Kela (Karoline) Sichel, geb. Neumann

   
geboren am 22.04.1854 in Külsheim
Straße  Dürerstraße 14 (ehem.2
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum10.12.1942
TodesortTheresienstadt
   
Deportiert am 23.09.1942 nach Theresienstadt und dort aufgrund der unmenschlichen Lebensbedingungen am 10.12.1942 gestorben
   
Kela (Karoline) Sichel wurde 1854 in der "tauberfränkischen" Kleinstadt Külsheim im nördlichen Baden-Württemberg als Tochter des Toraschreibers Salomon Neumann und seiner Ehefrau Regine, geb. Levi, geboren. Auch Kelas Ehemann Nathan kam wohl aus einem streng religiösen Elternhaus.
Kela Sichel lebte vermutlich seit 1879 in der unterfränkischen Gemeinde Kleinsteinach im jüdischen Schulhaus, Haus Nr. 47, am Ort. Denn in diesem Jahr trat ihr Ehemann Nathan dort sein Amt als Lehrer an.
Er übte über 30 Jahre als Religionslehrer, Kantor und Schächter wichtige Funktionen in der Israelitischen Kultusgemeinde aus.
Wie viele jüdische Lehrerfamilien damals besserten Nathan und Kela Sichel das überschaubare Lehrergehalt mit einer über Jahrzehnte bestehenden kleinen Pension für Schüler auf. Das Angebot für Privatunterricht richtete sich besonders an Jugendliche im Realschulalter, denn die Jungen erhielten hier vor allem Unterricht in kaufmännischen Fächern, konnten auf Wunsch aber auch die hebräische Sprache und weitere religiöse Fächer erlernen. Für das leibliche und körperliche Wohl war ebenfalls gesorgt: Verpflegung, Wäsche und Reinigung fielen in den Aufgabenbereich der Lehrersgattin Kela Sichel.
Nathan Sichel starb bald nach seinem 50-jährigen Lehrerjubiläum 1911. Seine Witwe Kela Sichel wohnte weiterhin in Kleinsteinach. 1929 feierte sie dort ihren 75. Geburtstag. Aus ihrer Ehe gingen ein Sohn und eine Tochter hervor. Selma, die Ehefrau des Sohnes, lebte 1955 in Israel. Die Tochter Klara Sichel (1886 in Kleinsteinach geboren) wohnte bis 1939 bei ihrer Mutter und wurde am 25.04.1942 von Würzburg über Kransystaw nach Krasniczyn im Raum Lublin deportiert und dort oder in der Nähe ermordet.
Die 85-jährige Kela Sichel musste im August 1939 von Kleinsteinach in das Jüdische Altersheim in der Dürerstraße 20 in Würzburg ziehen. Drei Jahre später wurde sie am 23. September 1942 von Würzburg über Nürnberg nach Theresienstadt deportiert. Weniger als drei Monate später starb Kela Sichel dort aufgrund der unmenschlichen Lebensbedingungen.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 554;
Verzeichnis der Geburten der Külsheimer Juden ab 1912, http://spengler.li/otto/juden_geboren_kuelsheim.htm (23.06.2016);
Telefonische Auskunft an Elisabeth Böhrer von Herrn Mock, Standesamt VGem. Hofheim am 27.5.2014 aus: Reg.Nr. 14/1886 Gde. Kleinsteinach;
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Theresienstadt, Abfahrtsdatum: 23.09. – 24.09.1942, http://www.statistik-des-holocaust.de/II26-20.jpg (22.06.2016).
Autorin / Autor Reiner Strätz
Paten Hotelgasthof Stadt Mainz, Frau Anneliese Schwarzmann
   
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