Lilly Schloß, geb. Steuermann

   
geboren am 15.08.1888 in Würzburg
Straße  Virchowstraße 18
Stadtteil Sanderau
Deportationsdatum25.04.1942
Todesdatumunbekannt
TodesortRaum Lublin
   
am 25.04.1942 nach Krasniczyn deportiert und wohl kurz darauf im Raum Lublin ermordet
   
Lilly Schloss wurde am 15. August 1888 in Würzburg als Tochter von Wilhelm (Wolf) Steuermann und Johanna (Hannchen) geb. Midas geboren. Sie wuchs mit ihrem Bruder Julius (Jg.1887) in Würzburg in der Virchowstrasse 18 auf. Seit 1883 war ihr Vater in Würzburg ansässig (Heimatrecht) und gründete im selben Jahr mit Louis Wimmelbacher die Tuch- und Manufakturwarengroßhandlung "Steuermann und Wimmelbacher". Nach dem Tod des Vaters 1917 übernahm der Bruder Julius den Betrieb. Einen Beruf erlernte Lilly nicht; es ist von einer Mitarbeit im elterlichen Betrieb auszugehen.

Am 17. Mai 1919 heiratete sie den Rechtsanwalt David Schloss (Jg.1883), der mit sieben Geschwistern in Laudenbach/Württ. aufgewachsen war. Das junge Ehepaar wohnte wie die Eltern in der Virchowstrasse 18. Dort wurde auch die Tochter Edith am 3. April 1920 geboren. Es ist anzunehmen, dass Lilly Schloss an der Seite ihres Ehemannes am öffentlichen Leben teilnahm. Dieser war Gründungsmitglied der Würzburger Rudergesellschaft von 1905, Vorsitzender und Leiter der Fußballabteilung im "Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten" und Delegierter im Stadtamt für Leibesübungen. Politisch aktiv war er in der liberalen Partei DDP.

Als ihr Mann im Alter von 52 Jahren am 9. April 1935 starb, wurde Lilly Schloß mit 47 Jahren alleinerziehende Witwe und befand sich bald in einer hoffnungslosen Situation. Schon ab 1935 war sie auf Unterstützung durch das "Jüdische Winterhilfswerk" angewiesen. Ihre Wohnung in der Virchowstrasse musste sie verlassen und war von 1936 bis 1939 in der Ludwigstrasse 23 und ab Mai 1939 am Stephansplatz 6 (zusammen mit Valerie Hess) gemeldet. Ihre Tochter Edith schickte Lilly Schloss vor Mai 1939 zu ihrer Schwägerin Frida Schoemann, geb. Schloss nach Stuttgart.

Inzwischen wohl völlig verarmt, bat sie in einem Schreiben vom 12. November 1941 an die Gestapo um Erlaubnis, einige Möbelstücke verkaufen zu dürfen. Wenig später wurde Lilly Schloss erneut gezwungen, ihre Wohnung zu verlassen, und war ab Februar 1942 in der Schillerstrasse 3 gemeldet.

Am 25. April 1942 wurde sie mit mehr als 800 weiteren Menschen aus Unterfranken von der Sammelstelle am Platz'schen Garten in den Raum Lublin, nach Izbica oder Krasniczyn deportiert. Wenig später wurde sie ermordet, möglicherweise in den Gaskammern von Belzec oder Sobibor. Auch Lillys Tochter Edith überlebte den Holocaust nicht.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakten 12556;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, S. 261, 515, 603;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/966286 (22.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich. Nürnberg - Würzburg nach Krasniczyn, Abfahrtsdatum: 25.04.1942, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT420425-Wuerzburg47.jpg (22.06.2016).
Autorin / Autor Martina Buller
Paten Herr Prof. Dr. Georg Alpers
   
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