Ella Sichel, geb. Seligmann

   
geboren am 11.05.1876 in Frankfurt/Main
Straße  Hofmeierstraße 9
Stadtteil Frauenland
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum07.03.1943
TodesortTheresienstadt
   
am 23.09.1942 nach Theresienstadt deportiert und dort am 07.03.1943 ermordet
   
Ella Sichel kam am 11. Mai 1876 als Tochter von Sofie geb. Seligmann in Frankfurt/Main zur Welt. 1907 heiratete sie den Kaufmann Jakob Sichel; der zusammen mit seinem Bruder Karl die Fa. Gebr. Sichel für Leinen, Weißwaren und Wäsche führte. Das Ehepaar blieb kinderlos und lebte im eigenen Haus mit großem Grundstück an der Hofmeierstr. 9. Schon wenige Jahre später schied ihr Mann wohl als aktiver Geschäftspartner aus und machte sich als Gärtner selbständig; später wird er als Privatier bezeichnet. Ella selber hatte keinen Beruf.
Vermutlich seit Ende der 30er Jahre wohnte Ellas Mutter mit im Haushalt in der Hofmeierstr. 9. Im Dez. 1940 lebten die drei Personen im ersten Stock in zwei Zimmern mit Küche, die Parterrewohnung mit 3 ½ Zimmern war vermietet.
Als die Sichels am späten Abend des 9. November 1938 überfallen wurden, waren die beiden Frauen allein und befanden sich im Schlafzimmer. So konnten sie nicht sehen, wer ihnen - vermutlich neben den obligatorischen Verwüstungen - drei Sparbücher und Bargeld im Wert von 5.200 RM stahl. Jakob Sichel erstattete Strafanzeige und bekam nach einem Jahr die Sparbücher zurück, von denen eines seiner Frau gehörte. Jakob Sichel wurde im Zuge des Novemberpogroms verhaftet, verhört und ins KZ Buchenwald verschleppt. Er hatte jedoch Glück und wurde bereits am 19.11.1938 wieder entlassen.
Wie bei anderen wohlhabenden Juden führte die Gestapo im Dezember 1940 in der Hofmeierstr. 9 eine Hausdurchsuchung durch und stellte dabei einen Betrag von RM 776,-- sowie 9 Silbermünzen sicher. Ein Teil des Geldes wurde einkassiert, der monatlich erlaubte Betrag, den die Familie zum Leben nutzen durfte, reduziert. Im Winter 1941/42 musste das Ehepaar sein Haus verlassen und in das Gebäude auf dem Jüdischen Friedhof ziehen. Spätestens jetzt zog die Schwiegermutter in das Jüdische Altersheim an der Dürerstr. 20. "Nicht benötigte Möbel" (Buffet, Holzbett, 4 Matratzen) ließ das Ehepaar wenig später versteigern. Kurz vor der Deportation am 23. Sept. 1942 fand die endgültige Beraubung von Jakob und Ella Sichel statt: Sie wurden genötigt, einen sog. Heimeinkaufsvertrag über RM 29.204 in bar und Wertpapieren zu schließen und eine Reichsfluchtsteuer von RM 23.000 zu zahlen.
Wenig später wurden sie zusammen mit Ellas Mutter nach Theresienstadt deportiert, wo alle drei innerhalb der nächsten 6 Monate aufgrund der unmenschlichen Lebensbedingungen starben. Bis zum Tod der Mutter im Dezember 1942 waren Ella und sie im selben Zimmer untergebracht. Ella lebte noch bis zum 7. März 1943.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 14375;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 553;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1
Autorin / Autor Barbara Gärtner
Paten Freiwillige Feuerwehr Würzburg e.V., Herr Stadtbrandrat Klaus-Dieter Schulz
   
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