Mathilde Königsberger

   
geboren am 07.06.1889 in Würzburg
Straße  Haugerring 6 ehem.19
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum17.06.1943
Todesdatumunbekannt
TodesortAuschwitz
   
am 17.06.1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet
   
Mathilde Königsberger wurde am 7. Juni 1889 in Würzburg als Tochter von Hannchen Königsberger geboren. Ihre Mutter war unverheiratet und schwieg zeitlebens zum Namen von Mathildes Vater. Deshalb galt Mathilde Königsberger den Nazi-Offiziellen als "Volljüdin" und musste seit Januar 1939 den Zwangsnamen "Sara" führen.
Ihr Großvater Niem Königsberger, der eine Mehlhandlung in Obbach betrieb, übernahm die Vormundschaft für das Mädchen. Kurz nach der Entbindung zog Hannchen Königsberger mit ihrem Baby nach Obbach, das Kind wuchs dort auf. Eine zeitlang lebte Mathilde ab 1916 bei Verwandten in Zürich und wird bei dieser Gelegenheit als Dienstmädchen bezeichnet.
Nach dem Tod ihrer Mutter im Januar 1927 erbte Mathilde Königsberger deren Anteil an dem Haus Nr. 54 in Obbach. Hier scheint sie auch gelebt zu haben, hielt sich im Mai 1939 dort auf, obwohl sie zu dieser Zeit auch in Würzburg am Haugerring bei ihrer Cousine Alice Seemann, geb. Schloss, gemeldet war. Noch im November 1941 befand sich ihr Hausrat in Obbach, selbst wohnte sie aber in Würzburg in der Bibrastr. 6. Im Februar 1943 vermietete sie die Wohnung in Obbach (Haus Nr. 54).
Mathilde Königsberger arbeitete als Hausangestellte in einem Privathaushalt in Würzburg, danach im jüdischen Altersheim in der Dürerstraße 20 und nach dessen Schließung im September 1942 in der Bibrastr. 6.
Im Februar 1943 beschäftigten sich die Behörden noch einmal mit der Frage, wer der Vater von Mathilde Königsberger war. Das stärkste Motiv dafür hatte sie selber, denn von dem Ergebnis hing ab, ob sie, wie alle anderen Juden, deportiert wurde. Im Frühjahr 1943 wusste man, was das bedeutete. In den Tagen, als Mathilde Königsberger den Mietvertrag in Obbach abschloss, bestätigten drei ältere Männer vor der Gemeinde Obbach mit ihrer Unterschrift den Namen ihres Vaters: Der sei "allgemein örtlich bekannt". Es war ein Nichtjude aus Schweinfurt. Bürgermeister Vitus Baum beglaubigte die Unterschriften. Man gewinnt den Eindruck, dass er und die drei anderen Männer Mathilde Königsberger helfen wollten, deren Familie schon lange am Ort lebte.
Da Hannchen Königsberger jedoch kurz nach der Geburt von Mathilde jede Angabe zum Namen des Vaters verweigert und dieser seine Vaterschaft wohl nie anerkannt hatte, verwarfen das Vormundschaftsgericht Schweinfurt und die Gestapo die Aussage aus Obbach. Für sie blieb Mathilde Königsberger eine "Volljüdin" - mit allen Konsequenzen.
Am 17. Juni 1943 wurde Mathilde Königsberger mit dem letzten größeren Transport aus Würzburg nach Auschwitz deportiert und dort wahrscheinlich wenig später ermordet.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 4481, 12531;
Gemeinde Euerbach, Standesamt Obbach und Gemeindearchiv Obbach;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 310.
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/902015 (02.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich. Würzburg - Auschwitz, Abfahrtsdatum: 17.06.1943, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT430617-2.jpg (02.06.2016).

Foto: StAW Gestapoakte 4481.
Autorin / Autor Gabriele Ulm, Elisabeth Böhrer
Paten Frau Ute Rosenzweig
   
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