Valerie (Valeria, Käthe Erna) Hess

   
geboren am 09.04.1890 in Würzburg
Straße  Domstraße 26
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum17.06.1943
Todesdatumunbekannt
TodesortAuschwitz
   
am 17.06.1943 von Würzburg nach Auschwitz deportiert und dort ermordet
   
Valerie Hess wurde als Tochter von Moritz Hess und Ida, geb. Landauer, in Würzburg geboren. Aus der ersten Ehe der Mutter mit dem Weinhändler Karl Strauß (gest. 1878) hatte sie eine Halbschwester namens Toni (Antonie) Strauß. Wie ihre Halbschwester verlor auch Valerie ihren Vater sehr früh.
1899 heiratete die Schwester und zog nach Nürnberg. Zu dieser Zeit wohnten Valerie und ihre Mutter in der Hofstraße 8. Um 1915 kehrte die Schwester geschieden nach Würzburg zurück. 1924 verstarb die Mutter, die Schwester nahm sich nach dem Tod ihres 2. Mannes 1931 das Leben.
Valerie arbeitete als Buchhalterin und lebte in bescheidenen Verhältnissen. Immerhin konnte sie einen Betrag von fünf Mark als Kultusumlage an die Gemeinde entrichten. Valerie Hess war Mitglied im Jüdischen Kulturbund.
Ab 1932 wohnte sie in der Domstraße 56/58 im dritten Stock. Sie verdiente ihren Lebensunterhalt unter anderem als Kassiererin und offenbar auch als Angestellte des Nervenarztes Dr. Oskar Meyer.
Wie viele Würzburger Juden wurde auch sie 1939 gezwungen, ihre Wohnung aufzugeben, und lebte fortan mit der Rechtsanwaltswitwe Lilly Schloß am Stephansplatz 6. Am 15. Juli 1941 bat sie in einem an die Gestapo gerichteten Schreiben um Erlaubnis, einige Möbelstücke verkaufen zu dürfen. Im Februar 1942 wurde ihre Mitbewohnerin Lilly Schloß gezwungen, die gemeinsame Wohnung am Stephansplatz 6 zu verlassen. Zwei Monate später wurde sie deportiert.
Zuletzt war Valerie Hess in den Heimen Dürerstraße 20 und Konradstraße 3 bei der jüdischen Gemeinde angestellt. 1943, inzwischen völlig mittellos, wurde sie in das "Judenhaus" Bibrastraße 6 einquartiert. Am 20.05.1943 richtete sie einen weiteren Brief an die Gestapo mit der Bitte, einige Möbelstücke, darunter eine Frisiertoilette, ein polierter Stuhl und eine Tischlampe, veräußern zu dürfen. Diese habe sie "von ihrem ehemaligem Arbeitgeber, dem Juden Dr. Oskar Meyer, geerbt".
Am 17. Juni 1943 wurde Valerie Hess im Alter von 53 Jahren mit der letzten Deportation aus Würzburg nach Auschwitz transportiert und dort ermordet.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 1375;
Stadtarchiv Würzburg, Grundlisten, Adressbücher 1930-1943;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 260, 261, 390 und T. 2, S. 51;
Roland Flade, Die Würzburger Juden. Ihre Geschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Mit einem Beitrag von Ursula Gehring-Münzel, 2. erw. Aufl. Würzburg 1996, S. 16 ff.;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de862927, (02.06.2016).
Autorin / Autor Martina Buller
Paten Wirsberg-Gymnasium, Frau Dr. Angela Schwarzer, Angela
   
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