Malchen Baumblatt

   
geboren am 02.06.1877 in Theilheim bei Schweinfurt
Straße  Dürerstraße 11 (ehem.2
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum25.04.1942
Todesdatumunbekannt
TodesortRaum Lublin
   
deportiert am 25.04.1942 über Krasnystaw nach Krasniczyn und wenig später im Raum Lublin (Izbica) ermordet
   
Malchen Baumblatt wurde 1877 als elftes und letztes Kind des Metzgermeisters Max (Mordechai) Baumblatt und seiner Frau Lena, geb. Rosenstein, in Theilheim geboren, wo sie auch aufwuchs. Dort lebte die Familie bereits seit mindestens 50 Jahren im gleichen Haus (Nr. 19). Vermutlich 1897 zog Malchen nach Aidhausen. In diesem Jahr starb ihr Schwager Heinrich Walter. Die nun verwitwete Schwester Karoline hatte fünf Kinder zu versorgen und führte das Geschäft des Mannes (Handel mit landwirtschaftlichen Maschinen) seit dem 15. März 1897 alleine weiter. Malchen, 20 Jahre alt und nicht verheiratet, arbeitete vermutlich in ihrem Haushalt und/oder Geschäft.
Im Dezember 1912 verlegten ihre Neffen Max und Arthur Walter, die nun die Verantwortung für die Firma übernahmen, das Geschäft nach Schweinfurt. Zu diesem Zeitpunkt wird Malchen Baumblatt als Privatiere, also als nicht berufstätig bezeichnet. Die ganze Familie wohnte zusammen mit ihr in der Schweinfurter Roßbrunnstraße 9. Dort blieb Malchen nach der Hochzeit der Neffen (1913 und 1919) mit ihrer Schwester zur Miete im Erdgeschoss wohnen. Da die Kinder groß waren, wurde sie jedoch nicht mehr unbedingt gebraucht und konnte von 1915 bis 1917 ihre Nichte Bianka Malzer, geb. Walter, in Königshofen i.Gr. unterstützen. Die hatte kurz vorher ein Kind bekommen, während ihr Mann als Soldat im 1. Weltkrieg diente. Zurück in Schweinfurt zog Malchen 1917 nach kurzer Zeit noch einmal für mehr als ein Jahr nach Bad Nauheim.
Im Winter 1931/32 lösten Malchen und ihre Schwester dann ihre gemeinsame Wohnung endgültig auf: Karoline Walter zog nach Königshofen i.Gr. (Bad), während Malchen Baumblatt am 1. Januar 1932 Schweinfurt in Richtung Würzburg verließ, wo die 54-Jährige seitdem im Israelitischen Pfründnerhaus lebte. Vielleicht arbeitete sie dort als Angestellte, wird jedenfalls auf der Deportationsliste so bezeichnet.
Am 25. April 1942 wurde sie mit Hunderten weiterer unterfränkischer Juden vom Platz’schen Garten über den Bahnhof Aumühle zum Bahnhof Krasnystaw in Ostpolen und von dort nach Krasniczyn deportiert und dort oder in den Vernichtungslagern der Region Lublin ermordet.
   
Quelle Personal information from Lou Walter (1926-2006), Malchen Baumblatt’s great-nephew;
Stadtarchiv Schweinfurt, Einwohnermeldekarte;
Standesamt Theilheim;
Stadtarchiv Bad Königshofen, Akten nach 1900, Box 21/150/IV „Fremdenregister“, 660;
Box 10/060/VIII, „Verzeichnis der Kriegsteilnehmer 1914-1918“;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 78;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de837990, (17.05.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblatt, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&s_lastName=baumblatt&s_firstName=malchen&s_place=&itemId=721809&ind=1&winId=-421745801825558586 (17.05.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich. Würzburg - Krasniczyn, Abfahrtsdatum: 25.04.1942, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT420425-Wuerzburg44.jpg (07.06.2016).
Autorin / Autor Elisabeth Böhrer, Rotraud Ries
Paten Frau Elisabeth Böhrer
   
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