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Therese Kleemann

   
geboren am 01.04.1881 in Oettingen/Schwaben
Straße  Seelbergstraße 5
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum17.06.1943
Todesdatumunbekannt
TodesortAuschwitz
   
deportiert am 17.06.1943 von Würzburg nach Auschwitz und dort ermordet
   
Therese Kleemann war die Tochter des Viehhändlers Simon Engländer und seiner Ehefrau Klara in Oettingen. Sie besuchte die Volks- und Fortbildungsschule in ihrem Heimatort. Nach ihrer Schulzeit arbeitete sie im elterlichen Haushalt.
Im Jahr 1902 heiratete sie den Kaufmann Hermann Kleemann und zog zu ihm nach Würzburg. Ihr Mann war Mitinhaber des Würzburger Tuchgroßhandels Klau & Sichel und engagierte sich seit 1920 in der Verwaltung der Jüdischen Gemeinde. Das Paar hatte drei Kinder: Justin (*1903), Cäcilie (*1907) und Else (*1910).
In der Seelbergstraße lebte Therese Kleemann nach dem Tod ihres Mannes im September 1937 mit ihrer Schwägerin Wilhelmine Kleemann und einer Haushälterin. Außerdem unterstützte sie finanziell ihre Schwägerin Betty Kleemann und die Cousine Berta Emanuel, die beide im jüdischen Altersheim untergebracht waren.
Ihren drei Kindern gelang in dieser Zeit die Emigration: Justin wanderte 1936 nach Palästina aus, Cäcilie Marx mit ihrer Familie nach Australien und Else Silberman(n) mit ihrem Mann Kurt (Curt) in die USA, beide Ende 1938.
Mehrfach hatte Therese Kleemann unter Verfolgungsmaßnahmen der NS zu leiden. Im November 1940 wurde ihre Wohnung von der Gestapo nach "Hamsterwaren" durchsucht. Hierbei listete man Möbel, Kleidung und sonstigen Besitz minutiös auf, Kleidung, Tischwäsche und anderen Besitz wurde beschlagnahmt. Einige der enteigneten Stücke bekam sie jedoch später wieder zurück.
Im Februar 1941 wurde Therese Kleemann zu einer Ordnungsstrafe von zehn Reichsmark verurteilt, da sie die Miete ihres Untermieters in bar angenommen hatte. Außerdem wurde ihr der Freibetrag aus ihrem Vermögen, den sie monatlich abheben durfte, um 160 auf 400 Reichsmark gekürzt. Im März 1942 verwarnte die Gestapo Therese Kleemann, weil sie zwei Jungen als "Lausbuben" bezeichnet hatte, die sie mit Schneebällen bewarfen. Der Passant, den sie bat, den Jungen das Schneeball-Werfen zu verbieten, entpuppte sich als SS-Mann in Zivil. Er brachte sie zur Gestapo, weil sie als Jüdin deutsche Kinder nicht beschimpfen dürfe. Kleemann musste versichern, in Zukunft in ihrer Ausdrucksweise vorsichtiger zu sein.
Am 5. Juni 1941 stellte Kleemann einen Antrag zur Ausstellung eines Passes, um zu ihrer Tochter Else in die USA (New York) auszuwandern. Die Gestapo meldete der Passstelle keinerlei Bedenken; letztlich scheiterte die Auswanderung jedoch - möglicherweise, weil Juden seit Oktober 1941 generell die Emigration verboten war. Im September 1941 wurde Therese Kleemann aus ihrer Wohnung gewiesen und musste ihr Wohnungsinventar versteigern lassen. Sie lebte anschließend in den Sammelunterkünften Konradstr. 3 und Bibrastr. 6, wo sie Näharbeiten für die jüdische Gemeinde verrichtete.
Am 17. Juni 1943 wurde Therese Kleeman nach Auschwitz deportiert und dort vermutlich sofort ermordet.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapo-Akte 3949;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 306 f., 374; T. 2, S. 559;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/899466 (02.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblatt, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&s_lastName=kleemann&s_firstName=therese&s_place=&itemId=702430&ind=1&winId=8306802687754800313 (02.06.2016);
Alemannia Judaica, Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Oettingen, http://www.alemannia-judaica.de/oettingen_synagoge.htm (02.06.2016).
Autorin / Autor Silke Krämer
Paten Die Konfirmandengruppe St.Stephan - St.Johannis, Frau Pfarrerin Susanne Wildfeuer
   
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