Edith Schloss

   
geboren am 03.04.1920 in Würzburg
Straße  Virchowstraße 18
Stadtteil Sanderau
Todesdatumunbekannt
Todesortunbekannt
   
vermutlich nach Polen deportiert und mit großer Wahrscheinlichkeit dort ermordet
   
Edith Schloß wurde am 3. April 1920 in Würzburg geboren. Dort arbeitete ihr Vater David Schloß (Jg.1883) als Rechtsanwalt, während die Mutter Lilly geb. Steuermann (Jg.1888) für den Haushalt sorgte. Edith wuchs in der Virchowstrasse 18 auf, wo auch ihre Großeltern lebten. Ihre Familie gehörte zum gehobenen Mittelstand, die Eltern waren angesehene Würzburger Bürger. Neben seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt war der Vater u.a. Vorsitzender und Leiter der Fußballabteilung im "Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten" und wurde in das neu gegründete Stadtamt für Leibesübungen delegiert. Politisch stand er der liberalen DDP nahe.

Edith besuchte die konfessionell unabhängige Sophienschule (Privatanstalt für höhere weibliche Bildung) in der Sieboldstrasse 10. Dort stand ihr der Weg bis zum Abitur offen. Auf Leibes- und Musikerziehung wurde an der Schule großer Wert gelegt, der Religionsunterricht in katholischer, evangelischer und israelitischer Religion erteilt, u.a. von Bezirksrabbiner Dr. Siegmund Hanover. Der Anteil jüdischer Schülerinnen betrug vor 1933 ca.10%, nahm danach dann rapide ab. Edith Schloß war Mitglied im jüdischen Jugendbund und im jüdischen Kulturbund.

1935 verstarb ihr Vater im Alter von nur 52 Jahren. Da war Edith erst 15 Jahre alt. Wenig später, 1937 musste sie wie die anderen jüdischen Schülerinnen die Schule verlassen. Ohne das Einkommen des Vaters gerieten Mutter und Tochter in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Zu einem unbekannten Zeitpunkt verließ Edith ihre Mutter und zog zu ihrer Tante Frida Schoemann, geb. Schloß, der Schwester ihres Vaters nach Stuttgart in die Doggenburgstrasse 8. Hier war sie zum Zeitpunkt der Volkszählung am 17. Mai 1939 gemeldet. Ihr Onkel Emanuel Schoemann war Textilfabrikant gewesen, lebte aber bereits als Privatier. Erika, der Tochter von Frida und Emanuel Schoemann, gelang im August 1939 die Ausreise nach England. Ihre Eltern wurden im August 1942 nach Theresienstadt deportiert und überlebten die Shoa nicht.

Edith Schloß dürfte sich wie ihre Kusine um die Emigration bemüht haben - vermutlich erfolglos.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 515, 603;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/966164 (22.06.2016).
Autorin / Autor Martina Buller
Paten Adolf-Kolping-Schule, Frau Elfi Gräbner
   
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