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Bertha Cohen, geb. Haas

 
geboren am 19.04.1864 in Reckendorf/Ufr.
Straße  Bismarckstraße 12
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum14.02.1943
TodesortTheresienstadt
   
deportiert am 23.09.1942 nach Theresienstadt und dort am 14.02.1943 infolge der unmenschlichen Lebensbedingungen verstorben
   
Am 19.04.1864 wurde Bertha Cohen in Reckendorf/Ufr. als Tochter des Rabbiners David Hirsch Haas (*1834) und der Rosa (Reiz), geb. Stern (*1839) geboren. Ihr Vater war der letzte Ortsrabbiner von Reckendorf, bevor die jüdische Gemeinde aufgrund von Ab- und Auswanderungen so stark schrumpfte, dass sie auf einen eigenen Rabbiner verzichten musste.
Die Familie Haas lebte auch in Reckendorf. Dort kamen kurz hintereinander die Geschwister Albert (*1863), Bertha und Gitta (*1865) zur Welt. 1866 nahm Berthas Vater die Stelle des Bezirksrabbiners in Welbhausen bei Uffenheim an. Die Familie zog jedoch erst 1867, nach der Geburt von Berthas Schwester Fanny dorthin. Die Wohnung befand sich in der Synagoge, Welbhausen Nr.15, in der auch der Schulunterricht für die jüdischen Kinder des Dorfes stattfand. 1869 und 1871 wurden zwei weitere Brüder, Louis und Gerson, geboren.
Als der Rabbinatssitz von Welbhausen nach Uffenheim verlegt wurde, stand der Familie Haas 1874 ein weiterer Umzug bevor. Doch schon drei Jahre später, im Jahr 1877 starb David Hirsch Haas plötzlich im Alter von 44 Jahren. Seine Witwe Rosa verließ wenig später mit ihren sechs Kindern den Ort und zog nach Würzburg in die Domstraße 29. Zu diesem Zeitpunkt war Bertha 14 Jahre alt.
Mit 27 Jahren, am 14. September 1891, heiratete Bertha den Kaufmann und Seidenspinner Herz Cohen (*1866) in Würzburg. Das junge Paar zog kurz nach der Hochzeit nach Krefeld, wo Bertha Cohen am 22. August 1892 ihren Sohn Siegfried zur Welt brachte. In den folgenden Jahren wechselte die junge Familie mehrfach die Wohnung.
Nach dem frühen Tod Ihres Ehemannes 1911 verließ Bertha Cohen zusammen mit ihrem Sohn Krefeld und zog nach Nürnberg in die Humboldtstr. 79. Siegfried nahm eine Stelle als kaufmännischer Angestellter bei den Vereinigten Fränkischen Schuhfabriken an. 1915 fiel er im Alter von nur 22 Jahren als Soldat im Ersten Weltkrieg.
Bertha Cohen blieb zunächst in Nürnberg, zog aber Ende der 1920er Jahre schließlich nach Würzburg zu ihrem Bruder, dem Justizrat Dr. Gerson Haas. Dieser wohnte mit seiner Ehefrau Amalie Charlotte, geb. Gümbel, und den drei Kindern Paula, Lotte und Otto in einer Villa in der Bismarckstraße 12.
Nachdem ihre Schwägerin Amalie 1939 und ihr Bruder 1940 gestorben waren und die Kinder auch nicht mehr dort lebten, war Bertha Cohen gezwungen, die Wohnung in der Bismarckstraße 12 zu verlassen. Sie musste, wie viele Würzburger Juden, in das jüdische Altenheim in der Konradstraße 3 umziehen.
Am 23. September 1942 wurde die 78-Jährige nach Theresienstadt deportiert. Dort erlag sie wenig später, am 14. Februar 1943, den unmenschlichen Lebensbedingungen.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakten 97;
Stadtarchiv Krefeld, NS Dokumentationsstelle, Meldebögen.
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher; Meldebögen; Nachlass Alfred Haas Nr.17, Nr. 38;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 114, 224, 226, 227;
Roland Flade, Die Würzburger Juden. Ihre Geschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Mit einem Beitrag von Ursula Gehring-Münzel, 2. erw. Aufl., Würzburg 1996, S. 354;
Karl Ernst Stimpfig, Die Juden in Ermetzhofen, Welbhausen, Gnodtstadt, Uffenheim. Mit der Geschichte des Rabbinats Welbhausen, S. 155, 169-171;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de901141 (17.05.2016);
Alemannia Judaica, Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum: Reckendorf http://www.alemannia-judaica.de/index.htm (17.05.2016).

Foto: Stadtarchiv Würzburg, Nachlass Alfred Haas.
Autorin / Autor Martina Buller
Paten Frau Andrea Wolpert, Frau Dr. Eva Wedlich
   
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