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Franziska Lonnerstädter, geb. Vogel

   
geboren am 12.12.1880 in Wiesbaden
Straße  Rottendorfer Straße 23
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum17.06.1943
Todesdatumunbekannt
TodesortAuschwitz
   
am 17.06.1943 nach Theresienstadt und im Oktober 1944 weiter nach Auschwitz deportiert, vermutlich dort wenig später ermordet
   
Franziska Lonnerstädter kam am 12. Dezember 1880 in Wiesbaden zur Welt. Sie war das älteste Kind des Kaufmanns Salomon Vogel und seiner Frau Henriette, geb. Auerbach. Sie wuchs mit den drei Geschwistern Emmy, Max und Arnold Vogel in Wiesbaden auf. 1913 heiratete Franziska, die als Opernsängerin tätig war, den Würzburger Kaufmann Karl Anton Lonnerstädter. Dieser war seit Ende 1910 Inhaber der Textilwarenfirma M. Lonnerstädter, die er zunächst mit seiner Schwester Emma führte. Das junge Ehepaar wohnte in dem Wohn- und Geschäftshaus am Marktplatz 30.
Am 17. Juni 1914 kam Tochter Gertrud auf die Welt. Sie besuchte das Realgymnasium der Sophienschule, eine konfessionell unabhängige Privatanstalt für höhere weibliche Bildung. Später wird sie als freireligiös bezeichnet. Die Kaufmannsfamilie bezog 1932 ein geräumiges Wohnhaus mit großem Garten in der Rottendorfer Strasse 23, zunächst als Mieter. Wenig später konnte Karl Lonnerstädter das Anwesen zum Kaufpreis von 37 000 RM erwerben. Schräg gegenüber stand die Villa des Apothekers Max Mandelbaum, die seit 1939 der NSDAP-Gauleiter Dr. Otto Hellmuth bewohnte.
Franziska und ihr Mann waren Mitglieder im Jüdischen Kulturbund. Das Ehepaar stellte nie einen Ausreiseantrag. Dagegen gelang es ihrer Tochter Gertrud in den 1930er Jahren in die USA zu emigrieren. Im Juli 1938 wurde Karl Lonnerstädter gezwungen, seine Textilwarenfirma und das dazugehörige Anwesen aufzugeben. Er musste alles an einen langjährigen Angestellten und dessen Teilhaber verkaufen. Im November 1940 fand wie bei anderen vermögenderen Juden im Hause Lonnerstädter eine Durchsuchung nach "Hamsterwaren" statt. Ihr gesamter Hausrat und Wertgegenstände wurden aufgelistet und taxiert. Dabei hatte man den Wert der Villa auf 28 000 RM festgelegt. Die beschlagnahmten Waren wurden kurz darauf eingezogen. Franziska Lonnerstädter und ihrem Mann blieb nur noch das Nötigste zum Leben.
Wie viele Würzburger Juden musste auch das Ehepaar Lonnerstädter ihr Wohnhaus im Januar 1942 verkaufen. Sie wurden in eine sogenannte "Judenwohnung" in der Hindenburgstraße 21 einquartiert.
Am 23. Mai 1942 wurde Franziskas Schwester Emmy von Wiesbaden aus nach Izbica/Polen deportiert. Ebenso erging es ihrem Bruder Arnold, den die Nazis von Frankfurt aus abtransportierten.
Ab Juni 1942 lebte das Ehepaar Lonnerstädter im Sammelquartier an der Bibrastraße 6. Am 16. Juni 1943 wurden ihre restlichen Habseligkeiten zugunsten des Deutschen Reiches beschlagnahmt. Einen Tag später wurde Franziska Lonnerstädter mit ihrem Mann Karl über Nürnberg nach Theresienstadt deportiert und von dort am 16. Oktober 1944 weiter nach Auschwitz. Wenig später sind sie wohl dort ermordet wurden.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 6477;
Staatsarchiv Würzburg, Vermögenskontrollakten 3307, 3308, 3459;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher, Meldebögen, Grundliste;
Archiv der Stadt Wiesbaden, Auskunft G. Klaiber;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 359f.;
Roland Flade, Die Würzburger Juden. Ihre Geschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Mit einem Beitrag von Ursula Gehring-Münzel, 2. erw. Aufl. Würzburg 1996, S. 16ff.;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/918297 (02.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblatt, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&s_lastName=lonnerstaedter&s_firstName=franziska&s_place=&itemId=1735180&ind=2&winId=-421745801825558586 (02.06.2016);
Datenbank der Holocaust Opfer aus den böhmischen Ländern und von Häftlingen im Theresienstädter Ghetto aus Europa, http://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/23078-franziska-lonnerst-dter/ (02.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich. Würzburg - Theresienstadt, Abfahrtsdatum: 17.06.1943, http://www.statistik-des-holocaust.de/II28-1.jpg (02.06.2016).
Autorin / Autor Martina Buller
Paten Matthias-Grünewald-Gymnasium, Frau Kerstin Baumeister
   
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