark:/61903/1:1:QVSL-2D2T und https://familysearch.org/ark:/61903/1:1:QVSV-P4WC (07.06.2016);
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/938023 (21.06.2016);
Datenbank der Holocaust Opfer aus den böhmischen Ländern und von Häftlingen im Theresienstädter Ghetto aus Europa, http://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/26711-samuel-nussbaum/ (21.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich. Würzburg – Regensburg nach Theresienstadt, Abfahrtsdatum: 23.09.1942, http://www.statistik-des-holocaust.de/II26-17.jpg (21.06.2016).
Autorin / Autor DH, SB, Ingrid Sontag
Paten Ital. Kulturverein, Herr Stadtrat Emanuele La Rosa
   
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