Lazarus Stahl

   
geboren am 24.01.1881 in Sommerhausen/ Unterfranken
Straße  Franz-Ludwig-Straße 11
Stadtteil Sanderau
Deportationsdatum17.06.1943
Todesdatumunbekannt
TodesortAuschwitz
   
am 17.06.1943 nach Theresienstadt deportiert, am 16. Oktober 1944 weiter nach Auschwitz, vermutlich dort ermordet
Franz-Ludwig-Str. 11 (ehem. Hans Schemm Str. 11)
   
Lazarus Stahl wurde am 24. Januar 1881 in Sommerhausen geboren. Sein Vater Elias Stahl war Inhaber einer Eisenwarenhandlung und die Mutter Babette, geb. Kahn, war Hausfrau. Lazarus wuchs zusammen mit seinen Brüdern Justin (Jg. 1890), Karl (geb. um 1883) und David in Sommerhausen auf. Nach Abschluss der Volksschule besuchte er vier Jahre lang die Realschule in Würzburg. Seine zweieinhalbjährige Lehrzeit absolvierte er in der Eisenhandlung von J. Rosenberg in Hanau. Als Neunzehnjähriger meldete er sich freiwillig zum 9. Infanterieregiment in Würzburg, wo er zwei Jahre lang diente. Danach arbeitete er als Buchhalter im elterlichen Betrieb in Sommerhausen. 1912 heiratete Lazarus Stahl die aus Treuchtlingen stammende Paula Oestreicher und zog mit ihr nach Würzburg in die Hans Schemm Str. 11. Beide wurden Mitglieder im jüdischen Kulturbund. Am 1. Dezember 1913 kam ihre einzige Tochter Babette auf die Welt. Von 1914 bis 1918 war Lazarus Stahl Kriegsteilnehmer. Für seinen Einsatz erhielt er das Eiserne Kreuz II sowie weitere militärische Auszeichnungen. Sein Bruder David fiel im Krieg am 1. Juni 1918. Nach seiner Rückkehr übernahm Lazarus Stahl 1919 mit seinem Bruder Justin die Eisenwarenhandlung der Eltern. 1926 wurde der Hauptsitz der Firma nach Würzburg in die Schweinfurter Str.9/ 11 verlegt, wo zuvor schon ein Zweiglager bestanden hatte. Justin war hauptsächlich im kaufmännischen Bereich tätig, Lazarus für die Betriebsführung zuständig. Auch seine Tochter Babette arbeitete im Familienbetrieb, der immer stärker expandierte und Kundschaft in ganz Unterfranken belieferte. Anfang 1937 wurde Lazarus Stahl bei der Gestapo von einem Kunden angezeigt, weil er angeblich eine Lieferung verweigert hatte. Es folgten weitere Denunziationen. Die Firma "Gebr. Stahl, Eisenwaren, Maschinen, Werkzeuge" wurde im August 1938 "arisiert". Während des Novemberpogroms 1938 wurde Lazarus Stahl festgenommen und bis zum 6. Dezember im KZ Buchenwald inhaftiert. Ab 1939 musste er Zwangsarbeit beim Städtischen Hochbauamt leisten. Unermüdlich bemühte sich Lazarus Stahl um eine Ausreise in die USA, nach Portugal und nach Kuba; letztendlich scheiterten diese Versuche jedoch. Die Tochter Babette hatte mehr Glück, ihr gelang die Emigration im April 1939. Nachdem Lazarus von der Zwangsarbeit vermutlich aus gesundheitlichen Gründen befreit worden war, übernahm er im März 1942 die Stelle als Pförtner bei der jüdischen Gemeinde. Er wurde mit seiner Frau Paula am 17. Juni 1943 nach Theresienstadt und im Oktober 1944 weiter nach Auschwitz deportiert. Dort wurden beide vermutlich wenig später ermordet. Pate: Bayern-Der Einzelhandel e.V. (Volker Wedde)
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 14901;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 526, S. 575, S. 576;
Stadtarchiv Treuchtlingen;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html.de (14.2.2012) Lorenz Lampert and Maurizio Trapp, Q11, Siebold-Gymnasium, Würzburg
Autorin / Autor Martina Buller
Paten Handelsverband Bayern-Der Einzelhandel e.v. /Bezirk Unterfranken, Herr Volker Wedde
   
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