Heinrich Zeilberger

   
geboren am 16.11.1883 in Ermershausen, Landkreis Haßberge/Unterfranken
Straße  Gardistenstraße 1
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum20.10.1941
Todesdatum18.03.1942
Todesortunbekannt
   
am 20.10.1941 von Frankfurt a.M. ins Ghetto Lódz (Litzmannstadt) deportiert und dort oder in der Nähe am 18.03.1942 ermordet.
Die Gardistenstraße existiert nicht mehr, der Stolperstein liegt daher an der Hofstallstraße.
   
Heinrich Zeilberger wurde als ältester Sohn des Kaufmanns Karl (Kusel) Zeilberger (1852-1939) und seiner Ehefrau Veronika, geb. Steinhardt (1857-1935) am 16. November 1883 in Ermershausen geboren. Er wuchs mit 11 weiteren Geschwistern auf: Der älteren Schwester Rosa (Jg.1882), sowie den nach ihm geborenen Norbert (Jg.1885), Ludwig (Jg.1886), Martha (Jg.1887), Friedrich (Jg.1888), Paula und Frieda (Jg.1890), Max (Jg.1891), Alma (Jg.1894) und dem zweiten Zwillingspaar Justin und Alfred (Jg.1896).
Nach der Schul- und Berufsausbildung war er als Kaufmann tätig, unterbrochen von seinem Militär- und Kriegsdienst als Frontsoldat im Ersten Weltkrieg. Hierin gründete sich auch seine Mitgliedschaft im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten.
Er zog 1923 von Augsburg nach Würzburg und trat nach der Heirat mit Blanka Lutzky im gleichen Jahr als Teilhaber in die Textilfirma seines Schwiegervaters Adolf Lutzky ein. Nach dem Tod des Schwiegervaters Ende 1925 führte er die Firma (Kleiderfabrik, -handlung für Herren, zuletzt für Berufskleider mit dem Firmensitz Oberthürstraße 5) als Inhaber mit der Schwiegermutter Berta Lutzky, geb. Blumhof, weiter. 1925 war er Trauzeuge für seinen jüngeren Bruder Justin Zeilberger, Schneidermeister in Würzburg.
Seine beiden Söhne Hans Adolf und Fritz Max kamen im Mai 1926 bzw. im November 1927 in Würzburg auf die Welt.
Heinrich Zeilberger war als Mitglied des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold (ab 1924) im republikanischen Spektrum Würzburgs engagiert. Auch in verschiedenen lokalen jüdischen Organisationen war er aktiv: In der Gesellschaft Casino, im jüdischen Schulverein und im jüdischen Turn- und Sportverein.
Vermutlich nach der Auflösung seiner Firma zog er Ende November 1937 mit seiner Ehefrau, zwei Söhnen und der Schwiegermutter nach Frankfurt a.M. Diese starb dort am 30. April 1941. Es ist anzunehmen, dass sich Heinrich Zeilberger, wie sein Bruder Justin, erfolglos um die Emigration zu Verwandten in die USA bemühte. Sein Vater war 86-jährig 1938 zusammen mit Heinrichs Bruder Friedrich und dessen Familie in die USA ausgewandert. Heinrich Zeilberger wurde am 20. Oktober 1941 mit seiner Familie von Frankfurt aus im ersten großen Transport nach Lódz (Litzmannstadt) deportiert und ein halbes Jahr später dort oder im benachbarten Vernichtungslager Chelmno (Kulmhof) ermordet.
Von Heinrich Zeilbergers Geschwistern konnten viele rechtzeitig emigrieren, meist in die USA. Die drei Geschwister Frieda, Max und Justin wurden wie er Opfer der Shoa.

Biographie erstellt im April 2012, überarbeitet Juli 2016
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakten 17861,17864,17866;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1925 – 1939, Grundliste Gardistenstr. 1;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 685;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/996863 (26.06.2016);
Genealogie der Familie Zeilberger unter: http://www.math.rutgers.edu/~zeilberg/family/veis.html (22.2.2016);
Autorin / Autor Reiner Strätz, Ingrid Sontag
Paten Herr Ronald Römeis
   
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