Paula Stahl

   
geboren am 22.11.1889 in Treuchtlingen/ Mittelfranken
Straße  Franz-Ludwig-Straße 11
Stadtteil Sanderau
Deportationsdatum17.06.1943
Todesdatumunbekannt
TodesortAuschwitz
   
geb. Oestreicher, am 17.06.1943 nach Theresienstadt deportiert, am 16. Oktober 1944 weiter nach Auschwitz, vermutlich dort ermordet
Franz-Ludwig-Str.11 (ehem. Hans Schemm Str. 11)
   
Paula Stahl wurde am 22. November 1889 als Tochter von Leonhard Oestreicher und seiner Frau Lina, geb. Feuchtwanger, in Treuchtlingen geboren. Sie wuchs mit drei Geschwistern auf: Sali (Jg. 1882), Ulrich (Jg. 1886) und Sabine (Jg.1878). Ihr Vater Leonhard Oestreicher war Kaufmann und Mitinhaber der Textilhandlung Oestreicher in Treuchtlingen. Ab 1888 gehörte er auch dem ersten gewählten Magistrat der Stadt an. Paula besuchte sechs Jahre lang die Elementarschule und danach fünfeinhalb Jahre das Lyceum in Frankfurt a. M. Danach arbeitete sie im elterlichen Textilgeschäft. 1912 heiratete sie den Buchhalter Lazarus Stahl, der zu dieser Zeit in der Eisenhandlung seiner Eltern tätig war. Gemeinsam zogen sie nach Würzburg in die Hans Schemm Str.11. Paula Stahl war Mitglied im jüdischen Kulturbund. Am 1. Dezember 1913 brachte sie ihre Tochter Babette zur Welt. In der Zeit, als ihr Mann als Soldat am Ersten Weltkrieg teilnahm, zog Paula Stahl wieder zu ihren Eltern nach Treuchtlingen. Sie blieb dort bis Ende 1918 und leistete in dieser Zeit Kriegshilfsdienst beim Roten Kreuz in der Bahnhofsmission. Nach Kriegsende kehrten Paula und Lazarus Stahl wieder in ihre alte Wohnung nach Würzburg zurück. Lazarus Stahl übernahm 1919 gemeinsam mit seinem Bruder Justin den elterlichen Betrieb "Gebr. Stahl Eisenwaren, Maschinen, Werkzeuge". Den Firmensitz verlegten sie nach Würzburg in die Schweinfurter Str. 9/ 11. Auch die Tochter Babette war in dieser Firma angestellt. Während des Novemberpogroms 1938 wurde Lazarus Stahl von der Gestapo festgenommen und im KZ Buchenwald inhaftiert. Entschlossen sandte seine Ehefrau am 28. November ein Bittschreiben an die Gestapo. Als "nachgewiesener Frontkämpfer" wurde Lazarus Stahl schließlich am 06.12.1938 wieder entlassen. Wegen einer Gefälligkeit, die Paula Stahl einer nichtjüdischen Bekannten erwiesen hatte, wurde sie im November 1939 denunziert und von der Gestapo "schärfstens verwarnt". Wegen Geringfügigkeit wurde das Verfahren letztendlich eingestellt. Paula und Lazarus Stahl mussten 1940 in eine andere Wohnung in der Tröltschstr. 11 ziehen. Am 17. Juni 1943 wurde das Ehepaar Stahl nach Theresienstadt und im Oktober 1944 weiter nach Auschwitz deportiert. Vermutlich wurden beide dort wenig später ermordet. Pate: David-Schuster-Realschule (Angelika Wagner)
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 14901;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 576
Stadtarchiv Treuchtlingen;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html.de (20.2.2012)Patrik Dieler and Simon Gutierrez, Q11, Siebold-Gymnasium, Würzburg
Autorin / Autor Martina Buller
Paten Die David Schuster- Schule, Borns
   
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