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Karl Anton Lonnerstädter

   
geboren am 18.08.1882 in Würzburg
Straße  Rottendorfer Straße 23
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum17.06.1943
Todesdatumunbekannt
TodesortAuschwitz
   
deportiert am 17.06.1943 nach Theresienstadt, im Oktober 1944 weiter nach Auschwitz transportiert und dort vermutlich wenig später ermordet
   
Karl Anton Lonnerstädter kam als Sohn des Kaufmanns Meier Lonnerstädter und seiner Frau Berta, geb. Bing, am 18. August 1882 in Würzburg zur Welt. Sein Vater, zunächst als "Reisender" tätig, gründete das Woll-, Weiß- und Kurzwarengeschäft M. Lonnerstädter am Marktplatz 30. Karls Schwester Emma war knapp zwei Jahre jünger als er.
Nach dem Besuch der Kreisrealschule in Würzburg meldete sich Karl Lonnerstädter 1901 als Einjährig-Freiwilliger zum Militär. Anschließend trat er in die väterliche Firma ein. Ab 1905 war er Vorstandsmitglied im Literaturklub Würzburg, einem jüdischen Bildungsverein. 1910 übernahmen Karl und Emma Lonnerstädter die Textilwarenfirma ihres Vaters, der ein Jahr später starb.
Nach ihrer Hochzeit (1912) verließ Emma Mattersdorff die Firma und zog nach Dresden Karl Lonnerstädter stieg zum Alleininhaber der Firma auf. Er heiratete 1913 die Opernsängerin Franziska Vogel aus Wiesbaden.
Das junge Ehepaar wohnte zusammen mit Karls Mutter in dem Wohn- und Geschäftshaus am Marktplatz 30. Am 17. Juni 1914 kam Tochter Gertrud auf die Welt. Von 1915 bis 1918 nahm Karl als Gefreiter am Ersten Weltkrieg teil. 1921 verstarb seine Mutter in der Heil- und Pflegeanstalt in Werneck.
Die Kaufmannsfamilie bezog 1932 zunächst als Mieter ein geräumiges Wohnhaus mit großem Garten in der Rottendorfer Strasse 23. Wenig später konnte Karl Lonnerstädter das Anwesen zum Kaufpreis von 37 000 RM erwerben. In direkter Nachbarschaft lebte seit 1939 NSDAP-Gauleiter Dr. Otto Hellmuth in der vormaligen Mandelbaum-Villa.
Der Tochter Gertrud gelang es in den 1930er Jahren, in die USA zu emigrieren. Ihre Eltern stellten jedoch wohl nie einen Ausreiseantrag. Beide gehörten dem Jüdischen Kulturbund an. 1938 musste Karl Lonnerstädter seine Textilwarenfirma am Marktplatz aufgeben. Er verkaufte das Mehrfamilienhaus mit Ladengeschäft zu einem Preis von 65 000 RM an einen langjährigen Angestellten und dessen Teilhaber. Zuletzt arbeitete Karl als Sachbearbeiter bei der jüdischen Gemeinde.
Im November 1940 fand wie bei anderen vermögenderen Familien im Hause Lonnerstädter eine Durchsuchung nach "Hamsterwaren" statt. Ihr gesamter Hausrat und Wertgegenstände wurden aufgelistet und taxiert. Dabei hatte man den Wert der Villa auf 28 000 RM festgelegt. Das beschlagnahmte Privateigentum wurde im Januar 1941 eingezogen.
Wie viele Würzburger Juden musste auch das Ehepaar Lonnerstädter ihr Wohnhaus im Januar 1942 verkaufen. Sie wurden in eine sogenannte "Judenwohnung" in der Hindenburgstraße 21 einquartiert.
Nur wenige Monate später, im Juni 1942, mussten die Lonnerstädters erneut umziehen, nun in das Sammelquartier in der Bibrastraße 6. Ihre restlichen Habseligkeiten wurden unmittelbar vor der Deportation zugunsten des Deutschen Reiches beschlagnahmt. Am 17. Juni 1943 wurde Franziska Lonnerstädter mit ihrem Mann Karl über Nürnberg nach Theresienstadt deportiert. Ein gutes Jahr später, am 16. Oktober 1944 folgte der Weitertransport nach Auschwitz. Dort wurden sie vermutlich wenig später ermordet.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 6477;
Staatsarchiv Würzburg, Vermögenskontrollakten 3307, 3308, 3459;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher, Meldebögen, Grundliste;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 359f.;
Roland Flade, Die Würzburger Juden. Ihre Geschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Mit einem Beitrag von Ursula Gehring-Münzel, 2. erw. Aufl. Würzburg 1996, S. 16ff.;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/918299 (02.06.2016);
Datenbank der Holocaust Opfer aus den böhmischen Ländern und von Häftlingen im Theresienstädter Ghetto aus Europa, http://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/23080-karl-lonnerst-dter/ (02.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblatt, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&s_lastName=lonnerstaedter&s_firstName=karl&s_place=&itemId=1717970&ind=2&winId=-421745801825558586 (02.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich. Würzburg - Theresienstadt, Abfahrtsdatum: 17.06.1943, http://www.statistik-des-holocaust.de/II28-1.jpg (02.06.2016).
Autorin / Autor Martina Buller
Paten Thorsten/Sabine Thu
   
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