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Alfons Josef Kirchner

   
geboren am 12.05.1878 in Würzburg
Straße  Domerschulstraße  6
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum11.03.1941
Todesdatum11.03.1941
TodesortPirna-Sonnenstein
   
Alfons Kirchner, 12.05.1878, kath., verh., Sekretariatsassistent
31.12.1911 - 07.01.1912, 24.02.1913 - 31.03.1912 Psych. Klinik Würzburg
31.03.1912 - 03.10.1940 Heil- und Pflegeanstalt Werneck
03.10.1940 - 11.03.1941 Landesanstalt/Fachkrankenhaus Großschweidnitz
11.03.1941 Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein
   
Alfons Josef Kirchner wird am 12. 05. 1878 als Sohn der Eheleute Alfons und Margareta geb. Warmuth in Würzburg geboren. Sein Vater ist von Beruf Restaurator. Beide versterben früh. Am 05.06.1905 heiratet Alfons Josef Kirchner in Würzburg die Putzgeschäftsinhaberin Kunigunde Hetz, geb. 02.06.1873 in Lichtenfels. Am 18.11.1907 wird ihre Tochter Anna in Würzburg geboren. Über seine Schulzeit und Berufsausbildung ist nichts bekannt.
Am 31.Dezember 1911 wird Alfons Kirchner erstmalig durch die Polizei in die Psychiatrie Würzburg gebracht. In dem Schreiben der Polizei steht:"Leidet an Paranoia und zeitweiliger heftiger Erregung." Der Landgerichtsarzt schreibt dazu:"Kirchner wähnt sich fortwährend verfolgt und elektrisch beeinflusst" und weiter:"da nun die Ehefrau am 31. Dezember dem Unterfertigten durch ihre Tochter mitteilen ließ, daß ihr Ehemann gegen sie handgreiflich wurde, so musste ich die Gemeingefährlichkeit des Kirchner umsomehr als gegeben erachten, da ich wusste, daß die Frau Kirchner nur im Notfall zu einer Anrufung der Polizei gegriffen hätte. Möglich ist, daß Kirchner jetzt schon wieder völlig beruhigt ist und entlassen werden kann."
Während des Aufenthalts in der Klinik konnte der behandelnde Arzt weder einen Verfolgungswahn noch eine Gemeingefährlichkeit bei dem Patienten feststellen, deshalb wurde Kirchner auf Wunsch der Ehefrau am 7. Januar 1912 nach Hause entlassen.
Ein Jahr später am 24. Februar 1913 wird Alfons Kirchner erneut von zwei Schutzleuten in die Psych. Klinik gebracht. Er habe mit einem Bocksbeutel nach seinem Schwiegervater geworfen, ohne ihn jedoch zu verletzen. Außerdem sei er gewalttätig gegen den Sohn des Hauswirts geworden, er habe einen Schirm nach ihm geworfen. Bei seiner Einlieferung hat Alfons Kirchner eine 5cm lange Wunde an der Stirn, wahrscheinlich von einem Stoß an einem scharfkantigen Gegenstand. Der Kranke verhält sich ziemlich ruhig, er ist örtlich und zeitlich vollständig orientiert. Auf die Frage, ob er Stimmen höre, antwortet er in einem kurzen Ton: "Dann müssen sie welche hören, ich höre wenigstens keine." Anfang März ist die Wunde an seiner Stirn vollständig verheilt. Er will sich eventuell von einem Spezialisten untersuchen lassen, um sicher zu sein, dass "das innere Organ keinen Schaden erlitten hat."
Mit Beschluß des Stadtmagistrats Würzburg als Distriktpolizeibehörde in I.Instanz vom 4. zugestellt 7. ds. M. No.7630 wurde die Einbringung des Sekretariatsassistenten Alfons Kirchner wegen gemeingefährlicher Geisteskrankheit in eine Irrenanstalt angeordnet. Gegen diesen Beschluß hat Alfons Kirchner mit Schreiben vom 08.03. an die Kgl. Regierung von Unterfranken u. Aschaffenburg eine sofortige Beschwerde eingelegt. Wenige Tage später wird er sehr aufgeregt, schimpft auf die Ärzte und das Personal und behauptet, seine Beschwerdeschriften würden nicht abgeschickt, sonst müsste seine Entlassung schon längst erfolgt sein.
Am 31. März 1913 wird der Patient früh in die Heil- und Pflegeanstalt Werneck gebracht. Sein Zustand ist wesentlich der gleiche geblieben.
Kunigunde Kirchner, seine Ehefrau, stirbt am 26.01.1931 in Würzburg.
Über seinen Aufenthalt in Werneck sind keine Aufzeichnungen erhalten bis er im August 1940 in die Mühle der Tötungsaktionen des NS-Regimes gerät. Am 01. 08. 1940 wird der Meldebogen 1 (lfd. Nr. 1 97) nach Berlin geschickt. In diesem Meldebogen ist angegeben, dass seine Tochter Anna, inzwischen verheiratet, ihn regelmäßig besucht habe und dass ihr Ehemann als sein Pfleger eingesetzt wurde. Außerdem ist vermerkt, dass der Vater von Alfons Kirchner Selbstmord begangen habe und seine Schwester geisteskrank gewesen sei. In der linken unteren Ecke des Meldebogens ist in roter Schrift vermerkt: 3.10.1940 Großschweidnitz.
Im Rahmen der Räumung der Heil- und Pflegeanstalt Werneck im Oktober 1940 gingen mehrere Transporte von Werneck entweder in die Heil-und Pflegeanstalt Lohr, in die Zwischenanstalt Großschweidnitz (Sachsen) oder direkt in Tötungsanstalten. Am 03.10.1940 ging ein Transport mit 61 Patienten (davon 30 Männer) nach Großschweidnitz, in diesem Transport muss auch Alfons Kirchner gewesen sein. Am 11.03.1941 wurde er mit dem Transport in die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein gebracht und vermutlich noch am gleichen Tag ermordet.
   
Quelle Sächs. Hauptstaatsarchiv Dresden 10822, Landesanstalt/Fachkrankenh. Großschweidnitz Nr.156 Aufnahmenr.531
Hess. Hauptstaatsarchiv Wiesbaden Abt. 631a
Standbuch Heil- und Pflegeanstalt Werneck
Stadtarchiv Würzburg Grundliste, Adressbuch
Universitätsarchiv Würzburg
Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein:Karteikarte Aktennr.1353/40, Quelle Arnsdorf
Autorin / Autor Regine Samtleben
Paten Verband Bayerischer Rechtspfleger e.V, Frau Christine Hofstetter
   
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