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Rosa Hetzer

   
geboren am 04.10.1901 in Neubrunn
Straße  Frankfurter Straße 24
Stadtteil Zellerau
Deportationsdatum04.10.1940
Todesdatum04.10.1940
TodesortHartheim/Linz
   
Rosa Hetzer, 04.10.1901, ledig, kath., Hausangestellte
25.06.1930 - 18.09.1930 Psych. Klinik Würzburg
18.09.1930 - 04.10.1940 Heil- und Pflegeanstalt Werneck
04.10.1940 Tötungsanstalt Hartheim/Linz
   
Rosa Hetzer wird am 04.10.1901 in Neubrunn als 2. Kind der Eheleute Konrad (*18.08.1863 +19.04.1910) und Anna Maria Hetzer geb. Schäfer (*26.07.1870 +30.12.1924) geboren. Ihre Eltern hatten 1898 in Neubrunn geheiratet. Rosas Geschwister waren der ältere Bruder Eugen, geboren 1899 und die jüngere Schwester Klara, geboren 1909.
Am 25.06.1930, 28 Jahre alt, wird Rosa, veranlasst durch den Bezirksarzt von zwei Sanitätern in die Psych. Klinik Würzburg eingeliefert. Grund der Einlieferung sind Aufregungszustände.
Aus den Aufzeichnungen bei der Aufnahme in der Psychiatrie erfahren wir mehr über Rosas bisherigen Lebensweg. Danach wird Rosa im Alter von 6 Jahren in der Volksschule in Neubrunn eingeschult, nach ihren eigenen Angaben sei sie eine gute Schülerin gewesen und nie sitzengeblieben. Sie habe keine Freundinnen gehabt und sei immer für sich alleine gewesen. Nach der Schulzeit habe sie in verschiedenen Stellen in Neubrunn und Holzkirchen als Dienstmagd gearbeitet, dazwischen immer wieder eine Zeit zu Hause in Neubrunn verbracht. 1926 habe sie in der Frauenklinik Würzburg ein Kind zur Welt gebracht, der Vater des Kindes sei ihr nicht bekannt. Nach einem längeren Aufenthalt in der Frauenklinik Würzburg sei sie erneut in Holzkirchen in Stellung gewesen bei einem gewalttätigen Hausherrn.
Zu Beginn des Jahres 1930 wird Rosa in das St. Josefsheim in Würzburg gebracht, das ab 1911 Erziehungs- und Fürsorgeheim für Mädchen war. Dieses Fürsorgeheim in der Frankfurterstraße 24 wird als ihre Adresse der nächsten Angehörigen genannt.
Die Zeit in der Psychiatrie verbringt sie zunehmend teilnahmslos, spricht nicht und ist, wenn man sie auffordert, manchmal mit kleinen Handreichungen behilflich. Nach knapp drei Monaten Aufenthalt in der Psychiatrie wird Rosa am 18. September 1930 wegen Platzmangels dauerhaft in die Heil- und Pflegeanstalt Werneck von der Polizei eingewiesen und durch eine Schwester der Psych. Klinik Würzburg eingebracht. Die Diagnose lautet Schizophrenie.
In den ersten Jahren in Werneck ist Rosa meist ruhig und teilnahmslos, spricht nicht, lacht unvermittelt laut vor sich hin, lässt sich zu keiner Arbeit anhalten, ist aber in einer sehr guten körperlichen Verfassung. Mit der Zeit ist sie mehr und mehr Stimmungsschwankungen ausgesetzt. Teilnahms- und antriebslose Phasen wechseln mit plötzlichen heftigen Erregungszuständen, in denen die Patientin hinterhältig, reizbar und bockig reagiert. In Erregung ist die Patientin frech und ausfallend und immer wieder gewalttätig den Schwestern und Mitpatienten gegenüber. 1939, gegen Ende ihres Aufenthalts in Werneck wird eine Phase der Besserung festgestellt. Die Patientin wird ruhiger, achtet wieder auf sich selbst, ist kaum mehr gewalttätig und arbeitet zeitweilig freiwillig in der Abteilung mit. Doch diese Phase hält nicht lange an, schon Mitte 1940 ist von der Besserung nichts mehr zu sehen und sie verfällt wieder in ihren reizbaren, gewalttätigen Zustand.
Am 04.10.1940 nachts, an ihrem 39. Geburtstag, wird Rosa wegen Räumung der Anstalt verlegt und kommt mit dem Sammeltransport Nr. 8 / Bayern in die Tötungsanstalt Hartheim bei Linz. Vermutlich wird Rosa Hetzer dort wie alle anderen Opfer noch am selben Tag ermordet.
   
Quelle Geburtsurkunde Standesamt Neubrunn Nr.47
BA Berlin R 179 Arch.Nr. 998
-Krankengeschichte Psychiatrische und Nervenklinik Würzburg
-Krankengeschichte Heil- und Pflegeanstalt Werneck
-Dokumentationsstelle Hartheim
Univ. Archiv Würzburg
Autorin / Autor Regine Samtleben
Paten Die SKF, Frau Reinfurt
   
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