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Albert Heinemann

   
geboren am 24.02.1897 in Poppenlauer
Straße  Bismarckstraße  17
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum25.04.1942
Todesdatumunbekannt
TodesortRaum Lublin
   
deportiert am 25.04.1942 nach Krasniczyn in Ostpolen, vermutlich wenig später im Raum Lublin ermordet
Ehemals wohnhaft in der Harfenstraße 12, der Gedenkstein liegt heute an der Bismarckstraße 17;
   
Die Familie Heinemann war spätestens seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Poppenlauer ansässig. Der 1897 als Sohn von Albert Heinemann und Karoline, geb. Kremer, geborene Albert Heinemann absolvierte im Alter von 15 Jahren eine kaufmännische Lehre in der Würzburger Kurz- und Wollwarengroßhandlung Ansbacher & Fränkel. Von 1916 bis 1918 kämpfte er im Ersten Weltkrieg für Deutschland und erhielt neben weiteren Auszeichnungen das EK II. Nachdem er aus beruflichen Gründen einige Jahre in Frankfurt am Main gelebt hatte, kehrte er 1923 nach Würzburg zurück und gründete mit Justin Worms die Textilgroßhandlung Heinemann & Worms. 1933 beendete Albert Heinemann die Zusammenarbeit und eröffnete eine Öl-, Fett- und Kolonialwarenhandlung in der Harfenstraße 12.
Kurz darauf, im Mai 1934 heiratete er Frieda (Jg. 1902), die wie seine Mutter Karoline eine geborene Kremer aus Poppenlauer war. Im Dezember 1936 brachte Frieda Heinemann im Alter von 34 Jahren die Tochter Beate zur Welt.
Während des Novemberpogroms 1938 wurde Albert Heinemann festgenommen und in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt. Unter der Bedingung, sein Geschäft aufzugeben und Deutschland zu verlassen, konnte er am 6. Dezember 1938 wieder zu Frau und Kind nach Würzburg zurückkehren. In der Folgezeit scheiterten jedoch alle Versuche der Familie, in die USA auszuwandern. Im September 1939 fand Albert Heinemann als Nachtwächter im Israelitischen Kranken- und Pfründnerhaus eine Anstellung. 1940/41 leistete er Zwangsarbeit bei der Baufirma Heilmann & Littmann sowie beim städtischen Tiefbauamt. Sein Bruder Nathan, der im jüdischen Altersheim in der Dürerstraße 20 in Würzburg Arbeit gefunden hatte, wurde am 27. November 1941 nach Riga deportiert. Kurz zuvor, am 22. Oktober 1941, waren Albert, Frieda und Beate zu Friedas Eltern nach Poppenlauer gezogen. Dort gab es 1941 noch eine kleine jüdische Gemeinde. Im Dezember wählten ihre Mitglieder Albert Heinemann zum Vertrauensmann gegenüber den Behörden.
Am 25. April 1942 wurden Albert, Frieda und Beate Heinemann von Würzburg aus über Krasnystaw nach Krasniczyn deportiert und vermutlich wenig später im Raum Lublin ermordet.
Friedas Eltern Philipp und Eleonore Kremer starben 1943 und 1944 in Theresienstadt. Alberts Mutter Karoline Heinemann (geb. 1870) hingegen überlebte die Deportation nach Theresienstadt und kehrte nach der Befreiung nach Würzburg zurück. Sie wohnte dort bis zu ihrem Tod im Jahr 1952 im jüdischen Altenheim.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 249-251, T. 2, S. 698.
Baruch Z. Ophir / Falk Wiesemann, Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung, München 1979, S. 385.
Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 832;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de856104, (31.05.2016);
Alemannia Judaica, Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum, http://www.alemannia-judaica.de/index.htm (Poppenlauer, Jüdische Geschichte, Synagoge, 13.2.2014).
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Krasniczyn Abfahrtsdatum: 25.04.42, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT420425-Wuerzburg30.jpg (31.05.2016).
Autorin / Autor Nina Gaiser
Paten Frau Martina Buller
   
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