Mirjam (Martha) Essinger

   
geboren am 16.06.1908 in Gebweiler/Elsaß
Straße  Glockengasse 4
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatumunbekannt
TodesortRiga-Jungfernhof oder in der Nähe
   
Am 27.11.1941 über Nürnberg nach Riga-Jungfernhof deportiert und dort oder in der Nähe ermordet.
   
Mirjam Essinger wurde 1908 als sechstes Kind der Eheleute Nathan und Senny Adler im elsässischen Gebweiler geboren, das damals zu Deutschland gehörte. Nathan Adler (Jg. 1866) stammte aus Markelsheim/Württemberg, seine Frau Senny Adler, geb. Schloss (Jg. 1876), kam gebürtig aus Laudenbach. Mirjams Vater Nathan Adler arbeitete in Gebweiler als Schuhwarenhändler.
In den Wirren des 1. Weltkriegs verließ Mirjam ihre Geburtsstadt im Elsaß und ging mit ihren Eltern und Geschwistern im Jahr 1915 nach Würzburg. Die Familie Adler zog in die Huttenstr. 33, wo Mirjams Großmutter Sara Schloss und ihre Tante Klara Dreifuss schon seit einiger Zeit wohnten. Auch der Onkel David Schloss und die Tante Thekla, die in Würzburg den Bäckermeister Jakob Steuermann geheiratet hatte, lebten bereits in der Stadt.
Im Jahr 1927 übernahm Mirjam für kurze Zeit die Pflege einer Witwe in Bad Neustadt/Saale. 1928 zog sie wieder nach Würzburg. Dort lernte sie Ernst Essinger kennen, der als Konditor in der Bäckerei ihres verstorbenen Onkels Jakob Steuermann arbeitete. Mirjam und Ernst heirateten um 1934. Zu dieser Zeit hatte Ernst Essinger bereits eine eigene Bäckerei in Wuppertal eröffnet. Am 9. Januar 1935 wurde dort der Sohn Werner geboren. Im sogenannten Boykottheft der Wuppertaler NSDAP 1935 verzeichnet, wurde die Bäckerei Essinger im gleichen Jahr wahrscheinlich Ziel staatlich verordneter Boykottmaßnahmen.
Vermutlich 1938 kehrte die Familie zurück nach Würzburg, wo das zweite Kind Sanny/Fanny (?) am 2. Dezember 1938 geboren wurde. Wie einige Jahre zuvor, wohnten sie in der Glockengasse 4. Doch auch hier war nichts mehr wie vorher: Mirjams Tante Thekla war 1936 gestorben, Haus und Bäckerei waren „arisiert“ und Benno Hahn, der die Bäckerei seit 1928 geführt hatte, musste ab 1940/41 Zwangsarbeit leisten.
Am 27. November 1941 wurde Mirjam Essinger mit ihrem Mann und ihren zwei kleinen Kindern nach Riga-Jungfernhof deportiert. Dort oder in der Nähe ist die ganze Familie aufgrund der unmenschlichen Lebensbedingungen umgekommen oder Opfer der Massenerschießungen in den nahen Wäldern geworden.
   
Quelle Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal, Auskunft von Dr. Ulrike Schrader, Aug. 2014;
Auszug aus dem Geburtsregister Nr. 1/335/669 der Stadt Zürich;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher;
Privatarchiv Hartmut Behr;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1 S. 138 und S. 52, T. 2, S. 603;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de862585 (19.05.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Riga, Abfahrtsdatum: 29.11.1941, Autorin / Autor
Gabriele Schivon
Paten Herr Karl-Heinz PFAFF
   
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