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Lina (Karoline) Schwarzschild

 
geboren am 15.05.1879 in Dertingen/Baden
Straße  Sanderstraße 5
Stadtteil Sanderau
Deportationsdatum25.04.1942
Todesdatumunbekannt
TodesortRaum Lublin
   
am 25.04.1942 nach Krasniczyn deportiert und vermutlich wenig später im Raum Lublin ermordet
   
Lina Schwarzschild wurde am 15. Mai 1879 in Dertingen/ Baden als Mitglied der großen Familie Schwarzschild geboren. Ein Zweig der Familie stellte seit dem 18. Jahrhundert die Schmiede von Dertingen. Der andere Zweig, zu dem Lina gehörte, bestand aus Händlern. Lina war das einzige Kind von Philipp Schwarzschild, Viehhändler in Dertingen, und seiner Frau Ella, geborene Heimann. Sie ging vermutlich auf die 1874/75 neu gebaute Volksschule und besuchte sicher auch die dortige Synagoge.

Wie viele andere Dertinger Juden zu Beginn des 20. Jahrhunderts verließ auch Lina Schwarzschild den Ort und lebte ab 1915 als Köchin und Haushälterin in Würzburg. Besonders lange arbeitete sie für die Familie Mayer, Inhaber einer Zigarrenfabrik in der Sanderstraße 5. Sie war allein stehend und ihr Steuerbescheid von 1940 wies ein Vermögen von 10.000 RM aus. Damit zählte sie zu der Gruppe vermögender Juden, bei denen am 3. Dezember 1940 Hausdurchsuchungen nach angeblicher Hamsterware durchgeführt wurden.

Es wurden drei Zierteller aus Kupfer und verschiedene Kleinteile aus Zinn sowie ein Paket Kronenkerzen und sechs Pakete Weihnachtskerzen "sichergestellt". Einige neuwertige Wäschestücke wurden in ihrem Zimmer gelassen, sie sollte sie jedoch nicht tragen, da sie genug gebrauchte Wäsche besitze. Beinahe zum Verhängnis wurde ihr, dass sie einen Ring ("gestempelt 333") im Wert von 1,50 RM nicht abgeliefert hatte. Wegen des geringen Wertes wurde jedoch kein Strafantrag gestellt, sondern "lediglich" der Freibetrag, den sie von ihrem eigenen Vermögen monatlich verbrauchen durfte, von 150 RM auf 120 RM herabgesetzt.

Am 25. April 1942 wurde Lina Schwarzschild nach Ostpolen deportiert. Der Transport mit 852 Personen aus Unterfranken kam am 28. April 1942 im Raum Lublin an. Dort wurden die Menschen im Transitghetto Izbica oder in Krasniczyn unter unbeschreiblichen Bedingungen interniert und - so weit sie nicht schon vorher starben - wenig später wohl in den Vernichtungslagern der Region ermordet. Niemand überlebte den Transport.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 13968;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 541 f.;
Dieter Fauth/ Klaus Schwitt, Im Nationalsozialismus aus rassistischen Motiven ermordete Wertheimer;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/970759 (23.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich. Nürnberg - Würzburg nach Krasniczyn, Abfahrtsdatum: 25.04.1942, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT420425-Wuerzburg47.jpg (22.06.2016).
Autorin / Autor Kristin Höhn
Paten Frau Ilse Brückner-Klein
   
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