Annemarie Ehrenbacher

   
geboren am 06.05.1922 in Nürnberg
Straße  Max-Reger-Straße 10
Stadtteil Frauenland
Deportationsdatum17.06.1943
Todesdatum00.00.1943
TodesortAuschwitz
   
am 17.06.1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet
   
Annemarie Ehrenbacher kam am 9. Mai 1922 als Tochter von Ludwig Ehrenbacher und seiner Frau Else, geb. Selig, in Nürnberg zur Welt. Sie zog 1933 mit ihrer Mutter und den zwei Geschwistern Anne (Lore) (geb. 1920) und Hans Heinz (1925) in die Heimatstadt der Mutter, nach Würzburg.
Denn am 7. Mai 1933 war ihr Vater mit nur 49 Jahren gestorben. Dr. Ludwig Ehrenbacher war Anwalt in Nürnberg und stand wie sein Sozius Fritz Moritz Wertheimer der SPD nahe. Ein Zusammenhang zwischen seinem politischen Engagement, der ersten Welle der Verfolgung von politischen Gegnern und Juden durch die NS und seinem frühen Tod wurde bislang vermutet. Nach Informationen aus der Familie war die Todesursache jedoch ein Lymphom.
In Würzburg besuchte Annemarie zunächst die Schule und machte dann eine Lehre zur Gärtnerin bei Jakob Sichel. Später arbeitete sie als Schuhmacherin und wurde zu Zwangsarbeit verpflichtet. Im Mai 1941 wurde sie denunziert. Eine Bürgerin zeigte an, einen verdächtigen Spaziergang beobachtet zu haben: Ein Mann "mit jüdischem Aussehen" und ein Mädchen, "es sah absolut nicht jüdisch aus", seien in der Nähe des Waldfriedhofs spazieren gegangen. Der besagte Mann, Eugen Stahl, wurde von der Geheimen Staatspolizei verhört und gab zu Protokoll, mit Annemarie Ehrenbacher spazieren gegangen zu sein. Für eine Verfolgung wegen sog. Rassenschande eignete sich der Fall somit nicht.
Annemarie wurde zusammen mit Ihrer Mutter am 17. Juni 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Ihr Bruder, der im Dezember 1938 mit der Großmutter zu Verwandten in die Niederlande geflüchtet war, war schon im Jahr zuvor von Westerbork nach Auschwitz verbracht worden und lebte bereits nicht mehr. Ihrer Schwester Anne (Lore) war 1939 die Flucht nach England und von dort 1941 in die USA gelungen, wo sie Walter Reis aus Würzburg heiratete.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 14893;
Family information (Judy Suzanne Reis Tsafrir);
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 126;
Reinhard Weber, Das Schicksal der jüdischen Rechtsanwälte in Bayern nach 1933, Oldenburg 2006, S. 115, 273;
Herbert A. Strauss, Über dem Abgrund. Eine jüdische Jugend in Deutschland. 1918-1943, Frankfurt/New York 1997, S. 75f.;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de859880 (19.05.2016).

Foto: Judy Suzanne Reis Tsafrir.
Autorin / Autor Gabriele Bienias/ Rotraud Ries
Paten Frau Dr. Barbara Staemmler , Herr Dr. Frank-M. Staemmler
   
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