Maria Schneider

   
geboren am 18.11.1885 in Würzburg
Straße  Franz-Ludwig-Straße 25
Stadtteil Sanderau
Deportationsdatum06.10.1940
Todesdatum06.10.1940
TodesortPirna-Sonnenstein
   
Franz-Ludwig-Straße b. Vormund Johann Aurich (1902)
katholisch, ledig, ohne Beruf
Vater: Schneider Johann, Reg.kanzlist, geb. 07.07.1838 in Mellrichstadt, verstorben
Mutter: Schneider Katharina, geb. Günther, gest. 13.06.1899 in WÜ
Kinder: Maria, geb. 18.11.1885, Sofie Dorothea, geb. 17.12.1888, gest. 13.06.1889, Andreas, geb.07.06.1890 (Kaufmann, Tochter Gretchen)
Vormund: Johann Baptist Aurich, geb.24.01.1840 in Ochsenfurt, gest.20.02.1938 in Wü, Schneidermeister, Franz-Ludwig-Str. 25, verh. mit Margareta, geb. Günther, geb.07.02.1840 in Zellingen, gest.13.03.1912, (7 Kinder(Josef 1866,Johann 1868,Bruno Josef Richard 1872,Ursulina 1875,Dorothea 1877, Katharina 1879, Anna 1882)
Patin: Frau Magdalena Brandner geb.Sauer,geb.27.02.1863 in Eibelstadt, WÜ, Obere Schloßg.4, und Brandner Georg, Häfnermeister,geb.06.09.1860 in Ochsenfurt, gest.26.08.1923 in Wü
11.4.-29.4.1901 Psych. WÜ, ab 17.6.1902 Heil- und Pflegeanstalt Werneck, am 6.10.1940 wegen Räumung verlegt... nach Pirna-Sonnenstein (vermutlich am gleichen Tag ermordet)
   
Maria Schneider wird am 18. November 1885 als erste Tochter des Ehepaares Johann und Katharina, geb. Günther in Würzburg geboren. Der Vater, Reg.kanzlist wurde am 7. Juli 1838 in Mellrichstadt geboren und das Ehepaar zieht 1874 nach Würzburg. Maria bekommt zwei Geschwister, am 17. Dezember 1888 wird ihre Schwester Sofie Dorothea geboren, die jedoch sechs Monate später stirbt. Am 7. Juni 1890 wird ihr Bruder Andreas geboren.
Maria soll von Kind an sehr dumm und eigensinnig gewesen sein. Sie besucht die Volksschule bei den Ursulinerinnen, jedoch mit sehr geringem Erfolg. Zur ersten Kommunion darf sie gehen. Nach dem Tod der Mutter, 1899, - der Vater ist schon früher verstorben-, kommt sie zuerst zu Verwandten, in die Familie ihres Vormunds Johann Aurich und seiner Ehefrau Margareta, einer Schwester von Marias Mutter. Später für kurze Zeit in das Waisenhaus in Wörth a.M. Im Sommer 1900, mit 15 Jahren, kommt Maria für ein knappes Jahr in das Erziehungsinstitut der Barmherzigen Schwestern in Lülsfeld. Sie wird von dort jedoch wieder weggenommen, da es unmöglich war, sie zu irgendwelchen regelmäßigen Beschäftigungen anzuhalten.
Im April 1901 wird Maria für zwei Wochen in der Psych. Univ. Klinik in Würzburg behandelt, wird aber von dort wieder in die Familie ihres Vormunds entlassen. Am 17. Juni 1902 kommt Maria nach vorheriger Anmeldung in Begleitung ihrer Tante Margareta Aurich und einer Tochter derselben am Nachmittag per Wagen von Würzburg in die Heil- und Pflegeanstalt Werneck. Nach Aussage ihrer Tante habe sich ihr Zustand zunehmend verschlechtert, ihre Stimmung wechsele zwischen Ausgelassenheit, Weinen und Schreien und Selbstmorddrohungen. Maria müsse immer wieder zu Bett liegen, oft tage- und wochenlang. Kurz vor ihrer Einlieferung in Werneck kann sie gar nicht mehr aufstehen.
In den ersten beiden Jahren ihres Aufenthaltes in Werneck wird Maria von ihrer Tante besucht und zwei Mal für einen kurzen Urlaub nach Hause nach Würzburg abgeholt. Im August 1904 soll sie wieder abgeholt werden, "doch schon am Bahnhof in Waigolshausen kommt es zwischen der Kranken und ihrer Verwandten zu Differenzen, so dass sich die letztere entschließt, die Patientin wieder in die Anstalt zurückzubringen". Nach diesem Vorfall wird Maria nicht mehr von Ihrer Tante besucht und auch nicht mehr nach Würzburg abgeholt. Doch schon einen Monat später kümmert sich Marias Patentante Frau Magdalena Brandner, Häfnersgattin aus Würzburg, um sie und holt sie zu kurzen Aufenthalten nach Würzburg. Bei diesen Urlauben in Würzburg besucht sie auch das Grab ihrer Eltern, was sie aber sehr aufregt und gesundheitlich mitnimmt, so dass sie immer wieder gerne in die Anstalt zurückkommt.
Mit der Volljährigkeit Marias (1906) beendet ihre Patentante die Besuche und Maria kommt nur immer mal wieder zu Untersuchungen ihres Knies und zur Behandlung nach Würzburg. Erst zehn Jahre später ist sie wieder zu Besuch ihres Bruders Andreas in Würzburg. Im Juli 1924 wird Marias Sohn in der Univ. Frauenklinik in Würzburg geboren. Vater ist ein Patient aus Werneck. Im November bekommt sie die Mitteilung vom Stadtrat Würzburg, dass ihr Sohn Joseph Andreas im Säuglingsheim Mönchberg gestorben sei.
In all den Jahren ist ihr körperliches und geistiges Befinden in einem ständigen Auf und Ab. Zeitweilig ist sie sehr willig, hilft auf der Station fleißig mit und verspricht, dass sie treu, folgsam und fleißig sein wolle, weil sie gerne in einem Haushalt beschäftigt werden will. Zu anderen Zeiten ist sie gereizt, schimpft viel und schlägt öfters zu. Sie "spricht fast den ganzen Tag, dass sie zum Papst nach Rom gehe, um dort eine Köchin zu machen und malt sich diese Tätigkeit in den schönsten Farben aus."
Am 6. Oktober 1940 nach 38 Jahren in der Heil- und Pflegeanstalt Werneck wird Maria Schneider "wegen Räumung verlegt"... in Pirna-Sonnenstein wird sie vermutlich noch am Ankunftstag ermordet.
   
Quelle BA Berlin R 179, Archivnr. 1844;
Staatsarchiv Wiesbaden;
Stadtarchiv Würzburg: Einwohnermeldebögen, Grundlisten, Adressbücher;
Univ.Psych.Würzb.;
Standbuch Werneck.
Autorin / Autor Regine Samtleben
Paten Herr Thomas Schmitt
   
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