Frieda Grötsch

   
geboren am 05.10.1897 in Würzburg
Straße  Nikolausstraße 7
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum11.12.1940
Todesdatum11.12.1940
TodesortGrafeneck
   
30.05.-2.06.1927 Psychiatrische Universitätsklinik Würzburg
02.06.-12.06.1927 Heil- und Pflegeanstalt Werneck
26.12.1928-14.01.1929 Psychiatrische Universitätsklinik Würzburg
14.01.-22.04.1929 Heil- und Pflegeanstalt Werneck
01.07.-13.12.1931 Heil- und Pflegeanstalt Werneck
12.08.1932-04.10.1940 Heil- und Pflegeanstalt Werneck
04.10.1940 Heil- und Pflegeanstalt Lohr
13.11.1940 Heilanstalt Weinsberg
11.12.1940 Tötungsanstalt Grafeneck
   
Frieda Grötsch wird am 05. Oktober 1897 als jüngstes von acht Kindern des Hefenhändlers Georg Zimmermann und seiner dritten Ehefrau Luise, geborene Palmer, in Würzburg geboren. Sie hat noch vier ältere Brüder und drei ältere Schwestern. Als sie sechs Jahre alt ist, stirbt ihr Vater. Die Mutter heiratet vier Jahre später den wesentlich älteren Buchdrucker Leonhard Meyer. Nach der Schulentlassung erlernt Frieda keinen Beruf. Sie lebt zu Hause, bis sie am 29. Januar 1916 den am 23. September 1883 geborenen Möbelpacker Michael Grötsch heiratet.
Während ihr Mann oft beruflich unterwegs ist, versorgt Frieda den Haushalt. Die Ehe bleibt kinderlos. Am 30. Mai 1927 bringt ihr Schwager Theodor Grötsch, dessen Familie im selben Haus wohnt, sie zur Untersuchung in die Psychiatrische Klinik Würzburg, da sie sich oft sonderbar benehme, erregt sei und Angst vor Vergiftungen habe. Von hier kommt sie am 02. Juni 1927 wegen Platzmangels in die Heil- und Pflegeanstalt Werneck und wird am 12. Juni 1927 wieder entlassen.
Aber schon am 26. Dezember 1928 bringt ihre Schwägerin sie erneut mit ähnlichen Symptomen in die Psychiatrische Klinik. Während dieses Aufenthalts schreibt Frieda ihrem Mann häufig Briefe und rechnet damit, dass er sie bald abholt. Doch wieder wird sie am 14. Januar 1929 nach Werneck überwiesen und dort endlich am 22. April 1929 auf Wunsch ihres Mannes entlassen. Durch Beschluss der Polizeidirektion Würzburg wird sie erneut am 01. Juli 1931 in Werneck eingewiesen, aber am 13. Dezember 1931 noch einmal probeweise entlassen. Ihre endgültige Einweisung nach Werneck erfolgt nun durch Beschluss des Würzburger Stadtrates am 12. August 1932. In den folgenden Jahren wird sie immer wieder einmal kurzfristig beurlaubt und zurückgebracht. Ihr Ehemann erkundigt sich zwischendurch öfter nach ihrem Befinden. Das von ihrem Mann 1937 eingeleitete Scheidungsverfahren verzögert sich zunächst, da die Patientin für prozessunfähig erklärt wird. Ein extra angefertigtes Gutachten bestätigt, dass bei ihr keine Heilung möglich sei. Nachdem für sie ein Pfleger bestimmt wurde, wird die Ehe am 11. März 1938 rechtskräftig geschieden.
Im Zuge der Räumung Wernecks bringt man sie am 04. Oktober 1940 in die Heil- und Pflegeanstalt Lohr, von wo aus sie am 13. November mit hundert anderen Patienten nach Weinsberg transportiert wird. Am 24. November 1940 fragt ihre Schwester Mina aus Leipzig mit einer Postkarte nach, warum ein Paket für ihre Schwester zurückgekommen sei. Sie erhält folgende Antwort: "Ihre Schwester Frieda Grötsch wurde auf höhere Anordnung gemeinsam mit anderen Kranken in die Heilanstalt Weinsberg i/Württbg. überführt." Am 11. Dezember 1940 wird Frieda Grötsch in der Tötungsanstalt Grafeneck ermordet.
   
Quelle Archiv des Bezirkskrankenhauses Lohr;
Staatsarchiv Ludwigsburg F 234 Patientenakte 734;
Universitätsarchiv Würzburg;
Stadtarchiv Würzburg: Einwohnermeldebögen 1850-1920, Grundlisten, Adressbücher;
Gedenkbuch des Dokumentationszentrums Grafeneck.
Autorin / Autor Inge Kaesemann
Paten Hotelgasthof Stadt Mainz, Frau Anneliese Schwarzmann
   
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