Else Ehrenbacher, geb. Selig

   
geboren am 15.05.1892 in Würzburg
Straße  Max-Reger-Straße 10
Stadtteil Frauenland
Deportationsdatum17.06.1943
Todesdatum00.06.1943
TodesortAuschwitz
   
am 17.06.1943 nach Auschwitz deportiert und dort vermutlich sofort ermordet
   
Else Ehrenbacher wuchs in Würzburg auf als Tochter des Weinhändlers Simon Selig und seiner Frau Karoline, geb. Stern. Sie hatte zwei Geschwister, Paula (geb. 1890) und Ernst (1893). 1919 heiratete sie den Rechtsanwalt Dr. Ludwig Ehrenbacher und wohnte mit ihm in Nürnberg. Über ihre Schul- und mögliche Berufsausbildung besitzen wir keine Informationen. Vielleicht arbeitete sie nach der Schule in der Weinhandlung des Vaters, in die auch ihr Bruder als Teilhaber eintrat.
Am 7. Mai 1933 starb ihr Mann mit nur 49 Jahren. Er war Anwalt in Nürnberg und stand wie sein Sozius Fritz Moritz Wertheimer der SPD nahe. Ein Zusammenhang zwischen seinem politischen Engagement, der ersten Welle der Verfolgung von politischen Gegnern und Juden durch die NS und seinem frühen Tod wurde bislang vermutet. Nach Informationen aus der Familie war die Todesursache jedoch ein Lymphom.
Else Ehrenbacher zog mit ihren drei unmündigen Kindern Anne (Lore, 1920-2005), Annemarie (1922-1943) und Hans Heinz (1925-1942) zurück in ihre Heimatstadt Würzburg. Hier tat sich, so Herbert A. Strauss, die künstlerisch und intellektuell interessierte Frau schwer, Kontakte zu finden, weil sie sich vom religiösen Leben in der Gemeinde fern hielt.
Später arbeitete Else Ehrenbacher als Krankenpflegerin für die jüdische Gemeinde. Sie wechselte in den Jahren 1934 bis 1943, teils freiwillig, teils gezwungen viermal den Wohnsitz innerhalb der Stadt. Am 17. Juni 1943 wurde sie zusammen mit ihrer Tochter Annemarie nach Auschwitz deportiert, wo beide vermutlich sofort ermordet wurden. Dieses Schicksal teilte auch ihr Sohn Hans Heinz, der Ende 1938 zusammen mit seiner Großmutter in die Niederlande geflohen und von dort schon im Jahr 1942 deportiert worden war. Ihrer Tochter Anne war hingegen 1939 die Flucht nach England und von dort 1941 in die USA gelungen, wohin auch Elses Bruder Ernst Selig mit seiner Familie hatte emigrieren können.
   
Quelle Familienüberlieferung (Judy Suzanne Reis Tsafrir);
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 126;
Reinhard Weber, Das Schicksal der jüdischen Rechtsanwälte in Bayern nach 1933, Oldenburg 2006, S. 115, 273;
Herbert A. Strauss, Über dem Abgrund. Eine jüdische Jugend in Deutschland. 1918-1943, Frankfurt/New York 1997, S. 75f.;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de859882 (19.05.2016);

Foto: Judy Suzanne Reis Tsafrir.
Autorin / Autor Gabriele Bienias
Paten Herr Franz Wenger, Annemarie Wenger
   
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