Jeanette Schwarzschild, geb. Regensburger

   
geboren am 12.02.1872 in Sülzburg/Oberpfalz
Straße  Burkarderstraße 4
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum19.04.1944
TodesortTheresienstadt
   
am 23.09.1942 nach Theresienstadt deportiert und dort am 19.04.1944 ermordet
   
Jeanette Schwarzschild, geb. Regensburger, wurde am 12. Februar 1872 in Sulzbürg/ Opf. geboren. Ihre Eltern waren Moses Aron Regensburger, Viehhändler in der traditionsreichen jüdischen Gemeinde Sulzbürg, und seine Ehefrau Emma, geb. Nehm. Jeanette heiratete 1899 in Würzburg den Schmiedemeister Isaak Schwarzschild, der aus einer seit dem 17. Jahrhundert in Dertingen lebenden Familie stammte, in der es schon seit mehreren Generationen Schmiede gab.

Isaak Schwarzschild arbeitete zunächst bei seinem Vater Jakob Bär Schwarzschild in Dertingen. Dort kam 1900 die Tochter Irma (später Irma Brückheimer) zur Welt, bevor die Familie 1903 nach Würzburg in die Burkarderstraße 4 zog. Isaak Schwarzschild, ein hühnenhafter Mann, wurde als Hufschmied und Wagenbauer eine sehr bekannte und angesehene Würzburger Persönlichkeit. Der Sohn Fritz, der später den Namen Fred Schwartz annahm, wurde 1911 in Würzburg geboren. Beide Kinder emigrierten 1937 in die USA.

Jeanette Schwarzschild war Hausfrau. Anfang 1939 begann ihr Mann, seinen Betrieb abzubauen, da er ihn nicht mehr weiterführen durfte. Der befreundete Nachbar, der die Werkstatt übernehmen wollte, hatte jedoch für deren Einrichtung keine Verwendung. Bei den Demontagearbeiten an der Transmission verunglückte Isaak Schwarzschild am 18.4.1939 tödlich. Jeanette Schwarzschild lebte danach von der Miete, die sie für die Werkstatt bekam und wurde zusätzlich von dem Mieter, Karl Hofheinz, finanziell unterstützt. Ihre wirtschaftlichen Verhältnisse dürften also eher schwierig gewesen sein. Der Verkauf des Anwesens für ganze 5.000 RM zog sich noch bis 1941 hin. Bereits 1940 hatte sie ihre Wohnung in der Burkarderstraße aufgeben müssen und war in eine im Winter nicht beheizbare Wohnung in der Korngasse gezogen, in die sie noch eine weitere Frau aufnehmen musste. Dies zwang sie zum Verkauf einiger der wenigen Möbel, die sie noch hatte.

Vermutlich erst spät versuchte Jeanette Schwarzschild, zu ihren Kindern in die USA auszuwandern. Am 4. April 1941 übersandte sie dem Amerikanischen Generalkonsulat in Stuttgart eine Bürgschaft ihres Sohnes Fritz Schwarzschild, New York, und ihres Schwiegersohnes Ludwig Brückheimer; ihre Wartenummer 32301 war jedoch zu hoch, um noch auswandern zu können. Vermutlich deshalb beantragte sie am 20.10.1941 beim Polizeipräsidenten einen Auslandspass zur Auswanderung nach Kuba. Im Mai 1942 musste sie in das "jüdische Unterkunftshaus" Bibrastraße 6 umziehen und ihre allerletzten Möbel wurden versteigert. Von dort wurde Jeanette Schwarzschild am 23. September 1942 nach Theresienstadt deportiert und ihr gesamtes Vermögen "zugunsten des deutschen Reiches eingezogen". Trotz der unmenschlichen Lebensbedingungen lebte Jeanette Schwarzschild noch anderthalb Jahre im Ghetto Theresienstadt bevor sie am 19.4.1944 starb.

Kurz nach Kriegsende, am 8. Juni 1945 erschien in der New Yorker deutsch-jüdischen Exilantenzeitung "Der Aufbau" folgende Anzeige: "Erst jetzt erhielten wir die traurige Nachricht, dass unsere herzensgute Mutter, Frau Jeanette Schwarzschild, geb. Regensburger (früher Würzburg) in Theresienstadt verschieden ist. Fritz Schwarzschild, Ludwig Brückheimer und Frau Irma, geb. Schwarzschild, New York City."
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 13967*; Vermögenskontrollakten 3335;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 541;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/970742 (23.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblatt, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=1440516&ind=0 (23.06.2016);
Datenbank der Holocaust Opfer aus den böhmischen Ländern und von Häftlingen im Theresienstädter Ghetto aus Europa, http://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/31009-jeanette-schwarzschild/ (23.06.2016);
http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/test/web324w/quellen/1021/30212.jpg (23.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Theresienstadt, Abfahrtsdatum: 23.09. – 24.09.1942, http://www.statistik-des-holocaust.de/II26-22.jpg (22.06.2016).
Autorin / Autor Kristin Höhn
Paten Mr. Kelvin John Wood, Herr Fritz Bloomer
   
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