Josef Konrad

   
geboren am 16.01.1903 in Würzburg
Straße  Berliner Platz 9
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum10.12.1940
Todesdatum10.12.1940
TodesortGrafeneck
   
ledig, katholisch, Boxer,
07.11.1925 - 09.07.1935 Psychiatrische Universitätsklinik Würzburg
09.07.1935 - 05.10.1940 Heil- und Pflegeanstalt Werneck
05.10.1940 - 13.11.1940 Heil- und Pflegeanstalt Lohr
13.11.1940 - 10.12.1940 Heilanstalt Weinsberg/Baden-Württemberg
10.12.1940 Tötungsanstalt Grafeneck
   
Josef Konrad wird als eines von 5 Kindern des Ehepaares Jakob und Anna Maria Konrad am 16.01.1903 in Würzburg geboren. Die Familie wohnt in der Prymstraße 13a. Nach 8 Jahren Volksschule besucht Josef 2 Jahre die Maschinenbauschule, erhält hierfür als erster Schüler sogar ein Stipendium und schließt sie 1920 mit einem sehr gutem Zeugnis ab.
Danach arbeitet er in einigen Würzburger Betrieben und betreibt nebenher Boxsport. In dieser Zeit lernt er einen amerikanischen Rechtsanwalt kennen, der ihn auf die Idee bringt, dass er in Amerika mit Boxen ein "berühmter Mann" werden könne.
Sein amerikanischer Freund schickt ihm sogar eine Schiffskarte und Josef fährt am 01.09.1922 mit dem Schiff Reliance von Hamburg aus nach Amerika. Dort ist seine Anlaufstelle sein Cousin Julius Krany in Dolgeville New York. In den ersten Monaten boxt er sehr erfolgreich und die Zeitungsberichte hierüber gelangen auch nach Würzburg. Doch Mitte Juli 1924 erfährt seine Familie, dass er bei einem Kampf verletzt wurde und in Ohnmacht fiel. Kurze Zeit nach diesem verlorenen Kampf teilt ihm seine Freundin auf der Straße mit, dass sie ihr Verhältnis beenden möchte, worauf er sie ohrfeigt und mit der herbeigerufenen Polizei auch noch handgreiflich wird. So kommt er in Haft. Nach einem Tobsuchtsanfall bringt man ihn in eine Anstalt, wo sein Zustand zunächst als "nicht ungünstig" beurteilt wird. Als sich jedoch sein Verhalten ändert, und er die Nahrung verweigert, wird er aus Amerika ausgewiesen.
Er kommt am 03.11.1925 wieder mit dem Schiff in Hamburg an. Nach zwei Tagen in einem Hamburger Krankenhaus und einem weiteren in einer Anstalt holen ihn seine Angehörigen nach Würzburg, wo er am 07.11. in die Psychiatrische Universitätsklinik aufgenommen wird. Hier spricht er zeitweise gar nichts, isst nichts, muss gefüttert werden und zeigt körperliche Ausfallerscheinungen. Seine Familie besucht ihn in dieser Zeit häufig.
Man beobachtet ihn hier fast zehn Jahre lang. Da sich sein Zustand aber nicht bessert, schreibt die Klinik am 09.07.1935: "Der Patient wird heute wegen Überfüllung der Klinik nach Werneck überführt". So lebt er bis zur Räumung der Heil- und Pflegeanstalt in Werneck.
Am 05.10.1940 kommt er in die Heil- und Pflegeanstalt Lohr. Schon am 13.11.1940 tranportiert man ihn mit hundert anderen Patienten in die Zwischenanstalt Weinsberg/Baden-Württemberg. Von hier aus wird er am 10.12.1940 in die Tötungsanstalt Grafeneck gebracht, wo er noch am selben Tag ermordet wird.
   
Quelle Archiv des Bezirkskrankenhauses Lohr
Staatsarchiv Ludwigsburg F 234 II, Bü 734
Standbuch Werneck
Gedenkstätte Grafeneck
Stadtarchiv Würzburg: Einwohnermeldebögen 1850-1920, Grundlisten, Adressbücher
www.familysearch.org (Ellis Island)
Autorin / Autor Inge Kaesemann
Paten Robert-Kümmert-Akademie, Dr.-Maria-Probst-Schule, Frau Geschäftsführerin Christel Baatz-Kolbe
   
zurück