Julie Lassmann

    
geboren am 18.03.1905 in Hainsfarth/Schwaben
Straße  Sieboldstraße 3 1/2
Stadtteil Sanderau
Deportationsdatum17.06.1943
Todesdatumunbekannt
TodesortAuschwitz
   
am 17.06.1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet
   
Julie Lassmann, geb. am 18. März 1905 in Hainsfarth, lebte bis 1935 in Rimpar. Dort war ihr Vater Maier Lassmann seit 1929 bei der jüdischen Gemeinde als Religionslehrer und Kantor angestellt. Julie Lassmann war staatlich geprüfte Fremdsprachenlehrerin und tat sich außerdem als Pianistin und Sängerin hervor. Einige Rimparer Bürger erinnern sich noch heute an das gemeinsame Musizieren im Hause Lassmann.
Ihre Mutter war bereits 1933 gestorben. In der Zeitschrift "Der Israelit" veröffentlichte Julie Lassmann ein Jahr später den Artikel "So bin ich zu jüdischem Bewusstsein erwacht", in dem sie ihrer Mutter ein Denkmal setzte: "Eine Fromme ist sie gewesen, die Mutter [...] Und so gelobte ich ihr, die mir das Leben gab, dass [...] ich dies Leben führen will Vertrauen habend auf den Höchsten; Vertrauen auch darauf, dass der, der uns solche Leiden schickt, auch die Kraft gibt, sie zu ertragen". Sie hatte unter dem Eindruck der beginnenden Verfolgung "[...] heimgefunden, heimgefunden zu meinem Volke."
Noch 2 Jahre zuvor hatte sie auf Bitten der Redaktion des "Fränkischen Volksblatts" einen grundlegenden, heimatkundlichen Artikel über Rimpar geschrieben, der in der Beilage "Fränkische Heimat" am 9. Juni 1932 erschien. Offenbar war sie so gut in das dörfliche Leben eingebunden, dass man sie für besonders geeignet hielt, ein Portrait ihres Heimatortes für eine katholische Zeitung zu verfassen. Im gleichen Jahr schrieb sie auch ein Gedicht, aus dem ihre Liebe zu Rimpar und ihre Sorge um die wirtschaftliche Not der Menschen spricht:

"Und im Dorfe reges Treiben,
Rührigkeit, geschäft'ges Leben,
Fleiß'ge Hände, Schaffenswillle,
Ach würd' es nur Arbeit geben! "

Als einziges Kind ihrer Eltern zog sie 1935 nach Würzburg. Dort sollte sie im Auftrag der jüdischen Gemeinde Fremdsprachenunterricht geben, um Gemeindemitglieder auf die Emigration vorzubereiten. Am 2. Dezember 1940 wurden bei der Durchsuchung von Julie Lassmanns Wohnung "nach Hamsterware" einige Bestecke und eine "über das notwendige Maß hinaus vorhandene Menge" an Wäschestücken "sichergestellt". Außerdem "durfte" sie einige Möbelstücke, sowie ihre Nähmaschine und ihr Klavier versteigern lassen, wofür ca. 300 RM auf ihr "Sicherungskonto" eingezahlt wurden. Über das Konto konnte sie aber schon lange nicht mehr verfügen.
Ab 1941 arbeitete Julie Lassmann zunächst als Hausangestellte. 1943 wurde sie als Hilfsnäherin zur Zwangsarbeit in der Würzburger Uniformfabrik Franz Kreisel verpflichtet. Obwohl sie in Deutschland geboren und aufgewachsen war, wurde ihr die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Am 22. Februar 1943 stellte der Polizeipräsident in Würzburg einen "Fremdenpass" für Julie Lassmann aus, der ein Jahr lang gültig war. Gegen eine Gebühr von drei Reichsmark erhielt sie am selben Tag eine Aufenthaltserlaubnis, die bis zum 24. Februar 1944 galt. Diesen Tag erlebte Julie Lassmann jedoch nicht mehr.
Denn sie wurde mit der letzten Gruppe Würzburger Jüdinnen und Juden am 17. Juni 1943 nach Auschwitz deportiert. Dort wurde sie vermutlich sofort nach ihrer Ankunft ermordet.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 5669;
Roland Flade, Die Lehmanns und die Rimparer Juden, Würzburg 1996;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 329;
Christian Will/Werner Siegler, Das ist Rimpar, Würzburg 1978;
Alemannia Judaica, http://www.alemannia-judaica.de/rimpar_synagoge.htm (02.06.2016);
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, Link (07.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblätter, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&s_lastName=lassmann&s_firstName=julie&s_place=&itemId=1499134&ind=1&winId=-421745801825558586 und http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&s_lastName=lassmann&s_firstName=julie&s_place=&itemId=5253491&ind=5&winId=-421745801825558586 und http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&s_lastName=lassmann&s_firstName=julie&s_place=&itemId=5630427&ind=6&winId=-421745801825558586 (02.06.2016); Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich. Würzburg - Auschwitz, Abfahrtsdatum: 17.06.1943, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT430617-2.jpg (02.06.2016).

Fotos: Yad Vashem, StAW Gestapoakte 5669.
Autorin / Autor Kristin Höhn
Paten esg Würzburg, Pfarrerin S. Hötzel
   
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