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Karl Müller

   
geboren am 04.07.1881 in Wimpfen a. N.
Straße  Zeller Straße 3
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum03.10.1940
Todesdatum21.12.1940
TodesortLandesanstalt Großschweidnitz
   
Apotheker, led., kath.
Sanatorium Amelung, Königsstein
Mitte Juli - 20.12.1910 Neufriedenheim, München
14.01.1911 - 10.05.1911 Psychiatrische Klinik Würzburg
10.05.1911 - 03.10.1940 Heil- und Pflegeanstalt Werneck Nr. 4264
04.10.1940 - 21.12.1940 Heil- und Pflegeanstalt Großschweidnitz
21.12.1940 gestorben an Kreislaufversagen
   
Karl, geb. am 04.07.1881, sein älterer Bruder Hans, geb. am 28.08.1877 und seine Schwester Katharina, geb. am 27.09.1882, gest. am 11.03.1889, kommen in Wimpfen als Kinder des Apothekers Heinrich Müller und seiner Frau Anna, geborene Stiegelschmidt zur Welt. Als Karl 3 Jahre alt ist, zieht die Familie nach Würzburg, wo der Vater die Pfauenapotheke in der Zeller Str.3 übernimmt.
Karl macht nach dem Abitur zunächst eine Apothekerlehre bei seinem Vater. Im Herbst 1901 legt er die Gehilfenprüfung ab. Nachdem er in Apotheken auf Helgoland und in Zürich, aber auch als Militärapotheker gearbeitet hat, studiert er an der Universität Würzburg und legt 1906 das pharmazeutische Approbationsexamen ab. Nach einer weiteren halbjährigen Tätigkeit als Militärapotheker erhält er 1907 die Beförderung zum Oberapotheker der Reserve.
Seine Arbeit am chemischen Laboratorium der Universität Würzburg beendet er 1908 mit einem organischen und anorganischen Verbandsexamen. Von Oktober 1908 bis April 1909 arbeitet er wieder in der väterlichen Apotheke, danach ein halbes Jahr in der Adlerapotheke in Offenbach. Von Oktober 1909 bis Juli 1910 ist er im chemischen Laboratorium von Fresenius in Wiesbaden tätig. In seinem Lebenslauf schreibt er: "Infolge Überarbeitung traten Überreizungserscheinungen auf, die sich in Nerven- und Muskelerschlaffung zeigten, so daß ich die Sanatorien D. Amelung, Leiter Dr. Hugo Amelung, Königstein, Hofrat Dr. Rehm (Neufriedenheim, München) und Prof.Dr. Rieger Würzburg besuchen musste." Nach einer mehrwöchigen Tätigkeit in der Pfauenapotheke wird er am 14.Januar 1911 von der Polzei in die Psychiatrische Universitätsklinik Würzburg gebracht. Ein Freund, der ihn begleitet, gibt an, dass Karl Verfolgungs- und Vergiftungsideen, sowie Selbstmordgedanken geäußert habe. Während seines Aufenthalts denkt er sich stets neue Projekte aus, schreibt und redet viel. Er verhält sich im Allgemeinen ruhig, kann aber in erregtem Zustand gefährlich für seine Umgebung werden, da er dann blindlings auf alle einschlägt. Der Arzt bestätigt, dass er dadurch, durch seine Sebstmordgedanken und durch seinen Zugriff auf das Gift in der Apotheke zur Gefahr für sich und seine Umgebung werde. Und so wird er im März 1911 durch den Beschluss des Amtsgerichts Würzburg wegen Geisteskrankheit entmündigt, wogegen er in einem Brief an das königliche Amtsgericht noch aus der Psychiatrie Einspruch erhebt. Das Gericht bestimmt seinen Bruder Hans zum Vormund.
Am 10.05.1911 wird Karl in die Heil- und Pflegeanstalt Werneck gebracht. Die Kosten übernimmt zunächst die Mutter und danach sein Bruder. Entlassungsgesuche von Karl beim Amtsgericht werden abschlägig beschieden. Bis zur Räumung Wernecks im Oktober 1940 lebt Karl in der Anstalt.
Am 04.10. kommt er mit einem Transport in der Zwischenanstalt Großschweidnitz/Sachsen an. Zwei Monate später, am 04.12., teilt die Anstalt Pirna-Sonnenstein dem neuen Vormund Rechtsanwalt Dr. Pfriem mit, dass sein Mündel Karl gestorben sei. Es stellt sich jedoch heraus, dass er mit einem anderen Karl Müller verwechselt wurde, der am 29.11. in die Tötungsanstalt verlegt worden war.
Aber schon am 21.12. teilt man dem Bruder mit, dass sich Karls Befinden "durch eine plötzliche Herzschwäche" verschlechtert hat und Lebensgefahr besteht. Der letzte Eintrag in der Krankenakte am 21.Dezember: "Seit gestern reichlich schwach und blaß, findet sich gar nicht zurecht. Während er tags zuvor noch ruhelos, drängend durch Hin- und Herlaufen im Saal allerhand Wünsche vorbrachte...Verfällt sichtlich, Puls nicht zu fühlen...Verlegt nach A 13 I. Daselbst 12.30 Uhr verstorben." Offizielle Todesursache: Kreislaufversagen.
Zunächst ist die Beerdigung für Dienstag, den 24.12. in Großschweidnitz geplant, doch der Bruder wünscht die Überführung nach Würzburg, wo Karl dann im Familiengrab beigesetzt wird. Da bekannt ist, dass in der Anstalt Großschweidnitz Patienten schon seit 1939 getötet wurden und auf Grund der überraschenden plötzlichen Verschlechterung von Karls Zustand kann man davon ausgehen, dass auch er getötet wurde.
   
Quelle Sächs. Hauptstaatsarchiv Dresden 10822 Landesanstalt/Fachkrankenhaus Großschweidnitz Nr.156 Aufnahmenr.534 u. Karteikarte Nr. 1356/40
Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden Abt.631a
Standbuch Werneck
Stadtarchiv Würzburg: Einwohnermeldebögen 1850-1920, Grundlisten, Adressbücher
Universitätsarchiv Würzurg KL 172/1911
Stadtarchiv Bad Wimpfen
Autorin / Autor Inge Kaesemann
Paten Dipl.-Psych. Florian Müller
   
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