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Agnes Messelberger

   
geboren am 09.09.1884 in Würzburg
Straße  Gerbergasse 14
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum06.10.1940
Todesdatum07.10.1940
TodesortPirna-Sonnenstein
   
Näherin, ledig, kath.
13.08. - 27.08.1927, 04.11. - 26.11.1927, 15.09. - 22.12.1928, 27.05. - 28.05.1929, 10.07. - 09.08.1929 Psychiatrische Klink Würzburg
09.08.1929 - 06.10.1940 Heil- und Pflegeastalt Werneck
06.10.1940 Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein
   
Agnes wird am 09.09.1884 als Kind der Eheleute Georg und Barbara Messelberger in Würzburg geboren. Sie hat noch 4 Brüder und wird als stilles, zurückhaltendes Kind beschrieben.
In der Schule hat sie keine Freundinnen, lernt leicht und hat gute Noten. Nach ihrem Schulabschluss beginnt sie eine Lehre als Näherin.
Die nächsten 12 Jahre ist sie in dem Geschäft von Rom und Wagner angestellt. Sie arbeitet fleißig und ist stets guter Laune. An einer Beziehung zu Männern ist sie nicht interessiert. 1916 tritt sie in die Firma Seißer ein, wo sie die nächsten 11 Jahre als erste Rocknäherin arbeitet.
Die letzten beiden Jahre ist sie allerdings oft traurig, weint häufig, hat "schwere Träume" und fühlt sich verfolgt. Während eines Sommerurlaubs im Steigerwald veranlasst sie ihr Unwohlsein zu einem Arztbesuch. Der Arzt lässt sie von zwei Krankenschwestern nach Würzburg zurückbegleiten. Von Angst- und Schuldgefühlen getrieben, geht sie aber nicht nach Hause, sondern irrt über die Steinburg nach Unterdürrbach. Wieder in Würzburg angekommen, fühlt sie sich verfolgt und ihre Angstgefühle übermannen sie so sehr, dass sie mitten in der Nacht von der Luitpoldbrücke springt. Sie wird von einem Mann herausgezogen, heimgebracht und den erschrockenen Eltern übergeben.
Der Bruder begleitet sie daraufhin im Auftrag der Familie am 13. August 1927 in die Psychiatrische Klinik. Hier zeigt sie sich orientiert, gibt lächelnd Antwort, behauptet aber auch, sie sei eine Mörderin. Bei ihrer Entlassung am 27. August freut sie sich auf daheim und die Arbeit.
Aber schon am 04.11. bringt ihre Mutter sie wieder, da sie erneut Angstzustände hat, häufig weint und von Alpträumen und Schlaflosigkeit geplagt wird. Eine geregelte Arbeit ist ihr nicht mehr möglich. Nach ihrer Entlassung am 26.11. verbringt sie mehrere Monate zuhause und wird ambulant behandelt.
Ab März 1928 versucht sie wieder zu arbeiten, muss aber zwischendurch meist einen oder mehrere Tage daheim bleiben. Sie ist verstimmt, starrt nur vor sich hin und isst kaum mehr etwas. Dies berichten die Eltern bei ihrer dritten Aufnahme in die Psychiatrische Klinik am 15.09.1928. Am 22.12. wird sie wieder entlassen.
Vom 27. bis 28. 05. 1928 hält sie sich aber erneut in der Klinik auf. Jetzt bestätigt ein Gutachten an die Landesversicherungsanstalt ihre Arbeitsunfähigkeit: Sie sei nur noch zu Handarbeiten unter Aufsicht der Familie zu gebrauchen. Die Bestellung eines Pflegers wird empfohlen.
Ihr Vater bringt sie am 10. Juni 1929 noch ein viertes Mal wegen ihrer Traurigkeit, ihren Angstgefühlen, ihrer Antriebslosigkeit und den Anfällen, die sie bekommt, wenn sie erschrickt, in die Psychiatrie.
Letztendlich wird sie am 9. August 1929 auf Dauer in der Heil- und Pflegeanstalt Werneck aufgenommen.
Bis zur Räumung Wernecks 1940 lebt sie nun in der Anstalt.
Am 06.10. transportiert man sie zusammen mit anderen Patienten direkt in die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein. Vermutlich wird sie hier gleich nach der Ankunft am 07.10.40 ermordet.
   
Quelle Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden Abt.631a Nr.1639
Standbuch Werneck
Stadtarchiv Würzburg: Einwohnermeldebögen 1850-1920, Grundlisten, Adressbücher
Universitätsarchiv Würzburg KL 143/1927
Autorin / Autor Inge Kaesemann
Paten Wirsberg-Gymnasium, Angelika Schwarzer
   
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