zurück

Iwan Schwab

   
geboren am 29.10.1889 in Neustadt a.d. Aisch
Straße  Schillerstraße 8
Stadtteil Sanderau
Deportationsdatum17.06.1943
Todesdatum01.09.1943
TodesortAuschwitz
   
deportiert am 17.06.1943 nach Auschwitz und dort am 01.09.1943 ermordet
   
Iwan Schwab, geboren am 29. Oktober 1889 in Neustadt a.d. Aisch, war der ältere Sohn von Josef und Jette Schwab, geb. Kohn. Er erhielt seinen Vornamen in Erinnerung an den Großvater Lazarus Schwab, der in Russland als Geschäftsmann tätig gewesen war. Die Familie Schwab besaß eine Fabrik für Wäsche, Hemden und Heimtextilien in Neustadt a.d. Aisch.

Im Schuljahr 1899/1900 besuchte Iwan Schwab das Progymnasium in Neustadt zusammen mit neun weiteren "Israeliten", fünf Katholiken und 49 Protestanten. Aus dem Ersten Weltkrieg kam er als glühender Patriot zurück. 1923, anlässlich der Einweihung des Kriegerdenkmals auf dem Friedhof "Judensäcker" in Neustadt hielt er eine flammende Rede. 1919 heiratete er Hilda Glaser aus Berlin. Iwan Schwab war 1930 im Vorstand der 83 Mitglieder zählenden jüdischen Gemeinde von Neustadt.

1922 adoptierte das Ehepaar die kleine Liesel, eine entfernte Verwandte aus Frankfurt. Am 6. April 1932 zog die Familie nach Würzburg, wo Iwan Schwab mit seinem Vater eine Filiale der gemeinsamen Firma am Petersplatz eröffnete. 1934 übertrug er notariell das in seinem Besitz befindliche Hotel "Krone" am Markt in Neustadt als Geschenk an die Stadt. Er wollte beweisen, dass "Juden fähig sind, sich von Realbesitz zu trennen" und ein Zeichen gegen den grassierenden Antisemitismus setzen. Das Haus wurde umgebaut und diente jahrelang als Hotel und beliebter Treffpunkt für Parteigenossen der NSDAP.

Liesel Schwab lebte bereits in England, als ihre Eltern im Mai 1939 gerade noch Plätze auf dem Flüchtlingsschiff "Orinoco" bekamen. Zusammen mit 206 anderen jüdischen Emigranten verließen Iwan und Hilda Schwab Hamburg in Richtung Kuba. Sie kamen nur bis Antwerpen. Der Kapitän hatte vom Schicksal des Schwesterschiffs "Saint Louis" erfahren, das mit 900 jüdischen Flüchtlingen an Bord trotz gültiger Einreisepapiere wochenlang im Karibischen Meer umher trieb. Kuba hatte die Einreisevisa für ungültig erklärt, und es konnte kein anderes Land gefunden werden, das die Flüchtlinge aufnehmen wollte. Daher war die "Orinoco" gezwungen, nach Hamburg zurückzukehren.

Iwan Schwab und seine Frau waren Anfang Juni 1939 wieder in Würzburg. Dort übernahm Iwan gemeinsam mit Johanna (Henny) Stahl die jüdische Geschäftsstelle. Beide wurden im Februar 1943 im Zusammenhang mit der Überwachung von Gertrud Luckner verhaftet, einer Caritas-Mitarbeiterin, die versuchte, Juden zu helfen. Am 17. Juni 1943 wurden sie nur freigelassen, damit sie noch am selben Tag nach Auschwitz deportiert werden konnten. Auch Hilda Schwab gehörte zu diesem Transport. Iwan Schwab und seine Frau wurden am 1. September 1943 in Auschwitz ermordet.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakten 8589, 13849;
Ilse Vogel, Vom Land in die Stadt, Neustadt an der Aisch 2007, S. 159;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900 - 1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 528.
Roland Flade, Die Würzburger Juden. Ihre Geschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Mit einem Beitrag von Ursula Gehring-Münzel, 2. erw. Aufl. Würzburg 1996, S. 307, 358.
Stadtarchiv Neustadt, persönliche Auskunft von Dietrich Keller und Friedrich Weiß (08.04.2013).
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/969858 (22.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblatt, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=1628957&ind=1 (23.06.2016).
Autorin / Autor Kristin Höhn
Paten Frau Kulturbeauftragte Kabelitz
   
zurück