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Veronika Schönbein

   
geboren am 06.06.1901 in Würzburg
Straße  Karthause 9 1/3
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum04.10.1940
Todesdatum11.02.1941
TodesortPirna-Sonnenstein
   
Säuglingspflegerin, ledig, katholisch,
01.12. - 26.12.1922 und 14.03.-02.04.1923 Psychiatrische Klinik Würzburg
03.04.1923 - 04.10.1940 Heil- und Pflegeanstalt Werneck Nr. 5125
04.10.1940 mit Transport Nr. 13/Bayern in die sächsische Landesanstalt Arnsdorf
11.02.1941 Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein
   
Veronikas Vater Georg Schönbein, ein gelernter Schuhmacher, kommt am 1.12.1892 aus Karbach nach Würzburg und ist hier als städtischer Arbeiter beschäftigt. Aus der ersten Ehe mit Genovefa geb. Hartmann, die schon am 3.12.1890 gestorben war, hat er die Söhne Heinrich geb.1880, gest. 1897, Martin geb. 1882 und Ferdinand geb. 1883. Danach noch 3 weitere mit seiner 2. Frau Maria, geborene Breidinger: Karl geb. 1891, Heinrich Adolf geb. 1893, gest. 1894, und Adolf geb. 1896. Veronika, das jüngste Kind, kommt am 6. Juni 1901 in Würzburg zur Welt. Als sie 11 Jahre alt ist, stirbt der Vater an den Folgen eines Unfalls.
Die Mutter berichtet, dass Veronika sich nur schwer an das Schulleben gewöhnte, schüchtern war und ihr das Lernen sehr schwer fiel. Nach der Schulentlassung macht Veronika einen Kurs in Säuglingspflege und legt auch eine Prüfung als Kindergärtnerin ab. Ab 1920 arbeitet sie als Säuglingspflegerin, wechselt aber häufig die Stelle und den Wohnort, darunter München, Frankfurt, Bad Kissingen usw. 1922 verlässt sie ihre letzte Stelle in Aschaffenburg und kehrt nach Würzburg zurück. Sie klagt über Kopfschmerzen, eine zunehmende Schwäche und kann nicht mehr arbeiten. Im Herbst trennt sich ihr Bräutigam von ihr, was sie sehr belastet. Sie will aus Würzburg weg und sich in Berlin einen neuen suchen. Häufig läuft sie nun von zuhause weg, zeigt ein auffälliges Benehmen und hört Stimmen. Wieder einmal weggelaufen, muss die Mutter sie am nächsten Tag bei der Polizei abholen, da sie aus dem Zug nach Ochsenfurt gesprungen war. Sie habe geschrien, die Juden hätten ihr die Fahrkarte genommen. Daheim spricht sie wirr, will nicht essen und macht seltsame Dinge.
Am 1. Dezember 1922 bringt sie die Mutter zum ersten Mal in die Psychiatrische Klinik, wo sie meist tatenlos herumsitzt. Da die Nahrungsaufnahme ausreichend und ihre Stimmung ausgeglichen ist, wird sie am 26.12. nach Hause entlassen. Schon am 26. Januar 1923 bringt sie aber ihr Bruder wieder, weil sie meist völlig teilnamslos gewesen sei, sich krank fühlte und in den letzten Tagen wieder fortgelaufen sei. In der Klinik verhält sie sich ruhig und heiter. Wegen eines unklaren Urinbefundes wird sie am 28. Februar in die Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten verlegt und kommt am 14. März wieder in die Psychiatrie zurück. Sie scheint Stimmen zu hören, ist zu keiner Tätigkeit zu bewegen und vernachlässigt sich.
Der Bezirksarzt bestätigt, dass sie dringend hilfsbedürftig und selbstmordgefährdet ist. So lässt sie der Würzburger Stadtrat (Beschluss vom 30.01.1923 Nr. 03348) entmündigen und am 3. April durch 3 Inspektoren in die Heil- und Pflegeanstalt Werneck bringen. Hier schließt sie sich völlig von ihrer Umgebung ab und beschäftigt sich nur mit dem Zeichnen verschiedener Körperteile. Die Zeichnungen versteckt sie. Niemand darf sie sehen. In den folgenden Jahren ändert sich ihr Zustand nicht und so verbleibt sie bis zur Räumung der Heil- und Pflegeanstalt in Werneck.
Am 4. Oktober 1940 bringt man sie mit 59 anderen Frauen in die sächsische Landesanstalt Arnsdorf, die als Zwischenanstalt für die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein dient.
Von hier aus wird sie am 11. Februar 1941 in die Tötungsanstalt gebracht und gleich nach der Ankunft ermordet.
   
Quelle Bundesarchiv Berlin R 179, Archivnr. 1844
Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein: Karteikarte, Quelle LA Arnsdorf
Standbuch Werneck
Stadtarchiv Würzburg: Einwohnermeldebögen 1850-1920, Grundlisten, Adressbuch
Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden Abt. 631a Nr.1639
Universitätsarchiv Würzburg KL 21/1922
Autorin / Autor Inge Kaesemann
Paten Die Jenaplan-Schule, Herrn Klaus Bernegau
   
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